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Nach der Amokfahrt plötzlich Poller – erstaunlich, was alles möglich wird, wenn vorher Menschen sterben mussten

geralt (CC0), Pixabay
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Leipzig reagiert nach der tödlichen Amokfahrt nun mit massiven Fahrzeugsperren in der Grimmaischen Straße. Schwarze Sicherheitsblöcke sollen künftig verhindern, dass Fahrzeuge ungehindert durch die Fußgängerzone rasen können.

Eine Maßnahme, die sofort die unangenehme Frage aufwirft:
Warum eigentlich erst jetzt?

Denn plötzlich scheint technisch alles möglich zu sein:

  • zertifizierte Sperren,
  • mobile Zufahrtsschutzsysteme,
  • Sicherheitskonzepte,
  • Fachplaner,
  • neue Lösungen für Innenstädte.

Erstaunlich.
Vor der Tragödie klang es vielerorts jahrelang eher so, als wäre urbaner Zufahrtsschutz ungefähr so realistisch wie ein Raumfahrtprogramm für Fußgängerzonen.

Nun stehen innerhalb weniger Tage massive Poller dort, wo vorher angeblich „keine praktikable Lösung“ existierte.

Man könnte fast zynisch sagen:
Offenbar musste erst jemand sterben, damit plötzlich die Gesetze der Physik und Stadtplanung neu entdeckt werden.

Besonders bemerkenswert ist dabei die Argumentation der Stadt:
Die Innenstadt müsse schließlich erreichbar bleiben für:

  • Lieferverkehr,
  • Handwerker,
  • Rettungsdienste,
  • Tiefgaragen,
  • Ver- und Entsorgung.

Als hätte niemand sonst auf der Welt jemals eine sichere Innenstadt mit Zufahrtsregelung organisiert bekommen.

Sicherheitsexperten weisen inzwischen darauf hin, dass moderne Zufahrtsschutzsysteme längst Standard sein könnten:
versenkbare Poller,
intelligente Sperren,
Bepflanzungen,
massive Sitzbänke,
architektonischer Schutz.

Kurz gesagt:
Es gäbe längst Lösungen, die Sicherheit bieten, ohne dass eine Innenstadt aussieht wie ein NATO-Außenposten.

Doch wie so oft im öffentlichen Raum gilt offenbar:
Prävention wirkt politisch leider nie so spektakulär wie hektischer Aktionismus nach einer Katastrophe.

Jetzt stehen also Oktablocks in Leipzig.
Und natürlich betont die Stadt sofort die „Zertifizierung“ der Anlage – denn nichts vermittelt nach einer Tragödie mehr beruhigende Verwaltungsatmosphäre als das Wort „zertifiziert“.

Ein Sicherheitsexperte mahnt allerdings bereits, dass mobile Sperren allein nicht reichen würden. Physik sei schließlich „keine Meinung“.

Auch das ist ein bemerkenswerter Satz in Zeiten moderner Politik.
Denn vielerorts wurde urbane Sicherheit offenbar tatsächlich jahrelang eher behandelt wie eine philosophische Debatte als wie ein reales Risiko.

Besonders bitter:
Die Diskussion über sichere Innenstädte ist nicht neu.
Spätestens seit den Anschlägen und Amokfahrten der letzten Jahre war bekannt, dass offene Fußgängerzonen potenzielle Schwachstellen darstellen.

Aber wie so häufig passierte erst etwas Entscheidendes, nachdem das Worst-Case-Szenario bereits eingetreten war.

Nun wird geplant.
Diskutiert.
Nachgebessert.
Analysiert.

Und plötzlich entdeckt man:
Man hätte vieles offenbar längst machen können.

Für die Opfer dieser Erkenntnis kommt diese Einsicht allerdings zu spät.

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