Diese zweite Halbzeit darf Dynamo so nie wieder spielen
Was war das bitte nach der Pause?
Wer nur die erste Halbzeit gesehen hat, musste eigentlich glauben, Dynamo Dresden hätte in Heidenheim alles im Griff. Wir waren mutig, giftig, spielerisch ordentlich und völlig verdient mit 1:0 vorn. Vermeij trifft, Hauptmann und Inanoglu haben weitere gute Möglichkeiten – da war deutlich mehr drin.
Und dann kommt diese zweite Halbzeit.
Fünf Gegentore.
Fünf!
Das ist nicht einfach nur „unglücklich gelaufen“. Das ist ein kompletter Kontrollverlust.
Natürlich kann man über die Gelb-Rote Karte gegen Keller reden. Natürlich war das Eigentor von Friedrich Müller maximal bitter. Und natürlich verändert Unterzahl ein Spiel.
Aber genau da zeigt sich eben auch, ob eine Mannschaft in der 2. Bundesliga schon abgeklärt genug ist.
Und Dynamo war es an diesem Nachmittag nicht.
Nach der Pause plötzlich ohne Zugriff
Schon vor dem Platzverweis war zu sehen, dass Heidenheim das Spiel immer mehr an sich zog.
Die Gastgeber stellten um, erhöhten den Druck – und Dynamo fand darauf kaum noch eine Antwort.
Was mich dabei als Fan besonders ärgert: Man hatte in der ersten Halbzeit gesehen, dass wir dort bestehen können.
Heidenheim war keineswegs übermächtig.
Wir hatten das Spiel selbst in der Hand.
Umso unverständlicher ist es, wie wir nach der Pause mit und ohne Ball nach und nach jede Kontrolle verloren haben.
Beim 1:1 darf Schöppner nach einer Ecke viel zu einfach zum Kopfball kommen.
Das sind genau die Situationen, die man in dieser Liga nicht herschenken darf.
Nach dem 2:1 hätte Schluss mit schönem Fußball sein müssen
Und dann passiert sogar noch das eigentlich Verrückte:
Dynamo geht in Unterzahl wieder mit 2:1 in Führung.
Das ist normalerweise der Moment, in dem eine Mannschaft sagt:
Jetzt machen wir den Laden dicht.
Jetzt wird jeder Meter verteidigt.
Jetzt fliegt jeder Ball notfalls auf die Tribüne.
Jetzt geht es nicht mehr um Schönheitspreise, sondern nur noch darum, irgendwie mit drei Punkten oder wenigstens einem Punkt nach Dresden zurückzufahren.
Aber genau das hat Dynamo nicht gemacht.
Robert Wagner hat es nach dem Spiel selbst angesprochen: Warum versuchen wir mit zehn Mann teilweise noch vorne anzulaufen?
Genau diese Frage stelle ich mir auch.
Wir waren auswärts.
Wir waren in Unterzahl.
Wir lagen 2:1 vorn.
Was genau wollten wir eigentlich noch?
3:1 gewinnen?
Heidenheim an die Wand pressen?
In so einer Situation musst du hässlich werden.
Du musst kompakt stehen, Zeit von der Uhr nehmen und dem Gegner das Gefühl geben, dass er noch zwei Stunden spielen kann, ohne durchzukommen.
Stattdessen wurde das Spiel immer offener.
Das Eigentor war bitter – aber keine Entschuldigung
Über Friedrich Müller braucht niemand den Stab zu brechen.
Der Junge trifft den Ball unglücklich, das Ding fliegt über Schreiber hinweg ins eigene Tor – brutal.
Natürlich ist das ein Schock.
Aber eine Mannschaft darf nach einem Eigentor nicht komplett auseinanderfallen.
Genau das ist der Punkt.
Nach dem 2:2 waren immer noch einige Minuten zu spielen. Da muss eine Mannschaft erst einmal Ruhe ins Spiel bekommen.
Fünf Minuten tief stehen.
Zweikämpfe führen.
Tempo rausnehmen.
Heidenheim nervös machen.
Stattdessen hatte man teilweise den Eindruck, Dynamo hätte den Stecker gezogen.
Wo waren die Führungsspieler?
Dass Rapp angeschlagen fehlte, Keller runter musste und Hauptmann sowie Vermeij nicht mehr auf dem Platz standen, hat sicherlich eine Rolle gespielt.
Aber auch das gehört zum Fußball.
Eine Mannschaft kann nicht davon abhängig sein, dass vier oder fünf bestimmte Spieler auf dem Platz stehen, damit sie weiß, wie man ein Ergebnis verteidigt.
Gerade in solchen Phasen braucht es jemanden, der die Mannschaft zusammenholt und sagt:
„Jetzt alle zehn Meter zurück. Reihen schließen. Kein Risiko mehr.“
Genau diese Ordnung fehlte.
Beim 3:2 steht Dynamo nicht kompakt genug.
Danach wird es komplett wild.
Das 4:2.
Das 5:2.
Drei Gegentore innerhalb weniger Minuten.
Das darf einer Mannschaft in dieser Form nicht passieren.
Fünf Gegentore in einer Halbzeit sind kein Pech
Natürlich kann man nach dem Spiel einzelne Situationen herausgreifen.
Platzverweis.
Eigentor.
Abgefälschter Ball.
Fehlentscheidung.
Aber irgendwann muss man auch ehrlich sein:
Wenn du innerhalb von 45 Minuten fünf Gegentore bekommst, ist das nicht einfach nur Pech.
Dann hast du ein strukturelles Problem in dieser Phase des Spiels.
Dynamo hat nach der Pause weder das Zentrum geschlossen noch die Räume eng genug gemacht.
Es fehlte an Ruhe.
Es fehlte an Cleverness.
Und irgendwann fehlte offenbar auch der Glaube daran, dieses Spiel noch kontrollieren zu können.
Besonders bitter: Dieses Spiel war absolut vermeidbar
Das ist für mich der ärgerlichste Punkt.
Wenn Heidenheim uns von der ersten Minute an dominiert hätte und wir am Ende 3:5 verlieren – okay.
Dann sagt man: bessere Mannschaft, abhaken.
Aber genau so war es eben nicht.
Dynamo spielte eine richtig gute erste Halbzeit.
Wir hätten sogar höher führen können.
Und selbst nach Platzverweis und Ausgleich schaffen wir es noch einmal, mit 2:1 in Führung zu gehen.
Das bedeutet:
Dieses Spiel lag mehrfach auf dem Silbertablett.
Und wir haben es trotzdem noch komplett aus der Hand gegeben.
Thomas Stamm muss diese 45 Minuten genau analysieren
Jetzt einfach zu sagen „Mund abputzen und weiter“ wäre mir zu wenig.
Trainer Thomas Stamm und seine Mannschaft müssen sich diese zweite Halbzeit sehr genau anschauen.
Warum verlieren wir nach der Pause den Zugriff?
Warum reagieren wir so spät?
Warum bleiben wir nach dem Platzverweis teilweise so offensiv?
Warum schaffen wir es nach dem 2:2 nicht, fünf Minuten einfach nur kompakt zu verteidigen?
Warum fällt die Mannschaft nach dem 3:2 praktisch vollständig auseinander?
Das sind keine Detailfragen.
Das sind Fragen, die darüber entscheiden können, ob du am Saisonende entspannt im Mittelfeld stehst oder plötzlich ganz andere Sorgen bekommst.
Trotzdem: Die Mannschaft kann Fußball spielen
Bei aller Kritik sollte man eines nicht vergessen.
Die erste Halbzeit hat gezeigt, dass diese Mannschaft Qualität besitzt.
Dynamo kann in dieser Liga mithalten.
Dynamo kann sich Chancen herausspielen.
Dynamo kann auswärts bei einer Mannschaft wie Heidenheim das Spiel bestimmen.
Genau deshalb ärgert mich diese Niederlage umso mehr.
Weil sie nicht nötig war.
Wir wurden nicht 90 Minuten lang auseinander genommen.
Wir haben uns diese Niederlage in einer völlig verrückten zweiten Halbzeit selbst eingebrockt.
Mein Fazit als Dynamo-Fan
Eine gute erste Halbzeit darf nicht darüber hinwegtäuschen, was nach der Pause passiert ist.
Fünf Gegentore in 45 Minuten sind nicht akzeptabel.
Nicht für Dynamo Dresden.
Nicht in der 2. Bundesliga.
Und schon gar nicht in einem Spiel, in dem du zur Pause führst und selbst mit zehn Mann noch einmal das 2:1 machst.
Ich will die Mannschaft dafür nicht zerreißen.
Aber ich will auch keine Ausreden hören.
Wir brauchen mehr Cleverness.
Mehr defensive Disziplin.
Mehr Führung auf dem Platz.
Und vor allem müssen wir lernen, dass man in dieser Liga nicht jedes Spiel schön zu Ende spielen kann.
Manchmal musst du ein 2:1 einfach verteidigen, als hinge dein Leben davon ab.
Genau das hat Dynamo in Heidenheim nicht getan.
Und deshalb fühlt sich dieses 3:5 nicht nur bitter an.
Es fühlt sich unnötig an.
Und genau solche Niederlagen tun als Dynamo-Fan am meisten weh.
Forza Dynamo
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