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Der Treibhauseffekt und andere Wahlkampfkatastrophen

Elf-Moondance (CC0), Pixabay
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Ein völlig seriöses Interview mit Lem Oeskemir, Friedrich April, Lou Habeg und Malice Eidel

Moderator:
Herzlich willkommen zu unserem wissenschaftlichen Spezial: „Politik erklärt Naturwissenschaft – oder versucht es zumindest“. Anlass ist ein viral gegangenes Klassenzimmer-Video. Bei mir im Studio: Lem Oeskemir, Friedrich April, Lou Habeg und Malice Eidel. Schön, dass Sie da sind.

Lem Oeskemir:
Ich bin nur gekommen, um sicherzustellen, dass hier niemand den Treibhauseffekt mit der Heizung im Gewächshaus verwechselt.

Friedrich April:
Moment – ich dachte immer, der Treibhauseffekt ist, wenn Wahlkampfversprechen in der Sonne verdampfen.

Lou Habeg:
Nein, das ist der Oppositionseffekt.

Malice Eidel:
Oder der Koalitionseffekt. Je mehr Parteien beteiligt sind, desto heißer wird die Luft im Raum.

Moderator:
Herr Oeskemir, Sie liegen in den Umfragen gleichauf mit der CDU. Hilft Ihnen das Klassenzimmer-Video?

Lem Oeskemir:
Ich würde nie behaupten, dass mir jemand politisch hilft, indem er spontan Physikunterricht gibt. Aber sagen wir so: Wir erklären seit Jahren den Treibhauseffekt – jetzt macht das plötzlich die Konkurrenz.

Friedrich April:
Und zwar mit völlig neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen! Zum Beispiel: Wenn die Atmosphäre dünner wird, wird die Sonne heißer.

Lou Habeg:
Ich habe sofort bei der NASA angerufen. Die prüfen jetzt, ob sie ihre Lehrbücher neu schreiben müssen.

Moderator:
Frau Eidel, wie beurteilen Sie den Auftritt im Klassenzimmer?

Malice Eidel:
Pädagogisch sehr interessant. Die Schülerinnen und Schüler haben gelernt, dass man auch ohne Vorbereitung an die Tafel gehen kann. In der Politik nennt man das „spontane Kompetenzsimulation“.

Friedrich April:
Oder „mutiges Halbwissen“.

Lem Oeskemir:
Im Wahlkampf gilt: Wer an der Tafel steht, wirkt automatisch wie ein Experte.

Moderator:
Die Szene mit der Lehrerin wurde besonders diskutiert.

Lou Habeg:
Das war eigentlich ein ganz normaler Unterrichtsmoment. Schüler melden sich, Lehrer stellen Fragen – und plötzlich meldet sich der Politiker und sagt: „Jetzt rede ich!“

Malice Eidel:
Und danach sagt die Lehrerin: „Wunderbar, bin beeindruckt.“
Das ist genau der Tonfall, den ich benutze, wenn mein Neffe mir erklärt, dass er ein Einhorn gesehen hat.

Moderator:
Zum Abschluss: Erklären Sie bitte alle in einem Satz den Treibhauseffekt.

Lem Oeskemir:
Sonnenlicht kommt rein, Wärme bleibt drin – und zu viel CO₂ macht die Erde wärmer.

Friedrich April:
Also wie im Wahlkampfbüro: Viele reden rein, und am Ende wird die Stimmung immer heißer.

Lou Habeg:
Oder wie im Koalitionsausschuss.

Malice Eidel:
Genau. Nur dass dort nicht CO₂ das Problem ist, sondern heiße Luft.

Moderator:
Vielen Dank für dieses hochwissenschaftliche Gespräch. Nächste Woche erklären Politiker den Unterschied zwischen Inflation, Wetter und Wahlumfragen.

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