Crowdinvesting-Projekte mit hohen Zinsversprechen wirken in Zeiten niedriger Sparzinsen auf viele Anleger attraktiv. Auch das aktuelle Immobilienprojekt „Robinia Living III“ in Bielefeld wirbt mit einer Verzinsung von 7,5 Prozent pro Jahr. Anleger können sich ab 250 Euro beteiligen. Doch hinter den attraktiven Renditeversprechen steckt ein erhebliches Risiko – bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.
Immobilienprojekt mit nachhaltigem Anspruch
Finanziert werden sollen zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 34 Wohneinheiten im Wohnquartier „Grünheide“ in Bielefeld. Das Projekt setzt laut Anbieter auf nachhaltige Energieversorgung, moderne Architektur und langfristig stabile Energiekosten.
Projektträger ist die Robinia Living III GmbH aus Unna, die zur Amandla-Gruppe gehört. Begleitet wird das Projekt laut Angaben der Plattform von Volksbanken aus Münsterland und Ostwestfalen.
Das Risiko steckt im Nachrangdarlehen
Entscheidend für Anleger ist jedoch die konkrete Finanzierungsform. Angeboten wird kein klassischer Sparvertrag und auch keine sichere Anleihe, sondern ein sogenanntes „Nachrangdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt“.
Das bedeutet:
Sollte das Projekt wirtschaftlich scheitern oder die Gesellschaft insolvent werden, stehen Anleger bei der Rückzahlung ganz hinten in der Reihe. Banken, andere Gläubiger und mögliche Sicherungsrechte werden zuerst bedient.
Im schlimmsten Fall bleibt für die Crowd-Investoren nichts mehr übrig.
Gesetzlicher Warnhinweis eindeutig
Besonders deutlich formuliert dies sogar der gesetzlich vorgeschriebene Warnhinweis auf der Plattform selbst:
„Der Erwerb dieser Vermögensanlage ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen.“
Viele Anleger unterschätzen genau diesen Satz – obwohl er rechtlich einer der wichtigsten Hinweise überhaupt ist.
Hohe Zinsen bedeuten meist auch hohes Risiko
Die versprochenen 7,5 Prozent Jahreszins wirken auf den ersten Blick attraktiv. Doch gerade hohe Renditen sind im Finanzbereich häufig Ausdruck eines erhöhten Risikos.
Denn sichere Bankeinlagen oder klassische Staatsanleihen werfen derzeit deutlich weniger Rendite ab. Warum also zahlt ein Projektentwickler 7,5 Prozent?
Die Antwort ist simpel:
Weil das Geld ohne dieses Risikoaufschlag vermutlich schwieriger einzuwerben wäre.
Immobilienmarkt bleibt angespannt
Hinzu kommt die derzeit schwierige Lage am Immobilienmarkt:
- gestiegene Baukosten,
- hohe Finanzierungskosten,
- schwächelnde Nachfrage,
- wirtschaftliche Unsicherheiten,
- mögliche Verzögerungen im Bauablauf.
Selbst solide geplante Projekte können dadurch unter Druck geraten.
Keine Einlagensicherung
Ein weiterer wichtiger Punkt:
Für solche Crowdinvesting-Angebote gibt es keine gesetzliche Einlagensicherung wie bei Bankguthaben.
Wer investiert, trägt das unternehmerische Risiko mit.
Fazit: Chancen ja – aber nur mit Risikobewusstsein
Das Projekt „Robinia Living III“ mag durchaus seriös geplant sein und ein interessantes Wohnkonzept verfolgen. Dennoch sollten Anleger die Risiken nicht verdrängen.
Ein Nachrangdarlehen bleibt eine spekulative Kapitalanlage. Wer investiert, sollte deshalb nur Geld einsetzen, dessen Verlust im Ernstfall wirtschaftlich verkraftbar wäre.
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