Wie ein südamerikanisches Bergbauunternehmen zur zentralen Figur eines mutmaßlichen Goldsystems wurde
Im Zentrum der Ermittlungen rund um die österreichische GGMT beziehungsweise die spätere TGI-Struktur steht ein Name, der außerhalb der Goldszene kaum bekannt war: Aulicio Mining Inc.
Das Unternehmen aus Guyana spielte eine Schlüsselrolle im Geschäftsmodell der Wiener Unternehmer Helmut und Katarina Kaltenegger. Denn genau mit dieser Mine wurde erklärt, warum Kunden angeblich Gold weit unter Marktpreis kaufen konnten.
Die Geschichte klang für Anleger verlockend:
Kunden zahlen heute Geld ein, warten mehrere Monate oder Jahre auf die Lieferung – und Aulicio Mining nutzt dieses Kapital angeblich, um Goldförderung und Goldhandel gewinnbringend auszubauen. Aus den späteren Gewinnen sollte dann physisches Gold an die Kunden geliefert werden.
Ein Modell mit hohen Rabatten, langen Wartezeiten und enormen Renditeversprechen.
Doch je genauer man die Rolle von Aulicio Mining betrachtet, desto mehr Fragen entstehen.
Das große Goldversprechen
Die GGMT versprach Anlegern Preisnachlässe von bis zu 50 Prozent auf den Goldpreis – sofern sie bereit waren, bis zu drei Jahre auf die Lieferung zu warten.
Als wirtschaftliche Grundlage wurde dabei immer wieder Aulicio Mining genannt. Die Mine in Guyana sollte laut Darstellung der Anbieter durch das eingesammelte Anlegergeld Gold fördern, handeln und Gewinne erwirtschaften.
Kritiker und Finanzexperten halten dieses Modell jedoch seit Jahren für hochproblematisch.
Denn Goldinvestments funktionieren normalerweise nicht mit garantierten Rabatten und langfristig fest zugesagten Renditen. Der Goldpreis schwankt permanent. Gleichzeitig sind Bergbauprojekte teuer, risikoreich und stark von Weltmarktpreisen abhängig.
Der Edelmetallexperte Michael Eubel von der Bayerischen Landesbank bezeichnete das Modell deshalb deutlich:
„Das stinkt doch zum Himmel.“
Lieferprobleme und immer neue Ausreden
Spätestens als zahlreiche Kunden trotz abgelaufener Lieferfristen kein Gold erhielten, geriet Aulicio Mining stärker in den Fokus.
In E-Mails an Kunden wurden verschiedenste Gründe für die Verzögerungen genannt:
die Corona-Pandemie,
Hochwasser,
Probleme mit Minenlizenzen
oder organisatorische Schwierigkeiten in Südamerika.
Besonders auffällig:
Immer wieder wurde auf angebliche „höhere Gewalt“ verwiesen.
Für viele Kunden änderte das jedoch nichts an der zentralen Frage:
Wo blieb das versprochene Gold?
Die umstrittene Vertragsübernahme
Als der Druck auf die GGMT zunahm, folgte ein besonders brisanter Schritt.
Laut Informationen aus Kundenschreiben sollten bestehende Verträge plötzlich von der Aulicio Mining übernommen werden. Die Verantwortung für die Goldlieferungen sollte damit faktisch von der österreichischen Gesellschaft auf die Mine in Guyana übergehen.
Kunden wurden aufgefordert, neuen Vertragsbedingungen zuzustimmen. Teilweise entstand dabei offenbar erheblicher Druck auf Anleger.
Kritiker sehen darin den Versuch, Verantwortlichkeiten zu verschieben und Haftungsfragen komplizierter zu machen.
Viele Betroffene berichten bis heute, weder Gold noch Rückzahlungen erhalten zu haben.
Wer steckt hinter Aulicio Mining?
Öffentlich trat Aulicio Mining vor allem über den österreichischen Unternehmer Alexander S. auf, dessen Ehefrau als Politikerin in Guyana aktiv sein soll.
Die GGMT warb dabei offensiv mit angeblichen Verbindungen zum österreichischen Außenministerium. Tatsächlich war Alexander S. früher im diplomatischen Umfeld tätig. Wegen seiner geschäftlichen Aktivitäten wurde er später jedoch vom Dienst freigestellt.
Was bis heute weitgehend fehlt:
unabhängige technische Berichte,
international anerkannte Zertifizierungen,
öffentlich überprüfbare Produktionszahlen
oder belastbare Nachweise über die tatsächliche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Mine.
Genau das ist in der internationalen Rohstoffbranche jedoch entscheidend.
Experten sehen erhebliche Risiken
Der Fall zeigt ein bekanntes Muster vieler fragwürdiger Rohstoff-Investments:
Eine schwer überprüfbare Mine im Ausland,
komplexe Lieferketten,
große Renditeversprechen
und Anlegergelder, die angeblich in künftige Förderungen fließen sollen.
Gerade kleinere Bergbauprojekte in Ländern mit begrenzter Transparenz gelten unter Experten als besonders schwer kontrollierbar.
Hinzu kommt:
Weder die Struktur der Goldförderung noch die tatsächliche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Aulicio Mining wurden bislang öffentlich umfassend dokumentiert.
Die zentrale Frage bleibt unbeantwortet
Bis heute bleibt offen, welche reale Rolle Aulicio Mining tatsächlich innerhalb des gesamten Geschäftsmodells spielte.
Existierte dort tatsächlich eine ausreichend profitable Goldförderung?
Oder diente die Mine vor allem als schwer überprüfbare Erklärung für ein Geschäftsmodell, das ohne ständige neue Kundengelder kaum funktionieren konnte?
Fest steht:
Tausende Anleger warten offenbar bis heute auf Lieferungen oder Rückzahlungen.
Und genau deshalb dürfte Aulicio Mining auch künftig eine zentrale Rolle bei der juristischen und wirtschaftlichen Aufarbeitung des gesamten Komplexes spielen.
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