Der Widerspruch zwischen Begeisterung für die wichtigste Nebensache der Welt mit dem Zweck Finanzkraft einzusetzen und Korruption zu ernten als Lebensform der Fußballwelt

Sport lebt von Begeisterung im Sinne der antiken griechischen Forderung als gesellschaftliches Phänomen der Hochkultur aristokratischer Gesellschaftsschichten mit dem Ziel von Ruhm und Ehre nach einem abgeschlossenen Wettkampf. Sport hatte die Bindung zu militärischen Bedürfnissen in kriegerischer Zeit, weshalb Frauen davon bis zu den Wettkämpfen von Olympia (776 v. Chr.) ausgeschlossen waren. Die Entwicklung des (sportlichen) Gymnasiums (325 v. Chr.) soll in Ergänzung zu individuellen Leistungen den Mannschaftssport gebracht haben (Sparta).

Fußball entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Großbritannien und ist heute die weltweit beliebteste Mannschaftssportart (Dambeck, H.; Fußball ist Glücksspiel – 2007). Er ist heute ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Gastgeber von Fußball-Weltmeisterschaften erhoffen sich durch die Ausrichtung des nach den Olympischen Spielen zweitgrößten Sportereignisses der Welt gesamtwirtschaftliche Impulse. In den Staaten der Veranstalter werden dazu Stadien und Infrastrukturen erneuert. Beim Vergleich der Fußballwelt-meisterschaften in Deutschland (1974 und 2006) verzehnfachte sich der Aufwand bei steigender Tendenz auf fast 1,4 Milliarden Euro; die Finanzierung erfolgt durch Sponsoren.

Dazu gehören neben den Eintrittsgeldern in den Stadien – dem geringsten Anteil – die Fernsehrechte, die Einnahmen aus dem Bezahl-Fernsehen und die Werbung innerhalb und außerhalb der Stadien. Die Zuflüsse steigen von Veranstaltung zu Veranstaltung und regional nach Erfolg des jeweiligen Fußballvereins. Seit Ende des 20. Jahrhunderts haben sich starke Vereine in Aktiengesellschaften umgewandelt, in Deutschland erstmals Borussia Dortmund im Jahr 2000. Die Einflüsse privater Investoren sollen keine Mehrheit erlangen.

Wo Geld fließt, kann Korruption nicht weit sein. Nach Informationen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouse Coopers (PwC) aus 2013 sind 60% der deutschen Führungskräfte korrupt, was in den meisten Unternehmen „unter den Teppich gekehrt“ wird. Im Fußball sollten Verstöße dank des aktiven Publikums schneller bemerkt werden. Das ist leider nicht der Fall. Als Beispiel sei die aktuelle Erkenntnis der brasilianischen Staatsanwaltschaft hervorgehoben, die im Juni 2017 veröffentlicht hat, dass einer der Spieler im Endspiel 2002 (Brasilien gegen Deutschland) gedopt war. Formal und folgerichtig müsste Deutschland im Nachhinein vom Fußball-Weltmeister ernannt werden. Die Entwicklung bleibt abzuwarten.

Weitere Bestechungen und Korruptionen innerhalb der FIFA führten zu Aktionen der USA durch die NSA gegen die Organisation in Zürich in Ausübung durch das FBI. Bisher sind 17 nationale Führungskräfte verhaftet und zur weiteren Verfolgung der Straftaten in die USA geflogen worden. Laut Europol wurden seit 2008 mehr als 700 verdächtige Spiele registriert, die durch ein kriminelles Netzwerk organisiert worden waren. In Deutschland stehen 70 Partien und 425 Club-Funktionäre unter Verdacht. Es gibt bekannte Spieler – um die Fußballweltmeisterschaft von 2006 in Deutschland – und Funktionäre, die ihr Heimatland nicht mehr verlassen, da sie außerhalb desselben aufgrund eines internationalen Haftbefehls im Auftrag der USA verhaftet würden. Unterschiedliche Verdachtsmomente führten in Deutschland dazu, dass ein neuer DFB-Präsident, Reinhard Grindel, gewählt wurde. Dies hat Einfluss auf die aktuellen Geschehnisse.

Grindel kritisiert FIFA-Entscheidungen und den Führungsstil des aktuellen Präsidenten Infantino mit dem Ziel einen Reformprozess zu realisieren. Die Vorgaben haben Dringlichkeit. Wenige Beobachter haben festgestellt, dass bedeutende Fußballspiele in Deutschland nicht ausverkauft sind. Das Spiel Deutschland-England in Dortmund sei als Beispiel genannt. Grindel reduziert diesen Vorwurf auf die Zahl der angebotenen Spiele ohne Qualifikationscharakter. Solche Erkenntnisse vermindern nicht die Eintrittsgelder, sondern auch die Werbeeinnahmen und Fernsehgebühren. Die Zuschauer sehen leere Sitz- und Stehplätze. Das vermindert psychologisch die Bedeutung des Spiels und in der Konsequenz die der Werbung.

Den Erfolg nach amerikanischem Muster bei Sportveranstaltungen durch Cheer-Leader herbeizuführen, kann bei einem Fußballspiel in Deutschland zum Debakel werden. Die Sängerin Helene Fischer ist im Osten Deutschlands ein Solitär. Im Olympiastadion von Berlin wurde ihr Auftritt beim Endspiel zum DFB-Pokal dennoch zur Katastrophe. Vermeintliche Vorgabe der Fans: Sie wollen Fußball, keinen Gesang. Letzteren gibt es jedoch schon bei Spielen in der Landesliga. Eine Farce wird der Vorwurf der Kommerzialisierung des Fußballs durch den Gesang. Auf die vorangegangenen Zeilen sei verwiesen.

 

Kommerziell beachtlich und nicht rassistisch ist die Feststellung, dass der Anteil deutscher Spieler der jeweiligen Vereine im Endspiel jedes Jahr geringer wird. Fans, die gegen ausländische Spieler wettern oder ausländische Finanzierungen von Vereinen anprangern, können die Zukunft des Fußballs in Deutschland populistisch beeinflussen – und sei es nur, dass sie höhere Eintrittsgelder oder diese überhaupt verweigern. Eventisierung kann der Vorwand für eine andere Kritik sein – auch der Wunsch nach Randale und der eigenen Kraftdarstellung der Fans gegenüber anderen Teilen der Tribüne und gegenüber den Spielern, insbesondere, wenn sie der Mannschaft der Gäste angehören. Dazu wird kein Fußballstadion benötigt. Public Viewing in Turin führte zu mehr als 1500 Verletzten.

 

Die Konsequenzen werden internationale Auswirkungen sein. Es ist fraglich, ob die FIFA

600 Millionen Euro zusätzliche Fernsehgebühren einnehmen kann, wenn die Zahl der Spiele in Wettbewerben wächst und das Angebot der Stadien größer wird. Der Confed Cup jetzt in Russland und 2021 in Qatar wird zum Reizwort. Grindel sieht darin eine weitere Verbesserung der Wettbewerbe. Die neue Nations League wird wie andere Veranstaltungen als ein Preis für die Stimmen bei der Präsidentenwahl – früher Blatter, heute Infantino –  gesehen.

Ein Neuanfang der FIFA kann durch die Probleme wegen Qatar erzwungen werden. Dieses Land wurde auch von ehemaligen deutschen Fußballspielern gefördert und wirtschaftlich positioniert.

 

Die noch verbale Auseinandersetzung  mit den Nachbarstaaten von Quatar und der interne politische Widerspruch in den USA – durch Mr. Trump gegen und seinen Außenminister für Quatar – können die wirtschaftlichen Grundlagen des Fußballs außer Kraft setzen. Dies hätte Einfluss auf deutsche Vereine dieser Sportart, die ohne direkte Schuld i. V. m. Qatar ihre Glaubwürdigkeit verlieren würden. Das wird sich nicht verbal, sondern in geringeren Einschaltquoten, geringeren Werbeeinnahmen und weniger Fernsehfußball ausdrücken.

Die Leidtragenden werden die kleinen Vereine sein, denen das Fehlverhalten der großen Welt zugerechnet wird.

 

 

Kommentar hinterlassen