Die Weltwirtschaft schwächelt, die Euro-Zone lahmt, Österreich dümpelt, Deutschland hustet – und irgendwo in Washington sitzt vermutlich jemand und nennt das weiterhin „strategische Stärke“. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognosen nach unten korrigiert und warnt: Die globale Konjunktur droht erneut aus der Bahn zu geraten. Oder, etwas weniger diplomatisch formuliert: Danke, Donald Trump.
Der Internationale Währungsfonds hat am Dienstag seine neuen Prognosen vorgelegt – und die klingen ungefähr so optimistisch wie ein Wetterbericht mit den Worten „örtlich Weltuntergang“.
Für 2026 rechnet der IWF weltweit nur noch mit einem Wachstum von 3,1 Prozent. Im Jänner waren es noch 3,3 Prozent. Für 2027 soll die Weltwirtschaft auf 3,2 Prozent kommen. Das ist zwar noch Wachstum, aber eben von der Sorte, bei der man sich fragt, ob der Motor noch läuft oder nur noch rollt.
Offiziell nennt der IWF als Gründe den Nahost-Krieg, die blockierte Straße von Hormus, steigende Energiepreise und die damit verbundene Unsicherheit. Inoffiziell könnte man auch sagen:
Wenn man Handelskriege, echte Kriege und geopolitische Muskelspiele gleichzeitig für eine gute Idee hält, sollte man sich über schlechte Wirtschaftsdaten nicht wundern.
Die Weltwirtschaft auf Schlingerkurs – wieder einmal
Schon im vergangenen Jahr sprach der IWF von „höheren Handelsbarrieren und verstärkter Unsicherheit“.
Das war die diplomatisch sehr elegante Umschreibung für:
Donald Trump zündet wirtschaftspolitisch gern alles an, was nicht schnell genug wegläuft.
Jetzt kommt also noch der Krieg im Nahen Osten dazu – und siehe da:
Plötzlich ist die Weltwirtschaft „erneut in Gefahr, aus der Bahn zu geraten“.
Man könnte fast meinen, dauerhafte Instabilität, Zollchaos, blockierte Seewege und militärische Eskalation seien kein ideales Investitionsumfeld.
Überraschend.
Euro-Zone: Bitte nicht zu schnell bewegen, sonst fällt etwas auseinander
Auch die Euro-Zone bekommt ihr Fett weg.
Für 2026 erwartet der IWF nur noch 1,1 Prozent Wachstum, statt der bisher prognostizierten 1,3 Prozent.
Für 2027 geht es von 1,4 auf 1,2 Prozent runter.
Das ist ungefähr das ökonomische Äquivalent zu:
„Wir bewegen uns noch – aber bitte nicht zu hektisch, sonst merkt es jemand.“
Österreich: Ein bisschen Wachstum, ein bisschen Inflation, ein bisschen Hoffnung
Für Österreich sieht es wenig dramatisch, aber auch wenig begeisternd aus:
- Wachstum 2026: 0,7 Prozent (statt 0,8)
- Wachstum 2027: 1,0 Prozent
- Inflation 2026: 2,5 Prozent (statt 2,3)
- Inflation 2027: 2,6 Prozent
Das ist jene österreichische Spezialdisziplin, bei der man wirtschaftlich nicht abstürzt, aber auch nicht wirklich vorankommt.
Oder anders gesagt:
Die Wirtschaft läuft ungefähr so dynamisch wie ein Amtstermin an einem Fenstertag.
Die Arbeitslosigkeit bleibt laut IWF weitgehend stabil. Wenigstens etwas.
Stillstand ist ja auch eine Form von Berechenbarkeit.
Deutschland: Europas Exportmaschine steht mal wieder auf Reserve
Auch Deutschland wird wieder nach unten korrigiert.
Für 2026 erwartet der IWF nur noch 0,8 Prozent Wachstum statt 1,1 Prozent.
Für 2027 sind es 1,2 Prozent statt 1,5 Prozent.
Das Land, das jahrzehntelang als industrielle Lokomotive Europas galt, fährt derzeit eher im Modus:
„Bitte nicht gleichzeitig heizen, produzieren und optimistisch sein.“
Hohe Energiepreise, schwache Nachfrage und geopolitische Unsicherheit treffen Deutschlands Modell naturgemäß besonders hart.
Wenn die Welt brennt, exportiert Deutschland eben nicht automatisch dagegen an.
USA: Krieg führen, Prognose verlieren
Auch die USA – immerhin selbst unmittelbare Kriegspartei im Konflikt mit dem Iran – bekommen eine leichte Korrektur:
- 2026: 2,3 Prozent Wachstum statt 2,4
- 2027: 2,1 Prozent statt 2,0
Also ja:
Amerika wächst noch.
Aber selbst dort dämmert langsam, dass Bomben keine nachhaltige Wachstumsstrategie sind.
US-Finanzminister Scott Bessent erklärte zwar bereits sinngemäß, ein bisschen wirtschaftlicher Schmerz sei schon okay, wenn dafür langfristig Sicherheit herauskomme.
Was übersetzt wohl heißt:
„Wenn Benzin, Inflation und Weltwirtschaft explodieren, nennen wir das geopolitische Resilienz.“
IWF-Chefin Georgiewa: Selbst im besten Fall bleibt’s unerquicklich
IWF-Chefin Kristalina Georgiewa formulierte es gewohnt höflich, aber ziemlich deutlich:
„Selbst im besten Fall wird es keine saubere und reibungslose Rückkehr zur Vorkriegssituation geben.“
Das ist IWF-Sprache für:
Vergesst es. Selbst wenn morgen Frieden wäre, wird das hier wirtschaftlich noch lange unerquicklich.
Das globale Wachstum werde sich mittelfristig auf einem niedrigeren Niveau einpendeln – also deutlich unter dem Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2019, als die Weltwirtschaft im Schnitt noch bei 3,7 Prozent lag.
Die gute alte Zeit also, als Krisen wenigstens noch einzeln kamen.
Inflation bleibt kleben – Zentralbanken sollen aber bitte nicht in Panik geraten
Zusätzlich warnt der IWF vor einem neuen Inflationsschub.
Für 2026 wird weltweit eine Inflation von 4,4 Prozent erwartet, für 2027 immerhin noch 3,7 Prozent.
Das liegt deutlich über den zwei Prozent, von denen Zentralbanken gern träumen wie andere vom Lottogewinn.
Trotzdem rät der IWF den Notenbanken zu Ruhe:
Bitte nicht vorschnell die Zinsen hochreißen.
Denn wenn man auf jeden Ölpreisschock sofort mit Zinserhöhungen reagiert, kann man die Inflation zwar bremsen – aber die Wirtschaft gleich mit in den Graben schieben.
Preisdeckel? Subventionen? Klingt gut, ist laut IWF aber teuer
IWF-Chefökonom Pierre-Olivier Gourinchas warnte Regierungen zudem vor populären Reflexen:
- keine großflächigen Preisdeckel
- keine neuen pauschalen Subventionen
- keine teuren Schnellschüsse, die am Ende nur die Staatsverschuldung aufblasen
Was politisch natürlich unerquicklich ist, weil Regierungen ungern sagen:
„Leider können wir Ihnen die Realität nicht billiger machen.“
Fazit: Weltwirtschaft im Krisenmodus, Washington im Eigenlob
Der IWF zeichnet ein Bild, das man höflich als „eingetrübt“ bezeichnen könnte.
Die Weltwirtschaft wächst langsamer, Energie bleibt teuer, Inflation bleibt hartnäckig, und die Risiken sind enorm.
Und während Europa versucht, mit angezogener Handbremse durch die nächste Krise zu rollen, bleibt in Washington offenbar die Hoffnung bestehen, man könne geopolitische Eskalation einfach als Führungsstärke verkaufen.
Bleibt also nur festzuhalten:
Handelskrieg, Nahostkrieg, Energiekrise, Inflationsdruck – und am Ende wundert man sich über schwächere Wachstumszahlen.
Dank Donald Trump.
Kommentar hinterlassen