Microsoft-Mitgründer Bill Gates hat seine geplante Grundsatzrede auf einem bedeutenden KI-Gipfel in Indien kurzfristig abgesagt. Hintergrund sind erneute Diskussionen über seine früheren Kontakte zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.
In einer Mitteilung erklärte die Gates Foundation am Donnerstag, Gates werde „nach sorgfältiger Abwägung“ nicht wie vorgesehen die Keynote beim AI Impact Summit in Neu-Delhi halten. Ziel sei es, sicherzustellen, dass der Fokus der Veranstaltung auf ihren zentralen Themen bleibe. Eine konkrete Begründung für den überraschenden Rückzug wenige Stunden vor dem geplanten Auftritt wurde nicht genannt.
Neue E-Mails sorgen für Schlagzeilen
Die Absage erfolgt vor dem Hintergrund kürzlich veröffentlichter Dokumente im Zusammenhang mit dem Fall Epstein. Darunter befinden sich zwei Entwürfe von E-Mails aus dem Jahr 2013, die offenbar von Epstein an sich selbst verfasst wurden. Darin behauptet er unter anderem, er habe für Gates sexuelle Kontakte vermittelt und ihm Medikamente beschafft, um eine sexuell übertragbare Krankheit vor seiner Ehefrau zu verbergen.
Unklar ist, wer die E-Mail-Entwürfe tatsächlich verfasst hat. Sie wurden jedoch in Epsteins E-Mail-Konto gespeichert und sind an ihn selbst adressiert.
Gates hat die Vorwürfe entschieden zurückgewiesen und als „absolut absurd und völlig falsch“ bezeichnet. Ein Sprecher erklärte zuvor, die Dokumente zeigten lediglich Epsteins Frustration darüber, dass keine fortlaufende Beziehung zu Gates bestanden habe, sowie dessen Versuche, ihn in Misskredit zu bringen.
Gates: „Jede Minute mit ihm bereue ich“
In einem Interview mit dem australischen Sender Nine News äußerte sich Gates zu den neu veröffentlichten Unterlagen. Er betonte, es handle sich um eine E-Mail, die nie verschickt worden sei und inhaltlich falsch sei.
„Jede Minute, die ich mit ihm verbracht habe, bereue ich“, sagte Gates. Es sei ein Fehler gewesen, sich mit Epstein zu treffen. Er habe jedoch nie Epsteins Privatinsel besucht, nie an entsprechenden Partys teilgenommen und keine illegalen Aktivitäten unterstützt.
Die nun veröffentlichten Akten enthalten auch weitere E-Mails zwischen Epstein und Gates, in denen Treffen koordiniert und philanthropische Projekte besprochen werden. Alle dokumentierten Kontakte fanden nach Epsteins Verurteilung im Jahr 2008 wegen prostitutionsbezogener Straftaten statt.
Gipfel mit internationaler Bedeutung
Der AI Impact Summit in Neu-Delhi gilt als eine der wichtigsten KI-Konferenzen im Globalen Süden. Indiens Premierminister Narendra Modi eröffnete die Veranstaltung am Donnerstagmorgen offiziell.
Gates befand sich in dieser Woche in Indien. Noch am Dienstag hatte die Gates Foundation India seine Teilnahme bestätigt und angekündigt, er werde wie geplant die Eröffnungsrede halten. Auch auf seinem Account auf der Plattform X veröffentlichte Gates Beiträge über Treffen mit indischen Politikern, darunter mit dem Ministerpräsidenten des Bundesstaates Andhra Pradesh.
Nun wird die Stiftung laut eigener Mitteilung durch Ankur Vora, Präsident der Afrika- und Indienbüros der Gates Foundation, vertreten.
Anhaltende Debatte um Epsteins Netzwerk
Die jüngste Veröffentlichung weiterer Epstein-Dokumente hat zahlreiche prominente Persönlichkeiten erneut ins öffentliche Blickfeld gerückt. Die Unterlagen wurden vom US-Justizministerium freigegeben und enthalten Hinweise auf Kontakte zwischen Epstein und zahlreichen einflussreichen Personen aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft.
Während Gates einräumt, dass seine Treffen mit Epstein ein „schwerer Fehler im Urteilsvermögen“ gewesen seien, bestreitet er weiterhin jede Form von Fehlverhalten oder Beteiligung an kriminellen Aktivitäten.
Ob die kurzfristige Absage seines Auftritts in Indien direkt mit der aktuellen Berichterstattung zusammenhängt, bleibt offiziell offen. Der zeitliche Zusammenhang dürfte jedoch die Spekulationen weiter anheizen.
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