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Amerika droht eine neue Inflationswelle – und sie könnte lange dauern

Alexandra_Koch (CC0), Pixabay
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Die Hoffnungen der US-Regierung auf eine schnelle wirtschaftliche Entspannung im Zuge des Iran-Krieges bekommen einen schweren Dämpfer. Neue Inflationsdaten zeigen: Für Verbraucher in den USA dürfte die Phase steigender Preise noch lange nicht vorbei sein.

Besonders alarmierend ist dabei die Entwicklung bei den Großhandelspreisen. Diese stiegen im April deutlich stärker als erwartet – und erhöhen den Druck auf Unternehmen, ihre höheren Kosten an Kunden weiterzugeben.

Großhandelspreise explodieren

Der sogenannte Producer Price Index (PPI), der die Preisentwicklung auf Unternehmensebene misst, stieg im April im Jahresvergleich um sechs Prozent. Im März hatte die Rate noch bei vier Prozent gelegen.

Noch drastischer fällt der Blick auf den Monatswert aus: Die Preise erhöhten sich um 1,4 Prozent – doppelt so stark wie von Ökonomen erwartet. Es ist einer der höchsten monatlichen Anstiege seit Einführung der Statistik im Jahr 2010.

Haupttreiber bleiben die Energiekosten. Allein die Benzinpreise legten um 15,6 Prozent zu und waren laut US-Statistikbehörde für rund 40 Prozent des gesamten Preisanstiegs verantwortlich.

Trump spricht von „kurzfristigem Schmerz“

US-Präsident Donald Trump versucht dennoch weiter zu beschwichtigen. Vor seinem China-Besuch erklärte er, die Inflation sei lediglich ein vorübergehendes Problem.

„Sobald dieser Krieg vorbei ist, wird die Inflation wahrscheinlich auf anderthalb Prozent sinken“, sagte Trump mit Blick auf den Konflikt mit Iran.

Ökonomen halten diese Einschätzung jedoch für unrealistisch. Selbst wenn es kurzfristig zu einer Einigung mit Teheran kommen sollte, würden blockierte Öllieferungen aus der Straße von Hormus erst Monate später wieder den Weltmarkt erreichen.

Hinzu kommt: Die weltweiten Ölreserven schrumpfen laut Internationaler Energieagentur derzeit so schnell wie seit Jahren nicht mehr.

Verbraucher geraten zunehmend unter Druck

Auch für amerikanische Haushalte wird die Lage schwieriger. Bereits am Dienstag hatten neue Zahlen gezeigt, dass die Verbraucherpreise zuletzt um 3,8 Prozent gestiegen sind – der höchste Wert seit Mai 2023.

Besonders problematisch: Die Löhne wachsen inzwischen langsamer als die Preise. Damit verlieren viele Amerikaner real an Kaufkraft.

Zugleich geraten Unternehmen ebenfalls unter Druck. Viele Firmen hätten die Belastungen durch höhere Zölle und Energiepreise bislang selbst getragen, heißt es von Analysten. Doch dieser Spielraum werde kleiner.

Experten rechnen deshalb damit, dass ein wachsender Teil der Kosten künftig direkt an Verbraucher weitergegeben wird.

Neue Sorgen an den Finanzmärkten

Die neuen Inflationszahlen sorgen auch an den Finanzmärkten für Nervosität. Anleger gehen inzwischen davon aus, dass die US-Notenbank die Zinsen länger hoch halten muss.

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg zeitweise auf fast 4,5 Prozent – ein Niveau, das an den Märkten als kritische Marke gilt.

Auch die Börsen reagierten zurückhaltend. Der Dow Jones verlor zeitweise rund 200 Punkte, ebenso gaben S&P 500 und Nasdaq nach.

Fed steckt im Dilemma

Für die amerikanische Notenbank wird die Situation zunehmend kompliziert. Höhere Zinsen könnten zwar helfen, die Inflation zu bremsen. Gleichzeitig wächst jedoch die Sorge, dass eine aggressive Zinspolitik den Arbeitsmarkt schwächen und die Wirtschaft zusätzlich belasten könnte.

Damit droht den USA genau das Szenario, das Ökonomen seit Monaten befürchten: dauerhaft hohe Preise bei gleichzeitig schwächerem Wachstum.

Oder anders gesagt: Der versprochene „kurzfristige Schmerz“ könnte deutlich länger dauern als vom Weißen Haus angekündigt.

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