Kubas Energiekrise hat offenbar einen dramatischen Höhepunkt erreicht. Energieminister Vicente de la O Levy erklärte im Staatsfernsehen, dass dem Land inzwischen sowohl Diesel als auch Schweröl vollständig ausgegangen seien.
„Wir haben absolut kein Schweröl mehr. Absolut keinen Diesel mehr“, sagte der Minister ungewöhnlich offen. Verfügbar sei nur noch begrenztes Gas aus eigenen Förderquellen.
Damit befindet sich das kubanische Energiesystem nach Regierungsangaben in einem „kritischen Zustand“.
Stromausfälle von bis zu 22 Stunden
Besonders betroffen ist die Hauptstadt Havanna. Dort kommt es laut Ministerium inzwischen zu Stromabschaltungen von bis zu 20 oder sogar 22 Stunden täglich.
Die Folgen treffen das öffentliche Leben massiv:
- Krankenhäuser arbeiten nur eingeschränkt,
- Schulen und Behörden mussten schließen,
- der Tourismus leidet zunehmend,
- und viele Haushalte kochen inzwischen wieder mit Feuerholz auf der Straße.
Bilder aus Havanna zeigen dunkle Straßenzüge, brennende Müllhaufen und improvisierte Kochstellen.
Proteste gegen die Regierung
Am Mittwochabend kam es in mehreren Stadtteilen Havannas zu seltenen Protesten gegen die Energiekrise. Hunderte Menschen gingen laut Reuters und AFP auf die Straße, blockierten Straßen und riefen Parolen gegen die Regierung.
Anwohner sollen lautstark „Macht das Licht an!“ gerufen haben.
Es waren die größten Demonstrationen in Havanna seit Beginn der aktuellen Energiekrise im Januar.
Regierung macht USA verantwortlich
Präsident Miguel Díaz-Canel sieht die Schuld eindeutig bei den Vereinigten Staaten. Die US-Sanktionen hätten die Versorgung des Landes massiv verschärft.
Auf X sprach Díaz-Canel von einer „genozidalen Energieblockade“, mit der Washington andere Staaten davon abhalte, Kuba mit Treibstoff zu beliefern.
Tatsächlich hatten die USA zuletzt den Druck auf Länder wie Venezuela und Mexiko erhöht, die traditionell Öl nach Kuba liefern. Präsident Donald Trump drohte mit Strafzöllen gegen Staaten, die weiterhin Energieexporte nach Kuba ermöglichen.
Streit um US-Hilfsangebot
Parallel dazu bietet Washington nach eigenen Angaben humanitäre Hilfe in Höhe von 100 Millionen Dollar an – allerdings verbunden mit Forderungen nach „bedeutenden Reformen“ des kommunistischen Systems.
Die US-Regierung erklärte, die Hilfsgüter könnten gemeinsam mit der katholischen Kirche und internationalen Hilfsorganisationen verteilt werden.
Havanna weist die Darstellung zurück. Kuba bestreitet, das Angebot grundsätzlich abgelehnt zu haben, und bezeichnet die amerikanischen Sanktionen als „illegal und missbräuchlich“.
Die schwerste Krise seit Jahren
Die Insel erlebt damit eine der schwersten wirtschaftlichen und sozialen Krisen seit Jahrzehnten. Bereits seit Monaten kämpft Kuba mit:
- extremer Inflation,
- Lebensmittelknappheit,
- Medikamentenmangel,
- und massiver Auswanderung.
Nun droht die Energieversorgung vollständig zu kollabieren.
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