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„Buy now, pay later ist oft eine Schuldenfalle im neuen Gewand“

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Verbraucheranwalt Jens Reime warnt vor den Schattenseiten moderner Ratenmodelle

Redaktion: Herr Reime, die BaFin warnt aktuell erneut vor dem Bezahlmodell „Buy now, pay later“. Was steckt hinter dieser Warnung?

Jens Reime: Die Warnung ist absolut berechtigt. Bei „Buy now, pay later“ – also „Jetzt kaufen, später zahlen“ – wird oft suggeriert, dass es sich um eine bequeme und risikofreie Zahlungsoption handelt. Doch in Wahrheit steckt dahinter nichts anderes als ein Kurzzeitkredit, der häufig Zinsen, Mahngebühren oder sogar Inkassokosten nach sich ziehen kann. Wer nicht genau hinsieht, tappt schnell in die Schuldenfalle – insbesondere jüngere oder finanziell schwächere Verbraucher.


Redaktion: Was unterscheidet BNPL von klassischen Ratenzahlungen?

Reime: Im Unterschied zur klassischen Ratenfinanzierung wird BNPL meist nicht bonitätsgeprüft, geht schnell und unkompliziert – und ist gerade deshalb riskanter. Viele Anbieter verlangen zwar zunächst keine Zinsen, aber bei Zahlungsverzug werden die Kosten schnell empfindlich hoch. Zudem werden die Rückzahlungsfristen oft kleingedruckt kommuniziert – mit hohen Verzugsfolgen, wenn man nur einen Zahlungstermin verpasst.


Redaktion: Wo lauern aus rechtlicher Sicht die größten Risiken?

Reime: Zum einen in der Intransparenz der Vertragsbedingungen. Die eigentlichen Kosten verbergen sich hinter Marketing-Slogans wie „0 % Zinsen“ oder „Zahle erst in 30 Tagen“. In Wahrheit folgen Verzugszinsen, Mahnpauschalen und Inkassodrohungen, wenn man den Termin verpasst – und das alles oft ohne klassische Kreditvertragsinformationen. Das kann sogar rechtlich fragwürdig sein, wenn Informationspflichten nach dem Verbraucherdarlehensrecht nicht erfüllt werden.


Redaktion: Was raten Sie Verbraucherinnen und Verbrauchern, die BNPL nutzen wollen oder schon genutzt haben?

Reime: Ganz klar: Augen auf vor dem Klick! Erstens sollte man prüfen, ob man sich den Kauf auch ohne Ratenmodell leisten könnte. Zweitens: Allgemeine Geschäftsbedingungen lesen, Zahlungsfristen notieren und keine Raten auf die leichte Schulter nehmen. Und drittens: Bei Mahnungen oder Inkassobriefen nicht in Panik verfallen, sondern rechtlich prüfen lassen, ob die Forderungen überhaupt berechtigt sind.


Redaktion: Gibt es aus Ihrer Sicht auch seriöse BNPL-Modelle?

Reime: Ja, die gibt es. Einige Anbieter arbeiten mit klaren Konditionen, fairen Mahnfristen und einer transparenten Kommunikation. Aber man muss unterscheiden: Manche BNPL-Anbieter arbeiten bankenähnlich – andere agieren eher wie Online-Händler mit aggressiven Zahlungsmodellen. Hier muss die Aufsicht sehr genau hinschauen – und der Gesetzgeber auch.


Redaktion: Was fordern Sie konkret vom Gesetzgeber?

Reime: Es braucht eine klare Regulierung dieser Finanzprodukte, die oft unter dem Radar klassischer Kreditregeln fliegen. Wer faktisch Kredite vergibt – auch nur für 30 Tage – muss sich an dieselben Verbraucherschutzstandards halten wie Banken. Dazu gehören Informationspflichten, Widerrufsrechte und klare Kostenaufschlüsselung. Sonst haben wir es mit einer Grauzone zu tun, die Tür und Tor für Überschuldung öffnet.


Redaktion: Vielen Dank, Herr Reime.

Jens Reime: Sehr gerne. Es ist höchste Zeit, dass wir über die echten Risiken hinter der hübschen BNPL-Fassade sprechen.

 

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