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Berlin schafft jetzt sogar Fahrräder

geralt (CC0), Pixabay
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Deutschland wollte eigentlich die Verkehrswende. Weniger Autos, mehr Nachhaltigkeit, urbane Mobilität, klimafreundliche Innenstädte. Also kauften Menschen für ungefähr den Preis eines gebrauchten Kleinwagens E-Bikes mit App-Anbindung, minimalistischer Ästhetik und Namen wie „Urban Motion One“.

Nun zeigt sich:
Nicht der Akku war das größte Problem.
Nicht die Lieferketten.
Nicht die Nachfrage.

Sondern Berlin.

Die Hauptstadt besiegt jetzt sogar Startups auf Fahrrädern

Der estnische E-Bike-Hersteller Ampler ist insolvent. Und die Geschichte klingt so absurd, dass sie gleichzeitig vollkommen logisch wirkt.

Ein Unternehmen entwickelt futuristische Elektrofahrräder mit USB-C-Ladeanschluss – also praktisch iPhones mit Pedalen – und scheitert am Ende nicht an Technologie oder Konkurrenz, sondern an einem Berliner Mietvertrag.

Das muss man erst einmal schaffen.

Willkommen im deutschen Endgegner: Gewerbemiete

Der eigentliche Gewinner dieser Geschichte ist natürlich der Berliner Immobilienmarkt.

Dort gelten inzwischen Naturgesetze, die Physiker noch jahrzehntelang untersuchen werden:
Energie kann verloren gehen.
Unternehmen können verschwinden.
Aber Berliner Mieten steigen weiter.

Der Mietvertrag lief zehn Jahre und entwickelte sich offenbar zu einer Art finanzieller Todesfalle. Als das Unternehmen aussteigen wollte, verlangte der Vermieter schlanke 1,2 Millionen Euro.

Für dieses Geld bekommt man in Berlin inzwischen ungefähr:
eine mittelgroße Altbauküche
oder einen Parkplatz mit „urbanem Charakter“.

Das nachhaltige Geschäftsmodell Deutschlands

Die deutsche Wirtschaftspolitik lautet inzwischen offenbar:
„Innovation fördern – aber bitte nur solange sie sich die Innenstadt leisten kann.“

Startups entwickeln künstliche Intelligenz, klimafreundliche Mobilität oder nachhaltige Technologien – und scheitern anschließend daran, dass ein Büro in Berlin-Mitte ungefähr so viel kostet wie eine kleine Raumfahrtmission.

Vielleicht ist das die wahre deutsche Transformation:
vom Industriestandort zur Luxusimmobilie.

Das Fahrrad als Symbol der modernen Tragödie

Besonders poetisch wird die Geschichte dadurch, dass ausgerechnet ein Fahrradunternehmen an den Immobilienpreisen zerbricht.

Das Fahrrad galt schließlich lange als Symbol urbaner Zukunft:
sauber,
leise,
nachhaltig,
moralisch leicht überlegen.

Doch selbst das rettet einen offenbar nicht mehr vor Berliner Gewerbemieten.

In der Hauptstadt wird inzwischen sogar die Verkehrswende gentrifiziert.

Der Vermieter gewinnt immer

Die vielleicht wichtigste wirtschaftliche Erkenntnis der vergangenen Jahre lautet ohnehin:
Wenn irgendwo Geld verdient wird, möchte früher oder später ein Immobilienbesitzer mitverdienen.

Restaurants?
Zu hohe Mieten.
Clubs?
Zu hohe Mieten.
Startups?
Zu hohe Mieten.
Normale Menschen?
Sowieso.

Berlin entwickelt sich damit langsam zu einem faszinierenden Experiment:
eine Stadt voller Ideen, in der sich irgendwann nur noch Investmentfonds und Menschen mit Altverträgen aufhalten können.

Die große deutsche Innovationsstrategie

Besonders beeindruckend bleibt die politische Kommunikation.

Deutschland diskutiert täglich über:
Klimaschutz,
digitale Zukunft,
nachhaltige Mobilität,
Start-up-Förderung.

Gleichzeitig scheitert ein innovatives Unternehmen daran, dass ein Bürovertrag praktisch unkündbar geworden ist.

Das ist ungefähr so, als würde man eine Raumfahrtagentur gründen und dann feststellen, dass der Parkplatz am Flughafen zu teuer ist.

Die Mitarbeiter dürfen jetzt nachhaltig arbeitslos werden

Besonders bitter:
50 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs.

Immerhin gibt es für die Kunden eine gute Nachricht:
Die Fahrräder können weiterhin repariert werden.

Das wirkt fast schon zynisch poetisch.
Das Unternehmen verschwindet.
Aber das Fahrrad fährt weiter.

Eine perfekte Metapher für die moderne Startup-Welt:
Das Produkt funktioniert.
Das Geschäftsmodell stirbt.

Berlin – die Stadt der unbezahlbaren Möglichkeiten

Die Hauptstadt bleibt damit ihrer Linie treu.

Berlin zieht junge Unternehmen an mit:
Kreativität,
Internationalität,
Szene,
Lifestyle.

Und vertreibt sie später wieder mit:
Nebenkosten,
Mietverträgen
und Gewerbepreisen, bei denen selbst Investoren kurz still werden.

Vielleicht braucht Berlin irgendwann ein neues Stadtmotto:

„Arm, aber für euch inzwischen leider auch zu teuer.“

Die eigentliche Pointe

Am Ende bleibt vor allem eine herrlich deutsche Erkenntnis:

Ein Unternehmen kann das erste USB-C-ladbare E-Bike der Welt entwickeln.
Es kann innovative Technologie bauen.
Es kann europaweit verkaufen.

Aber gegen einen Berliner Mietvertrag kommt selbst modernste Mobilität nicht an.

Die Verkehrswende endet eben manchmal nicht auf der Straße.

Sondern beim Vermieter.

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