Die Polizei im US-Bundesstaat Arizona hat zwei mutmaßliche Lösegeldschreiben veröffentlicht, um neue Hinweise zur Entführung von Nancy Guthrie zu erhalten. Die Vermisste ist die Mutter der bekannten US-Fernsehmoderatorin Savannah Guthrie.
In einem der Schreiben forderten die mutmaßlichen Entführer mehrere Millionen Dollar in Bitcoin. Ein zweiter Brief behauptete dagegen, Nancy Guthrie sei kurz nach ihrer Verschleppung gestorben.
Das Sheriffbüro des Pima County erklärte, der angebliche Tod der Vermissten könne bislang nicht bestätigt werden. Die Ermittlungen liefen weiterhin.
Die beiden Schreiben wurden am Freitag öffentlich gemacht. Die Ermittler hoffen, dass jemand aus dem persönlichen Umfeld des Verfassers dessen auffällige Ausdrucksweise erkennt. Bestimmte sprachliche Merkmale könnten möglicherweise einem Freund, Verwandten, Kollegen, Mitschüler oder Bekannten bekannt vorkommen.
Nancy Guthrie war 84 Jahre alt, als sie am 31. Januar zuletzt gesehen wurde. Nach Einschätzung der Ermittler wurde sie gegen ihren Willen aus ihrem Haus in der Nähe von Tucson gebracht. Ein mögliches Motiv wurde bisher nicht genannt. Auch eine verdächtige Person wurde bislang weder öffentlich identifiziert noch festgenommen.
Die Briefe waren an Savannah Guthrie und ihre Familie gerichtet. Sie wurden nach Angaben der Polizei wenige Tage nach dem Verschwinden der Frau an einen lokalen Fernsehsender in Tucson geschickt.
Erster Brief forderte vier Millionen Dollar
Das erste Schreiben ging am 2. Februar ein. Darin behauptete der Verfasser, Nancy Guthrie befinde sich in der Gewalt der Entführer. Sie sei verängstigt, aber unverletzt.
Für ihre Freilassung wurden zunächst Bitcoin im Gegenwert von vier Millionen US-Dollar verlangt. Das Geld sollte bis zum Abend des 5. Februar überwiesen werden. Falls die Zahlung nicht rechtzeitig eingehe, sollte sich die Forderung auf sechs Millionen Dollar erhöhen.
Als endgültige Frist wurde der 9. Februar genannt. Für den Fall, dass auch bis dahin kein Geld überwiesen werde, drohte der Verfasser damit, Nancy Guthrie zu töten.
Nach Eingang der Zahlung sollte sie innerhalb von zwölf Stunden an einem sicheren Ort in Tucson freigelassen werden. Verhandlungen oder eine weitere Kontaktaufnahme wurden ausgeschlossen. Zudem behauptete der Verfasser, die Polizei könne der Familie nicht helfen.
Am Ende des Schreibens wurden Einzelheiten aus dem Haus der Vermissten genannt. Unter anderem war von einer weißen Smartwatch am Fußende ihres Bettes und einer beschädigten Außenleuchte im Garten die Rede.
Solche Angaben könnten darauf hindeuten, dass der Verfasser über Kenntnisse vom Tatort verfügte. Die Polizei behandelt den ersten Brief deshalb offenbar als möglicherweise glaubwürdig.
Nancy Guthrie war auf Medikamente angewiesen
Nancy Guthrie nahm täglich Medikamente ein. Angehörige hatten sie am Abend des 31. Januar zu ihrem Haus gebracht.
Als sie am folgenden Morgen nicht bei einer Freundin erschien, wurde die Polizei verständigt. Die beiden Frauen wollten gemeinsam einen virtuellen Sonntagsgottesdienst verfolgen.
Die Ermittler gehen davon aus, dass Guthrie in der Zwischenzeit aus ihrem Haus entführt wurde. Trotz umfangreicher Nachforschungen konnte sie bislang nicht gefunden werden.
Zweiter Brief behauptete ihren Tod
Vier Tage nach dem ersten Lösegeldschreiben traf ein weiterer Brief ein.
Darin erklärte der Verfasser, die Entführer hätten den schlechten Gesundheitszustand der Frau unterschätzt. Es sei nie ihre Absicht gewesen, Nancy Guthrie zu verletzen.
Sie sei jedoch kurz nach ihrer Verschleppung gestorben, vermutlich infolge eines Herzproblems. Ihre Leiche sei anschließend an einem Ort in der Natur vergraben worden.
Der Familie wurde mitgeteilt, sie hätte nichts tun können, um den angeblichen Tod zu verhindern. Der Verfasser äußerte außerdem Bedauern und erklärte, die Angehörigen sollten nun Frieden finden können.
Die Polizei betont jedoch, dass es bislang keine Beweise für diese Darstellung gibt. Auch der Aufenthaltsort von Nancy Guthrie ist weiterhin unbekannt.
Savannah Guthrie appelliert an die Entführer
Nach dem zweiten Schreiben veröffentlichte Savannah Guthrie am 7. Februar eine Videobotschaft auf Instagram.
Darin erklärte sie, die Familie habe die Nachricht erhalten und verstanden. Sie flehte die Entführer an, ihre Mutter zurückzubringen, und signalisierte die Bereitschaft, für Informationen oder ihre Rückkehr zu bezahlen.
In einer weiteren Videobotschaft wandte sich die Moderatorin erneut an die Verantwortlichen. Sie forderte sie auf, das Richtige zu tun und den Aufenthaltsort ihrer Mutter preiszugeben.
Savannah Guthrie gehört zu den bekanntesten Fernsehmoderatorinnen der Vereinigten Staaten.
Polizei hofft auf Wiedererkennung der Sprache
Mit der Veröffentlichung der Briefe verfolgt die Polizei vor allem das Ziel, den Verfasser anhand seiner Sprache zu identifizieren.
Ermittler gehen davon aus, dass Menschen aus seinem Umfeld bestimmte Formulierungen, grammatikalische Besonderheiten oder wiederkehrende Ausdrucksmuster wiedererkennen könnten.
Die Behörden bitten deshalb alle Personen, die eine Verbindung zwischen der Schreibweise und einer ihnen bekannten Person erkennen, sich zu melden.
In früheren Fällen konnten Täter bereits durch veröffentlichte Texte identifiziert werden. Ein bekanntes Beispiel ist der sogenannte Unabomber Ted Kaczynski. Nachdem US-Zeitungen Teile seines Manifests veröffentlicht hatten, erkannte sein Bruder die Schreibweise und informierte die Behörden.
Im Fall Nancy Guthrie hoffen die Ermittler nun auf einen ähnlichen entscheidenden Hinweis.
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