700 Mitarbeiter, unzählige Leitfäden, Factsheets, Arbeitsgruppen, Kompetenzzentren und natürlich jede Menge Podcasts: Willkommen bei der Deutschen Energie-Agentur, kurz Dena – jener Behörde, die offenbar existiert, damit Ministerien Dinge machen lassen können, die sie selbst weder verstehen noch erklären wollen.
„Scharnier zwischen Politik und Praxis“
Dena-Chefin Corinna Enders beschreibt ihre Behörde liebevoll als „Scharnier zwischen Politik und Praxis“.
Das klingt natürlich deutlich eleganter als:
„Jemand muss das Chaos der Energiewende irgendwie verwalten.“
Denn während in Berlin Klimaziele beschlossen werden, sitzen viele Kommunen irgendwo zwischen Excel-Tabelle, Rohrleitungsplan und der Frage:
„Wo zur Hölle soll hier eigentlich die Wärmepumpe hin?“
Deutschland plant die Wärmewende im Modus „Ruf doch mal bei der Dena an“
Besonders beruhigend:
Wenn Kommunen nicht weiterwissen, lautet die Empfehlung offenbar tatsächlich:
„Ruf doch mal bei der Dena an.“
Das ist ungefähr die staatliche Version von:
„Hast du schon versucht, den Router neu zu starten?“
10.700 Kommunen und keiner weiß genau, wo welches Rohr langläuft
Die Wärmewende in Deutschland funktioniert aktuell ungefähr so:
- Die Politik beschließt Ziele.
- Ministerien schreiben Gesetze.
- Bürger verstehen nichts mehr.
- Handwerker sind ausgebucht bis 2034.
- Und irgendwo versucht die Dena herauszufinden, welche Kommune eigentlich noch weiß, wo ihre Heizungsleitungen verlaufen.
Die große deutsche Spezialdisziplin: Leitfäden
Natürlich produziert die Dena vor allem das, was Deutschland am besten kann:
Leitfäden.
Wenn morgen der Strom komplett ausfällt, wird wahrscheinlich innerhalb von zwei Stunden ein 480-seitiges PDF erscheinen:
„Orientierungshilfe zur nachhaltigen Dunkelheit im kommunalen Umfeld.“
Aber bitte klimaneutral bis 2045
Gleichzeitig bleibt der politische Druck gewaltig:
Deutschland soll klimaneutral werden.
Bis 2045.
Natürlich mit europäischem Recht, Verfassungsgerichtsurteilen und Monitoring-Berichten.
Nur beim Netzausbau, bei Gebäudesanierungen und bei der praktischen Umsetzung hapert es leicht.
Oder wie man in Deutschland sagt:
„Wir sind auf einem guten Weg.“
Wärmepumpe verteufelt – trotzdem kaufen die Leute sie
Besonders lustig:
Jahrelang wurde die Wärmepumpe politisch und medial behandelt wie ein dämonisches Küchengerät aus der Hölle.
Trotzdem kaufen die Menschen sie weiter.
Vielleicht einfach deshalb, weil viele Bürger inzwischen den Eindruck haben:
Wenn sie auf die Politik warten, frieren sie vorher.
Die Energiewende als deutsches Dauerprojekt
Am Ende wirkt die ganze Debatte wie ein gigantisches deutsches Gesellschaftsprojekt:
- maximal komplex,
- maximal bürokratisch,
- maximal erklärungsbedürftig.
Aber immerhin entstehen neue Jobs:
Energieberater, Wärmewende-Koordinatoren, Fördermittel-Erklärer und vermutlich bald auch „kommunale Rohrleitungsmoderatoren“.
Deutschland schafft das.
Irgendwie.
Vielleicht.
Mit Leitfaden.
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