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Betrug und ihre (Internet) Opfer

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Die statistischen Kriminalzahlen weisen im Bereich der Internetkriminalität die höchsten Steigerungen auf. Die Betrugsmaschen im Internet nehmen zu wie, auch die Anzahl ihrer Opfer. Dies gilt auch für andere Länder.

Kodoya et al. (2021)[1] zeigen auf, dass etwa Japan die Zahl der Finanzbetrugsfälle in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen hat. Obwohl sich die Behörden des Problems bewusst sind, fehle eine wirksame Lösung, da die Betrüger innovative Betrugsmethoden anwenden und die Zielgruppe ständig wechseln. Anhand einer landesweiten Umfrage der japanischen Universität Hiroshima aus dem Jahr 2020 man die sozioökonomischen und psychologischen Merkmale der Opfer von Trend- und Spezialfinanzbetrügereien wie etwa fiktiven Rechnungsbetrügereien, Kreditbürgschaftsbetrug und Rückerstattungsbetrug.

Männer, Verheiratete und finanziell weniger gut gestellte Personen waren häufiger Opfer von fiktiven Rechnungsbetrügereien; weniger ängstliche Personen waren häufiger Opfer von Kreditbürgschaftsbetrug; und ältere, vermögende und weniger einkommensstarke Befragte waren häufiger Opfer von Erstattungsbetrug. Die Ergebnisse von Kodoya et al. (2021) zeigen auch einige Gemeinsamkeiten in den Profilen der Opfer. So wurden beispielsweise finanziell weniger geschickte Personen häufiger Opfer von fiktiven Rechnungsbetrügereien und Kreditbürgschaftsbetrug. Schließlich wurden Menschen, die mit ihrer Familie zusammenlebten, die kein kontrolliertes Kaufverhalten zeigten und die unter Einsamkeitsgefühlen litten, häufig Opfer aller Arten von speziellen Finanzbetrügereien.

Da ältere Menschen den Höhepunkt ihres Vermögensaufbaus meist schon erreicht oder überschritten haben, sind sie häufig das Ziel von Betrügern.

DeLiema et al (2020)[2] untersuchten in einer amerikanischen Studie die Umstände bei der Kreditvergabe und die Folgen beim Betrug durch Finanzbetrüger. In den letzten 5 Jahren berichteten bis zu 5% der älteren Menschen ab 50 über mindestens eine Form von Anlagebetrug und 4,4 % berichteten über Preis-/Lotteriebetrug.

Ein größeres, vorhandenes Vermögen (ohne Immobilien) korrelierte dabei mit Anlagebetrug, während ein geringeres Immobilienvermögen und depressive Symptomatik der Opfer mit Gewinnspielbetrug in Verbindung gebracht werden konnte. Hispanoamerikaner gaben deutlich seltener eine der beiden Betrugsarten an.

Andere vermutete Risikofaktoren – geringe soziale Integration und finanzielle Bildung – waren nicht signifikant ausgeprägt. DeLiema et al. (2020) zeigen auf, dass Betrug ist ein komplexes Phänomen ist und es keinen Einzelfaktor gibt, welcher die Viktimisierung eindeutig vorhersagt.

Spezielle Präventionsprogramme sollten daher vermehrt die Verbraucher über die verschiedenen Arten von Betrug aufklären und das Bewusstsein von Finanzdienstleistern schärfen. DeLiema geht davon aus, dass es am häufigsten zu Betrügereien kommt, wenn schutzbedürftige ältere Menschen in Abwesenheit von Vertrauenspersonen von Finanzräubern umworben werden.

Die Präventionsbemühungen sollten sich daher auf die Verringerung der sozialen Isolation konzentrieren, um den Schutz zu verbessern[3].

Die beiden kleinen, aufgezeigten Beispiele zeigen wie komplex dieses Thema ist und wie wenig bisher bekannt ist, um potentielle Opfer zu schützen. Das Internet macht er gerissenen Verbrechern noch leichter an, oft ungeschulte oder nicht mit ihm vertraute, Personen heranzukommen. Für die Zukunft erscheint es wichtig relevante Schutzmechanismen aufzubauen und zu verbreiten.

[1] Front Psychol. 2021; 12: 649565.

[2] J Gerontol B Psychol Sci Soc Sci . 2020 Mar 9;75(4):861-868. doi: 10.1093/geronb/gby151.

[3] Gerontologist . 2018 Jul 13;58(4):706-718. doi: 10.1093/geront/gnw258.

Salvatore Giacomuzzi Wien

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