Die britische Fluggesellschaft EasyJet hat sich grundsätzlich mit der US-Investmentgesellschaft Castlelake auf die Bedingungen einer möglichen Übernahme verständigt. Der potenzielle Deal bewertet Europas zweitgrößte Billigfluggesellschaft mit rund 5,2 Milliarden Pfund (etwa sechs Milliarden Euro).
Eine endgültige Einigung gibt es allerdings noch nicht. Beide Unternehmen teilten mit, dass zunächst zahlreiche regulatorische Genehmigungen eingeholt werden müssen. Zudem wäre eine Zustimmung der EasyJet-Aktionäre erforderlich.
Mehrere Übernahmeangebote zunächst abgelehnt
Castlelake hatte bereits in den vergangenen Monaten mehrfach versucht, EasyJet zu übernehmen. Insgesamt vier Angebote wurden jedoch vom Vorstand der Fluggesellschaft zurückgewiesen.
Damals warf EasyJet dem Finanzinvestor vor, das Unternehmen deutlich unter Wert erwerben zu wollen. Die Offerten seien zu niedrig gewesen und hätten den tatsächlichen Unternehmenswert nicht angemessen berücksichtigt.
Nun haben sich beide Seiten auf einen neuen Vorschlag verständigt. Dieser sieht einen Angebotspreis von 6,90 Pfund je Aktie vor.
Der Vorstand erklärte, dass er den Aktionären ein solches Angebot grundsätzlich zur Annahme empfehlen würde, sofern Castlelake ein verbindliches Übernahmeangebot vorlegt.
Regulatorische Hürden bleiben bestehen
Bevor die Übernahme tatsächlich erfolgen kann, muss Castlelake verschiedene Genehmigungen der Aufsichtsbehörden erhalten.
Eine der größten Herausforderungen ergibt sich aus den europäischen Luftverkehrsvorschriften. Danach muss EasyJet mehrheitlich im Eigentum von Bürgern oder Unternehmen aus der Europäischen Union stehen, damit die Airline ihre umfangreichen Verkehrsrechte innerhalb Europas behalten kann.
Da Castlelake ein US-amerikanisches Unternehmen ist, hatte der Investor bereits bei früheren Angeboten ein spezielles Beteiligungsmodell vorgeschlagen.
Demnach sollen die Luftfahrtexperten Peter Bellew und Mark Breen gemeinsam eine europäische Gesellschaft kontrollieren, die ihrerseits die Mehrheit an EasyJet halten würde. Auf diese Weise sollen die Eigentumsvorschriften der Europäischen Union erfüllt werden.
Peter Bellew war früher Chief Operating Officer von EasyJet und hatte später dieselbe Funktion auch bei Ryanair inne. Mark Breen leitet ein Beratungsunternehmen für die Luftfahrtbranche und war in leitenden Positionen bei mehreren internationalen Fluggesellschaften tätig.
Entscheidung bis Anfang August
Nach den britischen Übernahmeregeln hat Castlelake nun bis zum 3. August Zeit, entweder ein verbindliches Angebot vorzulegen oder offiziell mitzuteilen, dass keine Übernahme mehr angestrebt wird.
Sollte ein formelles Angebot erfolgen, müssten anschließend die Aktionäre von EasyJet darüber abstimmen.
Attraktives Unternehmen für Investoren
Luftfahrtexperten sehen EasyJet trotz schwieriger Marktbedingungen weiterhin als äußerst attraktives Übernahmeziel.
Das Unternehmen beschäftigt mehr als 19.000 Mitarbeiter und bedient rund 1.200 Flugverbindungen in 35 europäischen Ländern. Die Flotte umfasst mehr als 350 Flugzeuge, hinzu kommen umfangreiche Bestellungen neuer Maschinen.
Besonders wertvoll sind zudem die zahlreichen Start- und Landerechte an stark ausgelasteten Flughäfen wie London-Gatwick oder Paris-Charles-de-Gaulle. Solche sogenannten Slots gelten in der Luftfahrtbranche als äußerst begehrt und können beim Handel zwischen Fluggesellschaften Werte von mehreren Millionen Pfund erreichen.
Aktienkurs zuletzt unter Druck
EasyJet hatte in den vergangenen Monaten unter einem rückläufigen Aktienkurs gelitten. Das Unternehmen machte unter anderem die Auswirkungen der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten sowie die Unsicherheit im internationalen Reiseverkehr dafür verantwortlich.
Vor Bekanntwerden der ersten Übernahmeofferte im Juni hatte die Aktie innerhalb eines Jahres mehr als 30 Prozent ihres Wertes verloren. Zum Handelsschluss am vergangenen Freitag notierte das Papier bei 5,58 Pfund und damit deutlich unter dem nun angebotenen Übernahmepreis.
Castlelake verspricht Unterstützung
Castlelake verwaltet nach eigenen Angaben Vermögenswerte im Umfang von rund 36 Milliarden US-Dollar.
Nach der grundsätzlichen Einigung erklärte der Investor, man habe großen Respekt vor EasyJet, seinen Beschäftigten und der Marke. Ziel sei es, die Fluggesellschaft bei ihrem weiteren Wachstum zu unterstützen und sie langfristig zu einer noch stärkeren und widerstandsfähigeren europäischen Airline weiterzuentwickeln.
Ob es tatsächlich zur größten Übernahme im europäischen Billigflugmarkt der vergangenen Jahre kommt, dürfte sich nun in den kommenden Wochen entscheiden.
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