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Die Welt dreht völlig durch: Kuba entdeckt den Kapitalismus, Trump entdeckt Termine nicht und der Iran entdeckt das Vetorecht

rapplw (CC0), Pixabay
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Manchmal gibt es Nachrichtenlagen, bei denen man sich fragt, ob irgendwo heimlich eine Satire-Redaktion die Kontrolle übernommen hat. Der aktuelle Tag liefert gleich mehrere Kandidaten.

Kuba: Genossen suchen plötzlich Investoren

Die wohl erstaunlichste Meldung kommt aus Havanna. Ausgerechnet Kuba, jahrzehntelang das gallische Dorf des Sozialismus in der Karibik, möchte künftig Privatunternehmen, Immobilienprojekte, Aktiengesellschaften und sogar private Banken zulassen.

Manuel Marrero erklärte den Abgeordneten, der Markt sei ein hervorragendes Instrument zur effizienten Ressourcenverteilung. Eine Aussage, für die man in früheren Jahrzehnten vermutlich direkt einen mehrjährigen Bildungsurlaub auf einer Zuckerrohrplantage erhalten hätte.

Natürlich betont die Regierung vorsorglich, dass dies keineswegs eine Abkehr vom Sozialismus sei. Nein, es handele sich lediglich um dessen „Weiterentwicklung“. Offenbar bedeutet Sozialismus im Jahr 2026 nun Aktien, Privatbanken und Immobiliengeschäfte.

Selbst Raul Castro unterstützt die Reformen. Fidel Castro dürfte sich derweil im Revolutionshimmel fragen, warum er eigentlich jahrzehntelang gegen den Kapitalismus gekämpft hat, wenn ihn seine Nachfolger nun offiziell als Rettungsprogramm entdecken.

Obama eröffnet sein Denkmal – Trump eröffnet lieber nichts

Während sich Kuba neu erfindet, wurde in Chicago das Obama Presidential Center eröffnet. Die Gästeliste las sich wie die Besetzung einer besonders teuren Netflix-Serie.

Angela Merkel war da. George W. Bush war da. Bill Clinton war da. Joe Biden war da. Oprah Winfrey, Tom Hanks, Steven Spielberg, Bruce Springsteen und Stevie Wonder ebenfalls.

Nur einer fehlte: Donald Trump.

Das überrascht ungefähr so sehr wie Regen in Hamburg.

Trump ließ die Feier aus, obwohl sich dort praktisch die gesamte politische und kulturelle Elite versammelt hatte. Man könnte sagen: Die Veranstaltung war so prominent besetzt, dass sogar ehemalige Präsidenten eingeladen waren.

Das neue Obama-Center verfügt übrigens über eine Bibliothek, ein Museum und einen Basketballplatz. Die Archive werden digitalisiert. Vermutlich eine Vorsichtsmaßnahme, damit niemand später behaupten kann, die Akten seien versehentlich in Mar-a-Lago gelandet.

Niger: Flughafen mit All-inclusive-Kampfprogramm

Weniger lustig ist die Lage im Niger. Dort griffen Dschihadisten den internationalen Flughafen von Niamey an.

Schwer bewaffnete Angreifer stürmten das Gelände, schossen um sich und lieferten sich Gefechte mit den Sicherheitskräften. Nach etwa einer Stunde war die Anlage wieder unter Kontrolle.

Der Angriff zeigt erneut die paradoxe Realität vieler Staaten der Sahelzone: Militärputsche werden oft mit dem Versprechen begründet, mehr Sicherheit zu schaffen. Einige Jahre später kämpfen Terroristen trotzdem auf Flughäfen, während die Generäle ihre Amtszeiten verlängern.

Immerhin wurde Präsident Abdourahamane Tiani inzwischen bis mindestens 2030 bestätigt. Wahlen hätten die Stabilität vermutlich nur unnötig gestört.

Iran: Zustimmung mit eingebautem Rückwärtsgang

Auch im Iran wird weiter verhandelt. Revolutionsführer Modschtaba Chamenei erklärte nun, er habe das Abkommen mit den USA nur „unter Vorbehalt“ gebilligt.

Das klingt ungefähr so vertrauensbildend wie ein Gebrauchtwagenhändler, der versichert: „Der Motor läuft hervorragend – sofern er läuft.“

Chamenei betonte, man sei grundsätzlich anderer Meinung gewesen, habe aber aus Verantwortung gegenüber der Nation zugestimmt. Gleichzeitig machte er deutlich, dass Verhandlungen keineswegs bedeuten, die Position der Gegenseite zu akzeptieren.

Mit anderen Worten: Man stimmt zu, ohne zuzustimmen.

Diplomaten nennen so etwas wahrscheinlich Fortschritt.

Trump feiert den Sieg und beschimpft die Kritiker

US-Präsident Donald Trump hingegen betrachtet das Abkommen bereits als historischen Triumph.

Als Beweis führt er steigende Börsenkurse und sinkende Ölpreise an. Kritiker bezeichnete er kurzerhand als „Dummköpfe“.

Das Muster ist mittlerweile vertraut: Steigen die Kurse, war es Trumps Genialität. Fallen sie, sind die Demokraten schuld. Steigen sie wieder, war es erneut Trumps Genialität.

Politische Analysten nennen das inzwischen die „Truth-Social-Ökonomie“.

Fazit

Während Kuba den Kapitalismus entdeckt, der Iran seine Zustimmung mit Sternchen versieht, Niger weiterhin gegen Terror kämpft und Trump seine Kritiker beschimpft, bleibt die wichtigste Erkenntnis des Tages:

Die Welt entwickelt sich zunehmend wie eine Mischung aus Politthriller, Wirtschaftskomödie und Reality-TV.

Und die Drehbuchautoren scheinen endgültig jede Hemmung verloren zu haben.

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