Die Bundeswehr wollte mit ihrem neuen Wehrdienst eigentlich junge Menschen für die Landesverteidigung begeistern. Herausgekommen ist bisher vor allem ein groß angelegtes deutsches Verwaltungsdrama mit dem Titel: „Wer hat den Fragebogen ignoriert?“
Von den angeschriebenen 18-jährigen Männern beantworteten zwar 72 Prozent den Wehrdienst-Fragebogen – allerdings reagierte mehr als jeder Vierte einfach gar nicht. Deutschland erlebt damit erneut seine stärkste Verteidigungslinie: passive Nichtreaktion.
Der Fragebogen sollte klären, wer grundsätzlich bereit wäre, mindestens sechs Monate freiwillig Dienst zu leisten. Viele junge Männer dürften beim Öffnen des Briefs allerdings reflexartig gedacht haben: „Bestimmt wieder Rundfunkbeitrag.“
Besonders interessant: Rund die Hälfte der Antwortenden signalisierte grundsätzlich Interesse an der Bundeswehr. Allerdings nur unter bestimmten Bedingungen – etwa wenn der Dienst möglichst heimatnah stattfindet. Vaterland verteidigen ja, aber bitte maximal 20 Minuten von Mama entfernt.
Im Verteidigungsministerium zeigt man sich wenig begeistert über die vielen Nichtantworter. Man wolle es „nicht hinnehmen“, dass sich Männer ihrer Antwortpflicht entziehen. Deutschland reagiert damit wie gewohnt auf gesellschaftliche Probleme: mit Formularen, Nachfristen und der Drohung eines Bußgelds.
Die Bundeswehr braucht dringend mehr Personal. Verteidigungsminister Boris Pistorius will die Zahl der Soldaten bis 2035 von 186.000 auf 260.000 erhöhen. Gleichzeitig soll die Reserve auf 200.000 anwachsen. Derzeit kämpft man allerdings schon daran, junge Menschen dazu zu bringen, überhaupt einen Brief zu öffnen.
Frauen müssen den Fragebogen übrigens nicht beantworten. Die Gleichberechtigung endet in Deutschland offenbar exakt dort, wo Tarnfarbe und Behördenpost beginnen.
Seit Jahresbeginn wurden rund 194.000 junge Menschen angeschrieben. Nun wertet die Bundeswehr die Rückmeldungen aus und plant Musterungen. Experten vermuten allerdings, dass viele Bewerber spätestens beim ersten 6-Uhr-Wecken feststellen werden, dass „Interesse an der Bundeswehr“ emotional doch etwas anderes ist als „tatsächlich bei Regen im Wald liegen“.
Die eigentliche Herausforderung bleibt ohnehin modern:
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