Es gibt Nachrichten, die einen Ministerialbeamten erschüttern. Und es gibt Nachrichten, bei denen er vorsichtshalber zweimal nachfragt, ob morgen wirklich kein zusätzlicher Termin angesetzt wird. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sitzt nach schweren Angriffen auf den Flughafen der saudischen Hauptstadt Riad fest. Die geplante Rückreise ist vorerst nicht möglich. Während die Sicherheitsbehörden nach einer Lösung suchen, beginnt in unserer ausdrücklich erfundenen Satire im Berliner Wirtschaftsministerium eine ganz besondere Form der Krisenbewältigung.
„Wie bitte? Die Chefin kommt nicht zurück?“
Montag, 7.45 Uhr. Bundeswirtschaftsministerium, Berlin.
Ein Mitarbeiter betritt das Büro seines Kollegen.
„Hast du schon gehört?“
„Was denn?“
„Die Ministerin sitzt in Saudi-Arabien fest.“
Stille.
Dann die entscheidende Frage:
„Wie lange?“
„Weiß noch keiner.“
Der Mitarbeiter legt langsam seinen Aktenordner zur Seite.
„Also … rein organisatorisch gefragt … müssen wir die Besprechung um neun dann trotzdem machen?“
Sein Kollege schüttelt den Kopf.
„Die ist abgesagt.“
„Und die um zehn?“
„Auch.“
„Die Videokonferenz um elf?“
„Wird verschoben.“
Der Mann schaut aus dem Fenster.
Dann flüstert er:
„Herrlich. Endlich wieder ein Montag, an dem man arbeiten kann.“
Natürlich ist diese Szene frei erfunden.
Aber man wird ja wohl noch träumen dürfen.
In Riad wird die Rückreise organisiert – in Berlin vorsichtshalber nichts überstürzen
Die Wirklichkeit ist deutlich ernster.
Nach schweren Angriffen auf den Flughafen von Riad mit Toten und zahlreichen Verletzten ist der Flugverkehr erheblich beeinträchtigt.
Die Wirtschaftsministerin hält sich wegen internationaler Energiekonferenzen bereits seit einigen Tagen in der saudischen Hauptstadt auf.
Ihre für Montag vorgesehene Rückreise kann nach den bisherigen Informationen nicht wie geplant stattfinden.
Die zuständigen Behörden prüfen alternative Reisemöglichkeiten.
Das Ministerium versichert, dass die Ministerin und ihre Begleiter sicher zurückkehren sollen.
Das ist selbstverständlich das Wichtigste.
Schließlich ist eine gefährliche Sicherheitslage kein Anlass für Schadenfreude.
Aber die Vorstellung, wie in Berlin gerade jemand völlig selbstlos den Terminkalender der Ministerin auf „vorläufig frei“ stellt, besitzt durchaus eine gewisse komische Qualität.
„Einsatz für Deutschlands Energiesicherheit“ – jetzt auch mit ungeplanter Verlängerung
Während die Rückreise noch ungeklärt ist, nimmt Katherina Reiche ihre Termine in Riad offenbar weiterhin wahr.
Das Ministerium veröffentlichte am Sonntag ein Konferenzfoto unter der Überschrift „Einsatz für Deutschlands Energiesicherheit“.
Das ist schön.
Und ein wenig ironisch.
Denn ausgerechnet die deutsche Wirtschaftsministerin, die sich im Ausland mit der Sicherheit der Energieversorgung beschäftigt, erlebt nun hautnah, wie schnell internationale Krisen plötzlich ganz praktische Probleme verursachen.
Gestern ging es noch um globale Lieferketten und Energietransporte.
Heute lautet die wichtigste logistische Frage:
„Wie bekommen wir die Chefin wieder nach Berlin?“
Spätestens hier dürfte jedem Regierungsmitarbeiter klar sein, dass Mobilität ein höchst unterschätzter Bestandteil moderner Wirtschaftspolitik ist.
Krisensitzung im Ministerium: Wer übernimmt jetzt den Kugelschreiber?
In unserer satirischen Berliner Parallelwelt tagt inzwischen ein eigens eingerichteter Krisenstab.
Tagesordnungspunkt eins: Sicherheit der Ministerin.
Vollkommen richtig.
Tagesordnungspunkt zwei: Rückreisemöglichkeiten.
Ebenfalls richtig.
Tagesordnungspunkt drei: Wer unterschreibt eigentlich die Unterlagen, die seit Freitag auf dem Schreibtisch liegen?
Ein Beamter meldet sich.
„Wir könnten sie digital übermitteln.“
Ein anderer entgegnet:
„Das wäre aber eine grundlegende Verwaltungsmodernisierung. Dafür brauchen wir erst eine Arbeitsgruppe.“
Ein Dritter schlägt vor:
„Oder wir lassen die Akten einfach bis Dienstag liegen.“
Daraufhin entsteht erstmals seit Monaten parteiübergreifende Zustimmung innerhalb der Abteilung.
Die große Sorge: Kommt sie womöglich doch schon morgen?
Doch bei allem vermeintlichen Frohsinn herrscht auch Unruhe.
Ein Mitarbeiter entdeckt die Meldung, dass alternative Rückreisemöglichkeiten geprüft werden.
Sofort sinkt die Stimmung.
„Alternative Rückreise? Was heißt das?“
„Vielleicht über einen anderen Flughafen.“
„Und wenn sie morgen früh hier steht?“
„Dann haben wir ein Problem.“
„Welches?“
„Ich habe schon meinen Schreibtisch aufgeräumt.“
Eine Kollegin beruhigt ihn:
„Keine Sorge. Bevor drei Bundesministerien eine alternative Reiseroute abgestimmt haben, ist mindestens eine interministerielle Besprechung nötig.“
„Gibt es dafür eine Tagesordnung?“
„Selbstverständlich.“
„Und wer schreibt die?“
Da ist die gute Laune wieder vorbei.
Deutschland entdeckt plötzlich die Vorzüge der Videokonferenz
Währenddessen könnte der Aufenthalt in Riad einen ganz unerwarteten Modernisierungsschub auslösen.
Denn wenn die Ministerin nicht persönlich erscheinen kann, bleibt immer noch die digitale Kommunikation.
Videokonferenz statt Dienstwagen.
Onlinebesprechung statt Konferenzraum.
Digitale Akte statt Papierstapel.
Eine geradezu revolutionäre Vorstellung.
Ein Mitarbeiter fragt vorsichtig:
„Könnten wir vielleicht künftig auch manche anderen Termine so erledigen?“
Stille.
Dann antwortet der Abteilungsleiter:
„Wir wollen die Krise jetzt nicht für überzogene Reformforderungen ausnutzen.“
Am Ende hoffen natürlich alle auf eine sichere Heimkehr
So verlockend die Vorstellung einer unerwartet terminarmen Arbeitswoche auch sein mag: Die Lage in Saudi-Arabien ist ernst.
Bei den Angriffen sind Menschen ums Leben gekommen, viele weitere wurden verletzt.
Die Sicherheit der Ministerin, ihrer Mitarbeiter und aller anderen Betroffenen steht deshalb uneingeschränkt im Vordergrund.
Die Bundesregierung muss prüfen, wie eine sichere Rückreise organisiert werden kann.
Dabei sind diplomatische Abstimmungen und die aktuelle Gefährdungslage wichtiger als jede Terminplanung.
Und die Beschäftigten im Wirtschaftsministerium dürften in Wirklichkeit ohnehin genug damit zu tun haben, die veränderten Abläufe zu organisieren.
Aber in einer Satire darf man sich vorstellen, wie irgendwo in Berlin ein Mitarbeiter mit seinem Kaffee am Fenster steht und murmelt:
„Ich wünsche der Chefin wirklich von Herzen eine sichere Rückkehr.“
Kurze Pause.
„Nur bitte nicht unangekündigt vor der Mittagspause.“
Unser Fazit: Die Ministerin sitzt fest – und der Amtsschimmel wiehert leise
Katherina Reiche wollte in Riad über Energiepolitik sprechen.
Nun beschäftigt sich die Bundesregierung zusätzlich mit einer ungeplanten Reiseorganisation.
In unserer erfundenen Ministeriumswelt sorgt das für hektische Gelassenheit, verschobene Termine und vorsichtiges Aufatmen.
Während ein Krisenstab nach Rückreisemöglichkeiten sucht, soll in Berlin bereits der erste Mitarbeiter gefragt haben:
„Wenn die Ministerin noch zwei Tage länger bleibt, dürfen wir dann endlich die kaputte Kaffeemaschine ersetzen?“
Die Antwort aus dem Haushaltsreferat:
„Dafür fehlen leider die Mittel.“
Und damit ist wenigstens eines völlig unverändert geblieben: Die deutsche Bürokratie funktioniert auch ohne anwesende Ministerin.
Wir wünschen Katherina Reiche, ihrem Team und allen Menschen vor Ort eine sichere Rückkehr beziehungsweise ein Ende der gefährlichen Lage.
Ein satirischer Kommentar für diebewertung.de. Sämtliche geschilderten Gespräche und Reaktionen von Ministeriumsmitarbeitern sind frei erfunden.
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