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Gedanken eines RB Leipzig-Fans nach der Amokfahrt in Leipzig

jorono (CC0), Pixabay
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Eigentlich hätte Samstag wieder einer dieser Tage werden sollen, die Leipzig kann:
weiß gekleidete Fans,
Gesänge durch die Innenstadt,
Bier in der Hand,
Vorfreude auf die Champions League,
dieses Gefühl von:
„Unsere Stadt lebt.“

Und plötzlich ist alles anders.

Statt über Aufstellungen, Diomande oder die Königsklasse zu reden, diskutiert Leipzig über Todesopfer, Poller und Tatorte.

Die aktive Fanszene hat den Fanmarsch abgesagt.
Und ehrlich gesagt:
Es ist die einzig richtige Entscheidung.

Wie absurd wäre es gewesen, wenige Tage nach einer Amokfahrt laut singend genau durch jene Straßen zu ziehen, in denen Menschen um ihr Leben rannten?

Fußball ist wichtig.
Aber manchmal merkt man schmerzhaft, dass es eben doch Dinge gibt, die größer sind.

Man spürt plötzlich:
Diese Stadt ist nicht nur Kulisse für Bundesliga und Eventkultur.
Hier leben Menschen.
Hier sterben Menschen.
Hier bleiben Familien zurück.

Gerade deshalb wirkt die Reaktion vieler RB-Fans erstaunlich erwachsen und würdevoll.
Keine künstliche Dauerparty.
Keine „The show must go on“-Mentalität.
Sondern Schweigeminuten, Trauerflor und stille Anteilnahme.

Und vielleicht zeigt genau das auch, wie sehr RB inzwischen Teil dieser Stadt geworden ist.

Denn egal ob man den Verein liebt oder ablehnt:
In solchen Momenten verschwinden plötzlich viele dieser ewigen Fußballgrabenkämpfe.
Da geht es nicht mehr um Tradition gegen Kommerz oder Westkurve gegen Red Bull.
Da geht es einfach um Leipzig.

Besonders bedrückend ist dabei die Vorstellung, wie schnell sich Atmosphäre verändern kann:
Montag Chaos, Sirenen und Panik in der Innenstadt.
Wenige Tage später wieder Fußball, Bierstände und Champions-League-Rechnerei.

Das Leben läuft weiter.
Und genau das fühlt sich manchmal fast falsch an.

Vielleicht wird es deshalb am Samstag eine ganz andere Stimmung im Stadion geben.
Leiser.
Nachdenklicher.
Weniger Event.
Mehr Gemeinschaft.

Und vielleicht merkt man gerade jetzt, warum Fußball für viele eben doch mehr ist als 90 Minuten Sport:
Weil ein Stadion manchmal auch ein Ort sein kann, an dem eine Stadt gemeinsam trauert.

Natürlich wird trotzdem über die Champions League gesprochen werden.
Natürlich wird gejubelt werden, falls RB gewinnt.
Natürlich dreht sich der Fußball weiter.

Aber irgendetwas wird anders sein.

Denn nach solchen Tagen schaut man plötzlich anders auf diese Stadt.
Auf Menschenmengen.
Auf Innenstädte.
Auf Sicherheit.
Und auch auf die eigene Selbstverständlichkeit, mit der man sonst durchs Leben läuft.

Vielleicht ist genau das die traurigste Erkenntnis:
Dass man erst nach einer Tragödie merkt, wie zerbrechlich selbst die normalsten Dinge wirken können.

Ein Fanmarsch.
Eine Einkaufsstraße.
Ein Heimspiel.
Ein ganz normaler Montag.

Bis plötzlich nichts mehr normal ist.

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