Aktien sind langfristig immer gestiegen. Warum vertrauen so wenige den Unternehmen?

Es macht Börsianer schwindelig, wenn ein Kursplus von 5.200 Prozent bei einzelnen Dax-Werten über acht Jahre zu verzeichnen ist. Der Wert solcher Unternehmen hat sich an der Börse verfünfzigfacht! Beispiel: ProSieben/Sat1 kommt immerhin noch auf den Faktor von 38, Continental auf 16. Der Dax als Index zeigt den Faktor 3,6 bei 13.000 Punkten. Korrektur? Crash in Kürze?Es ist wenig sinnvoll, auf Rückschläge zu warten – aber darauf zu spekulieren? Wunschziele zu erwarten war nie ein guter Ratschlag am Aktienmarkt. Seit es Aktien gibt, sind sie im Trend stets gestiegen. Sonst befänden sie sich nicht auf Rekordhochs. Das unterscheidet sie von der Problematik der Tulpenkrise im 17. Jahrhundert, die dafür zwar als Maß der Dinge gilt, aber anders als Firmen im gleichen Kalenderjahr keine Fortsetzung kennt (Rogoff, K. – This Time is different).

Trotz der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank sind die Aktienkäufe durch Deutsche nicht größer geworden. Das mangelnde Zutrauen in Aktien lebt mit Beispielen aus der Vergangenheit. Menschen können sich nicht vorstellen, was die Innovationskraft von Unternehmen erbringen kann und wie deren Fähigkeit wachsen könnte, Gewinne zu erwirtschaften und die Aktienkursentwicklung positiv zu beeinflussen. Apple, Google, Microsoft, Amazon und Facebook sind in den USA die stärksten Unternehmen; in Deutschland ist es in der gleichen Branche der Technologieunternehmen SAP – vor VW.

Der DAX-Index hat zurzeit das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14. Das ist der Durchschnitt der vergangenen Jahre. Die Innovationskraft und Gewinnstärke der Unternehmen haben den Aktienaufschwung der vergangenen Jahre unterfüttert. Die entscheidende Frage für ein Engagement in Aktien ist die nach technologischen Neuerungen als Frage der Lebenseinstellung zwischen Mensch und Unternehmen. Im Durchschnitt besitzen Deutsche nur zu 7 Prozent Aktien. Hätte die deutsche Politik mehr Zutrauen in die Innovationskraft der deutschen Wirtschaft, würde sie den demographischen Herausforderungen des Rentensystems mit Hilfe des Kapitalmarkts begegnen und ihren Bürgern die Richtung zu Aktien vorgeben. Andere Länder halten Beteiligungen an Unternehmen in größerem Umfang insbesondere für die Altersvorsorge.

Aktienkurse beinhalten immer Spekulationen über die Zukunft, die ungewiss ist.  Die Börse ist realwirtschaftlich fundiert, wie die Kurs-Gewinn-Verhältnisse im DAX zeigen. Investoren kaufen nicht alles, was ihnen angeboten wird, sondern achten auf die Preise. Die Selektion ist ein gutes Zeichen für den Aktienmarkt und die Stabilität seines Aufschwungs.

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