Fast ein halbes Jahrhundert saß Harold Gene Lucas wegen des Mordes an seiner ehemaligen Freundin Jill Piper im Todestrakt. Nun ist der 74-Jährige im US-Bundesstaat Florida durch eine Giftspritze hingerichtet worden. Der Fall reicht bis ins Jahr 1976 zurück und gehört zu den ungewöhnlich langen Todesstrafenverfahren in den USA.
Lucas wurde am 1. September im Staatsgefängnis von Florida hingerichtet und um 18.18 Uhr Ortszeit für tot erklärt. Er war wegen des Mordes an der damals erst 16 Jahre alten Jill Piper zum Tode verurteilt worden. Zum Zeitpunkt der Tat war Lucas 24 Jahre alt.
Bemerkenswert ist, dass Lucas zuletzt selbst auf weitere Rechtsmittel verzichtet hatte. Nachdem Floridas Gouverneur Ron DeSantis im Juli den Hinrichtungsbefehl unterzeichnet hatte, erklärte der langjährige Todeshäftling vor Gericht, er wolle das Verfahren nicht weiter hinauszögern. Nach rund 50 Jahren im Todestrakt sei er müde und wolle, dass es zu Ende gehe.
Eine Tat, die eine Familie ein halbes Jahrhundert verfolgte
Der Mord ereignete sich in der Nacht zum 14. August 1976 in Bonita Springs an Floridas Golfküste.
Nach den Gerichtsakten hatte Lucas an diesem Abend Alkohol getrunken und Drogen konsumiert. Jill Piper kehrte gegen Mitternacht gemeinsam mit zwei Freunden von einer Tanzveranstaltung nach Hause zurück. Dort soll Lucas auf sie gewartet haben.
Er schoss zunächst mehrfach auf die Jugendliche. Obwohl sie schwer verletzt war, gelang es ihr noch, ins Haus zu flüchten. Lucas folgte ihr jedoch, brachte sie wieder nach draußen und feuerte weitere Schüsse auf sie ab. Insgesamt wurde Jill Piper siebenmal getroffen. Auch ihre beiden Begleiter wurden angeschossen, überlebten jedoch.
Jill und Lucas hatten zuvor etwa vier Jahre lang eine Beziehung geführt. Die Jugendliche hatte sich nach einem Streit von ihm getrennt.
Todesurteil mehrfach aufgehoben
Dass zwischen Mord und Hinrichtung 50 Jahre vergingen, lag unter anderem an der komplizierten juristischen Geschichte des Falls.
Das Todesurteil gegen Lucas wurde im Laufe der Jahrzehnte mehrfach aufgehoben, vor allem aufgrund von Verfahrensfehlern. Insgesamt wurde er viermal zum Tode verurteilt. Seine Verteidiger hatten unter anderem argumentiert, Lucas sei während der Tat stark alkoholisiert gewesen und habe harte Drogen konsumiert.
Für die Familie von Jill Piper bedeutete das jahrzehntelange Verfahren eine enorme Belastung. Ihr Bruder berichtete, der Vater sei gestorben, ohne die Vollstreckung des Urteils erlebt zu haben. Die inzwischen 86 Jahre alte Mutter des Opfers sollte dagegen zu den Zeugen der Hinrichtung gehören.
Wer war Jill Piper?
In Berichten ihrer Familie wird Jill als selbstbewusste, sportliche und zugleich ausgesprochen hilfsbereite Jugendliche beschrieben. Ihr jüngerer Bruder erinnerte sich Jahrzehnte später daran, dass seine Schwester schon als Teenager außergewöhnlich kräftig gewesen sei und sich durchaus gegen ältere Jungen behaupten konnte.
Gleichzeitig habe sie stets versucht, das Gute in anderen Menschen zu sehen. Ihr Bruder hatte nach eigenen Angaben bereits früh Bedenken wegen Lucas und seiner Schwester geraten, sich von ihm fernzuhalten.
Florida vollstreckt deutlich mehr Todesurteile
Die Hinrichtung von Lucas ist zugleich Teil einer auffälligen Entwicklung in den USA. Er war bereits der 14. Gefangene, den Florida im Jahr 2026 hinrichten ließ. Damit liegt der Bundesstaat deutlich vor allen anderen US-Staaten.
Allein für September sind landesweit acht Hinrichtungen in fünf Bundesstaaten vorgesehen. Sollte es dazu kommen, wäre es der Monat mit den meisten vollstreckten Todesurteilen seit 2010. Insgesamt wurden 2025 in den USA 47 Menschen hingerichtet – so viele wie seit 2009 nicht mehr.
Besonders Florida treibt diese Entwicklung voran: Von den 71 Hinrichtungen, die laut dem Bericht seit Beginn des Jahres 2025 in den Vereinigten Staaten vollstreckt wurden, entfielen 32 auf Florida. Gouverneur Ron DeSantis begründet seinen Kurs unter anderem damit, Familien von Mordopfern nach jahrzehntelangem Warten einen Abschluss ermöglichen zu wollen. Gegner der Todesstrafe kritisieren dagegen die hohe Zahl der Vollstreckungen und werfen dem Gouverneur eine zunehmende Politisierung des Themas vor.
Mit der Hinrichtung von Harold Gene Lucas ist damit eines der längsten Todesstrafenverfahren Floridas zu Ende gegangen – 50 Jahre nach dem Mord an der 16-jährigen Jill Piper.
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