In Australien richtet sich der politische Blick am Samstag auf eine Nachwahl mitten im Nirgendwo – und genau dort könnte es historisch werden. Im riesigen Wahlkreis Farrer in New South Wales droht den traditionellen Konservativen der nächste Denkzettel. Die rechte Protestpartei One Nation von Pauline Hanson hofft erstmals auf einen direkt gewählten Abgeordneten im nationalen Parlament.
Ausgelöst wurde die Wahl durch den Rückzug der langjährigen Liberal-Politikerin Sussan Ley. Nachdem sie nach nur neun Monaten als Oppositionsführerin abserviert worden war, legte sie auch ihr Mandat nieder. Nun steht ihre Partei plötzlich unter Druck.
Denn laut Umfragen könnte es eng werden – und zwar nicht zwischen Regierung und Opposition, sondern zwischen der konservativen Liberal Party, der unabhängigen Kandidatin Michelle Milthorpe und One-Nation-Bewerber David Farley.
Für Australiens politische Elite ist das ein Warnsignal. One Nation galt lange als lautstarke Protestbewegung mit viel Wut, aber wenig echter Machtbasis. Doch die Partei profitiert zunehmend vom Frust vieler Wähler über hohe Lebenshaltungskosten, politische Grabenkämpfe und das Gefühl, von den großen Parteien ignoriert zu werden.
One-Nation-Chefin Pauline Hanson dürfte das mit Genugtuung beobachten. In den späten 90ern sorgte sie bereits für politische Schockwellen, verlor aber später ihren Sitz. Seitdem sitzt sie nur noch im Senat. Ein Sieg in Farrer wäre daher ein symbolischer Durchbruch.
Besonders pikant: Die regierende Labor-Partei tritt in dem Wahlkreis gar nicht erst an. Dadurch könnte es erstmals passieren, dass weder Labor noch die konservative Koalition am Ende die entscheidende Stichwahl unter den letzten zwei Kandidaten erreichen.
Für die Liberalen wäre das ein weiterer Albtraum nach ihrer historischen Wahlschlappe bei der letzten Parlamentswahl. Und für One Nation wäre es der Moment, aus dem ewigen Protestmodus endgültig in die Machtpolitik aufzusteigen.
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