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Äthiopische Häftlinge in Saudi-Arabien flehen vor drohender Hinrichtung um Hilfe

Kaufdex (CC0), Pixabay
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Aus einer Todeszelle in Saudi-Arabien haben äthiopische Häftlinge die BBC kontaktiert, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Einige Insassen gelangten an die Telefonnummer des tigrinischen BBC-Dienstes und riefen aus dem Gefängnis an, um ihre Geschichten zu erzählen.

Die Männer sitzen in einem Gefängnis in der südsaudischen Stadt Khamis Mushait. Viele von ihnen stammen aus der äthiopischen Region Tigray. Sie hatten Krieg, Armut und Perspektivlosigkeit hinter sich lassen wollen und waren über gefährliche Routen durch Dschibuti und Jemen nach Saudi-Arabien gelangt. Dort wurden sie wegen Drogenschmuggels verurteilt und warten nun auf die Vollstreckung ihrer Todesurteile.

Nach den vorliegenden Angaben hat die BBC mit sieben äthiopischen Gefangenen gesprochen. Insgesamt könnten Dutzende, möglicherweise bis zu 200 Äthiopier in dem Gefängnis auf ihre Hinrichtung warten. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres wurden dem Bericht zufolge bereits 17 Äthiopier in Saudi-Arabien hingerichtet, fünf davon an einem einzigen Montag.

Menschenrechtsorganisationen sehen die Entwicklung mit großer Sorge. Amnesty International verweist darauf, dass 2025 bereits 35 Äthiopier hingerichtet worden seien, während es zwei Jahre zuvor noch zwei gewesen seien. Als mögliche Gründe werden einerseits die Folgen des Krieges in Tigray genannt, andererseits die zunehmende Anwendung der Todesstrafe bei Drogendelikten in Saudi-Arabien.

Die betroffenen Häftlinge schildern schwere Vorwürfe gegen das Verfahren. Einer der Gefangenen berichtet, er habe keinen Zugang zu einem Anwalt gehabt und sich nicht verteidigen können. Außerdem sei er gezwungen worden, ein arabischsprachiges Dokument zu unterschreiben, dessen Inhalt er nicht verstanden habe. Ähnliche Angaben machten auch andere Gefangene.

Menschenrechtsorganisationen wie Reprieve, Human Rights Watch und Amnesty International kritisieren, dass in solchen Verfahren grundlegende rechtsstaatliche Garantien häufig nicht eingehalten würden. Genannt werden fehlender Zugang zu Anwälten, fehlende Akteneinsicht und unzureichende Übersetzung. Theoretisch gebe es zwar ein Berufungsrecht, praktisch sei es ohne anwaltliche Unterstützung kaum nutzbar.

Die saudischen Behörden reagierten nach BBC-Angaben nicht auf eine Anfrage zu den Vorwürfen unfairer Verfahren. Offizielle Mitteilungen zu Hinrichtungen verweisen jedoch regelmäßig auf einen formalen Ablauf mit Ermittlungen, Gerichtsverfahren, Berufung, Entscheidung des Obersten Gerichts und königlichem Dekret. Die Strafen werden dabei mit dem Schutz der Gesellschaft vor Drogen begründet.

Ein Häftling schilderte, er habe nach seiner Flucht aus Tigray zunächst als Ziegenhirte gearbeitet. Später sei ihm gegen Geld angeboten worden, ein Paket zu transportieren. Bei einer Polizeikontrolle sei darin Khat gefunden worden, ein im Horn von Afrika verbreitetes pflanzliches Stimulans. Die offiziellen saudischen Erklärungen sprechen hingegen von Haschischschmuggel.

Auch ein weiterer Gefangener berichtete, er sei beim Versuch festgenommen worden, aus dem Jemen nach Saudi-Arabien zu gelangen. Ein Mann habe versprochen, ihn und andere sicher über die Grenze zu bringen, wenn sie Pakete mit Khat trügen. Kurz nach dem Grenzübertritt seien sie von der Polizei aufgegriffen worden.

Die Gefangenen geben an, die Todesstrafe nicht erwartet zu haben. Einige hätten damit gerechnet, nach einer Haftstrafe irgendwann nach Äthiopien zurückkehren zu können. Stattdessen seien sie in Verfahren geraten, die sie nach eigener Darstellung kaum verstanden und in denen sie sich nicht angemessen verteidigen konnten.

Neben der Angst vor der Hinrichtung beschreiben die Häftlinge harte Haftbedingungen. Ein Gefangener berichtet von rund 200 Männern in einer Zelle, die eigentlich für 90 Menschen ausgelegt sei. Tagsüber säßen sie dicht gedrängt auf dem Boden, nachts nutzten sie Müllsäcke als Ersatz für Bettlaken. Die Belastung durch Todesangst, Enge und schlechte Bedingungen führe zu Krankheit und Angstzuständen.

In Äthiopien und bei Menschenrechtsorganisationen wächst der Druck auf die Regierung, sich stärker für die Gefangenen einzusetzen. Der äthiopisch-orthodoxe Patriarch Abune Mathias forderte die Regierung auf, mit Saudi-Arabien zu verhandeln, und bezeichnete die Häftlinge als „stimmlose Kinder“ im Schatten des Todes. Human Rights Watch verlangte, die Hinrichtungen äthiopischer Migranten zu stoppen und konsularische Unterstützung sicherzustellen.

Äthiopien erklärte Mitte Juli, man stehe regelmäßig mit den saudischen Behörden in Kontakt und suche nach angemessenen Lösungen für äthiopische Staatsbürger in schwierigen Umständen. Zugleich teilte das Außenministerium mit, bislang hätten fast 2.000 Äthiopier von königlichen Begnadigungen profitiert. Details zu den jeweiligen Straftaten oder Urteilen wurden dabei nicht genannt.

Für die Betroffenen läuft die Zeit. Einige ihrer Mitgefangenen wurden bereits hingerichtet. Andere warten in Ungewissheit darauf, ob und wann ihr Urteil vollstreckt wird. Einer der Häftlinge sagte, sie lebten in tiefer Angst und könnten nicht einmal mehr das Essen zu sich nehmen, das ihnen gegeben werde.

Der Fall zeigt die dramatische Lage vieler Migranten, die aus Krieg und Armut fliehen und auf gefährlichen Wegen in autoritäre Rechtssysteme geraten. Zugleich wirft er schwere Fragen nach fairen Verfahren, Übersetzung, anwaltlicher Vertretung und konsularischem Schutz auf. Für die äthiopischen Gefangenen in Saudi-Arabien geht es dabei nicht um abstrakte Diplomatie – sondern um ihr Leben.

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