Der Fall des koreanischstämmigen US-Veteranen Sae Joon Park sorgt in den USA für neue Debatten über Donald Trumps harte Abschiebepolitik. Der 56-Jährige, der im Dienst der US-Armee schwer verwundet wurde und dafür mit dem Purple Heart ausgezeichnet wurde, lebt inzwischen in Südkorea – einem Land, das er als Kind verlassen hatte und dessen Sprache er kaum noch spricht.
Park war im vergangenen Sommer freiwillig aus den USA ausgereist, nachdem ihm US-Einwanderungsbehörden bei einem routinemäßigen Termin mit Verhaftung und Abschiebehaft gedroht hatten. Hintergrund sind frühere Drogendelikte und eine Verurteilung wegen „Bail Jumping“, also des Nichterscheinens vor Gericht. Unter US-Einwanderungsrecht gilt dies als schweres Delikt und kann zur Abschiebung führen.
Für Park ist die Situation bitter. Fast fünf Jahrzehnte lebte er in den Vereinigten Staaten. Bereits mit sieben Jahren war er nach der Scheidung seiner Eltern allein aus Südkorea nach Miami gereist, später zog die Familie nach Los Angeles.
Nach der Highschool trat er der US-Armee bei und wurde 1989 während der US-Invasion in Panama schwer verletzt. Bei einem Feuergefecht wurde er zweimal angeschossen – unter anderem an der Wirbelsäule. Für seine Verwundung erhielt er die Purple-Heart-Auszeichnung.
Doch nach seiner Rückkehr ins zivile Leben kämpfte Park mit schweren psychischen Problemen. Heute spricht er offen darüber, dass er unter posttraumatischen Belastungsstörungen litt. In den frühen 1990er Jahren habe kaum jemand über PTSD gesprochen, Hilfe habe er nicht gesucht.
Stattdessen entwickelte sich eine Drogenabhängigkeit, die schließlich zu mehreren Festnahmen führte. 2007 wurde er wegen Drogenbesitzes verurteilt. Weil er später nicht zu einem Gerichtstermin erschien, verschärfte sich seine Lage erheblich.
Nach einer Haftstrafe wurde gegen ihn eine Abschiebungsverfügung verhängt. Dennoch durfte er jahrelang mit einer sogenannten „Deferred Action“ in den USA bleiben – auch wegen seines Militärdienstes. Seine Green Card verlor er allerdings.
Mit Trumps verschärfter Abschiebepolitik änderte sich die Situation erneut. Frühere Einwanderungsfälle würden nun konsequenter verfolgt, sagen Anwälte. Im vergangenen Juni habe ein Beamter der Einwanderungsbehörde ICE Park mitgeteilt, dass seine Duldung beendet werde.
Um einer sofortigen Inhaftierung zu entgehen, erklärte sich Park bereit, die USA innerhalb weniger Wochen freiwillig zu verlassen. Nach 49 Jahren in Amerika packte er sein Leben in zwei Koffer und flog nach Südkorea.
Heute lebt er in Busan. Er kann kaum Koreanisch lesen oder schreiben und ist im Alltag auf Hilfe von Verwandten angewiesen. Besonders belastend sei die Trennung von seinen beiden erwachsenen Kindern in den USA. Auch seine 86-jährige Mutter, die an Demenz leidet, verstehe oft nicht, warum ihr Sohn plötzlich wieder in Korea sei.
Der Fall hat inzwischen politische Aufmerksamkeit erregt. Demokratische Abgeordnete werfen der Trump-Regierung vor, selbst hochdekorierte Veteranen ohne ausreichende Berücksichtigung ihrer Militärdienste abzuschieben. Das Heimatschutzministerium verweist dagegen auf Parks Vorstrafen und betont, Militärdienst schütze nicht automatisch vor Abschiebung.
Parks Anwälte versuchen nun auf mehreren Wegen, eine Rückkehr in die USA zu ermöglichen. Unter anderem beantragt er eine Begnadigung im Bundesstaat New York. Selbst im Erfolgsfall dürfte ein Verfahren Jahre dauern.
Für Park bleibt die Hoffnung auf eine Rückkehr dennoch bestehen. Besonders dann, wenn er US-Militärstützpunkte in Südkorea besucht, fühlt er sich für kurze Zeit wieder zuhause. „Wenn ich auf der Basis bin“, sagte er CNN, „fühlt es sich an wie Amerika.“
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