Eine Vereinsgeschichte über 178 Jahre, eine Fußballgeschichte über 127 Jahre und die Frage: Was kommt nach dem Ende der bisherigen Profifußball-Gesellschaft?
Es gibt Fußballvereine, deren Geschichte sich relativ geradlinig erzählen lässt.
Und es gibt den TSV 1860 München.
Bei den Löwen wechseln sich sportlicher Triumph und wirtschaftliche Krise, Aufstieg und Absturz, Größenwahn und Bodenständigkeit, Investorenhoffnung und Investorenstreit seit Jahrzehnten ab.
Deutscher Meister.
Pokalsieger.
Europapokalfinalist.
Bundesliga-Gründungsmitglied.
Champions-League-Qualifikation.
Lizenzentzug.
Bayernliga.
Bundesliga.
Allianz Arena.
Investor.
Regionalliga.
- Liga.
Und 2026 erneut Regionalliga und Insolvenz der ausgegliederten Fußballgesellschaft.
Doch gerade deshalb muss man bei der aktuellen Situation sehr genau unterscheiden:
Der TSV München von 1860 e.V. ist nicht insolvent.
Der Verein existiert weiter.
Insolvent ist die 2002 für den professionellen Fußball geschaffene TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA.
Am 1. September 2026 wurde über deren Vermögen wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung das Insolvenzverfahren eröffnet. Gleichzeitig beginnt eine neue Epoche: Der Spielbetrieb wird über die neu gegründete TSV München von 1860 Spielbetriebs-GmbH organisiert, deren Anteile vollständig beim Mutterverein liegen.
Damit endet nicht der TSV 1860 München.
Aber es endet ein wirtschaftliches und gesellschaftsrechtliches Modell, das den Profifußball der Löwen fast ein Vierteljahrhundert geprägt hat.
1. Eigentlich beginnt die Geschichte schon 1848
Das Gründungsjahr 1860 erzählt nur einen Teil der Geschichte.
Bereits am 15. Juli 1848 gründeten 66 Männer in München einen Turnverein.
Die Zeit war politisch aufgeladen. Die Revolutionen von 1848 erschütterten Europa, und Turnvereine waren keineswegs nur Einrichtungen zur körperlichen Ertüchtigung. Sie waren vielerorts auch Orte bürgerlicher und politischer Organisation.
Der Münchner Verein wurde bereits kurze Zeit später verboten.
Die Mitglieder verschwanden jedoch nicht vollständig. Schließlich erfolgte am 17. Mai 1860 die erneute offizielle Gründung.
Dieses Datum gilt heute als Geburtstag des TSV 1860 München.
Der berühmte Löwe kam später hinzu. 1880 entschied sich der Verein für den bayerischen Löwen als Wappentier.
Der Fußball spielte damals noch überhaupt keine Rolle.
2. 1899: Der Fußball kommt zu den Sechzgern
Die vielleicht folgenreichste Entscheidung der Vereinsgeschichte fiel Ende des 19. Jahrhunderts.
Am 25. April 1899 entstand die Fußballabteilung.
Damit waren die Löwen sogar etwas früher dran als der spätere große Münchner Rivale FC Bayern.
Das erste öffentliche Fußballspiel fand 1902 statt und endete mit einer 2:4-Niederlage gegen den 1. Münchner Fußball-Club von 1896.
Schon bald entwickelte sich die Mannschaft jedoch zu einer der führenden Münchner Fußballadressen.
1909 gewann 1860 die Münchner Stadtmeisterschaft.
1911 wurde an der Grünwalder Straße eine Fläche für eine Stadionanlage erworben.
Damit begann die Verbindung zwischen den Löwen, Giesing und jener Spielstätte, die weit mehr als hundert Jahre später erneut zum emotionalen Mittelpunkt des Vereins werden sollte.
3. Die Löwen werden zu einer deutschen Fußballgröße
In den 1920er- und frühen 1930er-Jahren entwickelte sich 1860 zu einer national bedeutenden Mannschaft.
Der erste große Höhepunkt kam 1931.
Die Löwen erreichten das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft, verloren aber gegen Hertha BSC.
1942 folgte der erste große nationale Titel: der Pokalsieg.
Nach dem Zweiten Weltkrieg benötigte der Klub einige Zeit, ehe die erfolgreichste Epoche seiner Fußballgeschichte begann.
4. Die goldenen Sechzigerjahre
Die 1960er-Jahre machten aus einem großen süddeutschen Verein zeitweise einen europäischen Spitzenklub.
Unter Trainer Max Merkel entwickelte sich eine Mannschaft, deren Namen bis heute zur Vereinsgeschichte gehören.
Petar Radenkovic.
Rudi Brunnenmeier.
Peter Grosser.
Hans Rebele.
Manfred Wagner.
Bernd Patzke.
Timo Konietzka.
1963 qualifizierten sich die Löwen als Süddeutscher Meister für die neu gegründete Bundesliga.
Bemerkenswert aus heutiger Perspektive:
1860 gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga – der FC Bayern nicht.
In der ersten Bundesligasaison 1963/64 belegten die Löwen Rang sieben.
Noch wichtiger war jedoch der DFB-Pokal.
Im Finale wurde Eintracht Frankfurt mit 2:0 besiegt.
1860 war Pokalsieger.
5. Wembley 1965
Ein Jahr später erreichten die Löwen den größten internationalen Erfolg ihrer Geschichte.
Im Europapokal der Pokalsieger marschierte 1860 über Luxemburg, Porto, Legia Warschau und den AC Turin bis ins Finale.
Am 19. Mai 1965 wartete im Londoner Wembley-Stadion West Ham United.
1860 verlor 0:2.
Trotzdem gehört dieses Spiel bis heute zu den bedeutendsten Momenten der Vereinsgeschichte.
Ein Verein aus Giesing stand in Wembley in einem europäischen Endspiel.
6. 1966: Der Löwe ist Deutscher Meister
Nur ein Jahr später folgte der größte nationale Triumph.
TSV 1860 München wurde 1966 Deutscher Meister.
Trainer war Max Merkel.
Die Löwen holten 50 Punkte und lagen am Ende drei Punkte vor Borussia Dortmund.
Es ist bis heute die einzige deutsche Fußballmeisterschaft des TSV 1860 in der Bundesliga-Ära.
1967 wurde 1860 noch einmal Vizemeister.
Danach begann der Abstieg von der nationalen Spitze.
7. Vom Meister zum Absteiger
Nur vier Jahre nach dem Meistertitel stiegen die Löwen 1970 aus der Bundesliga ab.
Es folgten Jahre in der Zweitklassigkeit.
1977 gelang die Rückkehr in die Bundesliga, doch sie hielt nur eine Saison.
1979 folgte ein weiterer Aufstieg.
1981 ging es wieder hinunter.
Und 1982 ereignete sich etwas, das aus heutiger Sicht beinahe wie eine Vorwarnung auf spätere Krisen wirkt.
Der DFB entzog dem TSV 1860 wegen fehlender wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit die Lizenz für den Profifußball.
Die Löwen mussten in die Bayernliga.
Ein ehemaliger deutscher Meister war plötzlich drittklassig.
8. Elf Jahre fern vom großen Fußball
Die 1980er- und frühen 1990er-Jahre waren für 1860 eine lange Zeit außerhalb des großen deutschen Profifußballs.
Doch der Verein verschwand nicht.
Im Gegenteil.
Gerade diese Jahre stärkten einen Teil jener Identität, die 1860 bis heute auszeichnet: ein Verein, dessen Anhängerschaft auch dann vorhanden ist, wenn sportlicher Erfolg fehlt.
1991 gelang zunächst die Rückkehr in die 2. Bundesliga.
Nach einem erneuten Rückschlag begann anschließend unter Präsident Karl-Heinz Wildmoser der große sportliche Wiederaufstieg.
9. Wildmoser und Werner Lorant: Die Löwen sind wieder da
Die 1990er-Jahre wurden zur zweiten großen modernen Epoche des Vereins.
Präsident Karl-Heinz Wildmoser und Trainer Werner Lorant prägten diese Zeit.
1993 stieg 1860 in die 2. Bundesliga auf.
Nur ein Jahr später folgte der Durchmarsch in die Bundesliga.
Damit waren die Löwen 1994 nach langen Jahren wieder erstklassig.
Und diesmal blieben sie.
Zehn Spielzeiten lang.
10. 1999/2000: Fast wieder ganz oben
Den sportlichen Höhepunkt dieser Epoche erreichte 1860 in der Saison 1999/2000.
Die Löwen belegten Platz vier in der Bundesliga.
Damit qualifizierten sie sich für die Champions-League-Qualifikation.
In derselben Saison gewann 1860 beide Münchner Stadtderbys gegen den FC Bayern.
Für viele Anhänger ist diese Mannschaft bis heute die letzte wirklich große Löwenmannschaft.
Thomas Häßler, Martin Max und andere bekannte Spieler machten 1860 zu einem etablierten Bundesligisten.
Doch ausgerechnet in dieser Phase des sportlichen Erfolgs wurden Entscheidungen getroffen, deren wirtschaftliche Folgen den Verein noch viele Jahre beschäftigen sollten.
11. Der große Wendepunkt: Olympiastadion und Allianz Arena
Unter Wildmoser entfernte sich 1860 zunehmend vom traditionellen Grünwalder Stadion.
1995 erfolgte der Umzug ins Olympiastadion.
Die Idee war wirtschaftlich nachvollziehbar:
Mehr Zuschauer sollten mehr Einnahmen bringen.
Anfang der 2000er-Jahre ging 1860 gemeinsam mit dem FC Bayern noch einen erheblich größeren Schritt.
Beide Vereine planten die Allianz Arena.
Dafür gründeten sie gemeinsam die Allianz Arena München Stadion GmbH.
Beide hielten zunächst jeweils 50 Prozent.
Das Projekt war ambitioniert.
Für den FC Bayern wurde die Arena langfristig zu einem enorm wertvollen wirtschaftlichen Fundament.
Für 1860 entwickelte sie sich dagegen zu einer schweren Belastung.
12. 2002: Der Profifußball wird ausgegliedert
Mitten in dieser Phase erfolgte eine gesellschaftsrechtlich entscheidende Veränderung.
Am 18. Februar 2002 wurde der professionelle Fußball aus dem TSV München von 1860 e.V. ausgegliedert.
Die Profimannschaft, die zweite Mannschaft beziehungsweise U21 und die A-Junioren wurden in die
TSV München von 1860 GmbH & Co. Kommanditgesellschaft auf Aktien
überführt.
Kurz:
KGaA.
Damit entstanden zwei unterschiedliche Ebenen.
Der TSV München von 1860 e.V. blieb der Mutterverein.
Der wirtschaftliche Profifußball wurde fortan von der KGaA betrieben.
Diese Unterscheidung ist für das Verständnis der Ereignisse von 2026 entscheidend.
13. 2004: Bundesliga-Abstieg – mit weitreichenden Folgen
2004 stieg 1860 aus der Bundesliga ab.
Was damals vielleicht wie ein vorübergehender Betriebsunfall erschien, wurde zu einem historischen Einschnitt.
Bis heute sind die Löwen nicht in die Bundesliga zurückgekehrt.
Die Kombination aus Zweitklassigkeit und den wirtschaftlichen Verpflichtungen rund um die Allianz Arena erwies sich als problematisch.
2006 musste 1860 seine 50-Prozent-Beteiligung an der Stadiongesellschaft an den FC Bayern abgeben.
Der Preis beziehungsweise das damit verbundene Darlehen betrug elf Millionen Euro.
Zunächst bestand ein Rückkaufsrecht.
2008 wurde dieses endgültig aufgegeben.
Damit war aus dem ursprünglichen gleichberechtigten Arena-Partner ein Mieter geworden.
14. Die Allianz Arena wird für 1860 zum Symbol
Was ursprünglich für eine gemeinsame große Zukunft des Münchner Fußballs stehen sollte, entwickelte sich für die Löwen zunehmend zum Symbol eines strukturellen Problems.
Die Arena war groß.
Die Erwartungen waren groß.
Doch 1860 spielte nur in der 2. Bundesliga.
Die erhofften Einnahmen eines erfolgreichen Bundesligisten fehlten.
Gleichzeitig blieb der wirtschaftliche Druck hoch.
Die Lage wurde so schwierig, dass 2011 erneut die Existenz des Profifußballs auf dem Spiel stand.
Und damit begann die Ära Hasan Ismaik.
15. 2011: Hasan Ismaik steigt ein
Der jordanische Geschäftsmann Hasan Ismaik investierte über seine Gesellschaft HAM International Limited.
HAM übernahm 60 Prozent der Kapitalanteile der KGaA.
Aufgrund der 50+1-Regel waren die Stimmrechte jedoch begrenzt.
Der Einstieg brachte 1860 dringend benötigtes Kapital.
Nach damaligen Angaben flossen 18,4 Millionen Euro und verhinderten die Insolvenz.
Ismaiks erklärtes Ziel war ambitioniert:
1860 sollte wirtschaftlich stabilisiert und wieder in die Bundesliga geführt werden.
Genau das gelang nicht.
16. Ein Konstrukt mit eingebautem Konfliktpotenzial
Die Struktur war kompliziert.
HAM hielt die Mehrheit des Kapitals an der KGaA.
Der e.V. hielt die übrigen Anteile.
Die Geschäftsführung der KGaA erfolgte jedoch über die TSV München von 1860 Geschäftsführungs-GmbH.
Und deren alleiniger Eigentümer war wiederum der e.V.
So sollte die 50+1-Regel gewahrt bleiben.
Ökonomische Macht und gesellschaftsrechtliche Kontrolle waren damit nicht deckungsgleich.
Das musste nicht zwangsläufig scheitern.
Aber es verlangte ein außergewöhnlich hohes Maß an Vertrauen und Zusammenarbeit.
Genau daran mangelte es zunehmend.
17. Jahre des Konflikts
In den folgenden Jahren kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Investor und Vereinsvertretern.
Dabei wäre es zu einfach, die gesamte Entwicklung ausschließlich einer Seite zuzuschreiben.
Aus Sicht Ismaiks verhinderten Vereinsstrukturen und 50+1 teilweise die konsequente Umsetzung einer unternehmerischen Strategie.
Aus Sicht seiner Kritiker entstand dagegen eine zu große finanzielle Abhängigkeit von einem einzelnen Geldgeber.
Dazu kamen wechselnde Verantwortliche, Trainer, Geschäftsführer und sportliche Konzepte.
1860 verfügte über Geld, Tradition, Fans und ein hervorragendes Nachwuchsleistungszentrum.
Was fehlte, war dauerhafte Stabilität.
18. 2017: Der erste große Zusammenbruch
In der Saison 2016/17 eskalierte die Situation.
Sportlich stieg 1860 aus der 2. Bundesliga ab.
Normalerweise hätte der Verein anschließend in der 3. Liga gespielt.
Doch dafür mussten wirtschaftliche Voraussetzungen erfüllt werden.
Das gelang nicht.
Die notwendige Finanzierung beziehungsweise der erforderliche Liquiditätsnachweis konnte nicht sichergestellt werden.
1860 erhielt keine Zulassung für die 3. Liga.
Der Absturz führte direkt in die Regionalliga Bayern.
19. Zurück nach Giesing
Ausgerechnet die größte Krise führte zu einer emotionalen Rückkehr.
Die Löwen verließen die Allianz Arena.
Der Mietvertrag wurde 2017 beendet.
1860 kehrte ins Grünwalder Stadion zurück.
Damit begann eine bemerkenswerte Wiederannäherung zwischen Mannschaft, Stadion und Fans.
Sportlich gelang sofort die Regionalliga-Meisterschaft.
In den Aufstiegsspielen setzte sich 1860 durch und kehrte 2018 in die 3. Liga zurück.
Der Verein war wieder im Profifußball.
Aber die grundlegenden strukturellen Probleme waren nicht beseitigt.
20. 2018 bis 2025: Stabilisierung ohne Befreiung
In der 3. Liga etablierte sich 1860 wieder.
Mehrfach bestand Hoffnung auf die Rückkehr in die 2. Bundesliga.
Besonders 2020/21 waren die Löwen nahe am Aufstieg.
Doch der große Durchbruch blieb aus.
Gleichzeitig bestand das alte Gesellschaftermodell weiter.
HAM und e.V. blieben miteinander verbunden.
Damit blieb auch die gegenseitige Abhängigkeit bestehen.
21. Das Grundproblem: Wer finanziert die Lücke?
Nach Angaben des Vereins regelte seit 2011 ein Kooperationsvertrag die Zusammenarbeit zwischen HAM und dem e.V.
Danach sollte Hasan Ismaik beziehungsweise HAM erforderliche finanzielle Mittel für den Spielbetrieb zur Verfügung stellen, sofern die Eigenmittel der KGaA nicht ausreichten.
Nach Darstellung des Vereins lag die Budgethoheit seit 2021 beim Aufsichtsrat der KGaA. Dort verfügte HAM nach Angaben des e.V. über die Stimmenmehrheit.
Diese Darstellung ist wichtig, weil sie im späteren Streit eine zentrale Rolle spielte.
HAM und Vereinsvertreter bewerteten Verantwortung, Finanzierung und Kompetenzen teilweise sehr unterschiedlich.
22. 2026: Der Konflikt eskaliert endgültig
Im Frühjahr 2026 wurde aus dem jahrelangen Machtkampf eine Existenzkrise.
Für die Zulassung zur 3. Liga musste die KGaA ihre Liquidität nachweisen.
Nach Darstellung des Vereins kündigten Hasan Ismaik und verbundene Unternehmen am 21. Mai 2026 bestehende Darlehen.
Das geschah 13 Tage vor Ablauf der Frist für den Liquiditätsnachweis.
Der Verein erklärte später, mehrere von ihm beauftragte Rechtsanwaltskanzleien hielten diese Kündigungen für unwirksam.
HAM und die Vereinsseite machten sich gegenseitig Vorwürfe über die Ursachen des Scheiterns.
Was unabhängig von der Schuldfrage feststand:
Das Geld beziehungsweise der erforderliche Liquiditätsnachweis war zum entscheidenden Zeitpunkt nicht vorhanden.
23. Der zweite Zwangsabstieg
Damit wiederholte sich 2026 in wesentlichen Zügen das Drama von 2017.
Sportlich hätte 1860 in der 3. Liga spielen können.
Wirtschaftlich konnte die notwendige Zulassung nicht abgesichert werden.
Die Folge:
Regionalliga Bayern.
Wieder verlor 1860 seinen Platz im Profifußball nicht allein auf dem Spielfeld, sondern aufgrund seiner wirtschaftlichen Situation.
Für einen Traditionsverein dieser Größenordnung ist das besonders bitter.
24. Der e.V. bereitet den Notausgang vor
Nun zeigte sich allerdings ein entscheidender Unterschied zu 2017.
Der Mutterverein bereitete eine Alternative zur bisherigen KGaA vor.
Auf der Mitgliederversammlung am 21. Juni 2026 stimmten die Mitglieder mit überwältigender Mehrheit der Gründung einer eigenen Spielbetriebsgesellschaft zu.
1.017 Mitglieder stimmten dafür.
Nur sechs dagegen.
Damit erhielt die Vereinsführung die notwendige Legitimation, für den Fall eines Zusammenbruchs der bisherigen KGaA eine neue Struktur aufzubauen.
25. Die neue Spielbetriebs-GmbH
Kurz darauf wurde die neue
TSV München von 1860 Spielbetriebs-GmbH
aktiv.
Der entscheidende Unterschied zur alten KGaA:
100 Prozent der Anteile liegen beim TSV München von 1860 e.V.
Eine Veräußerung von Anteilen ist nach den veröffentlichten Regelungen nur mit Zustimmung der Mitgliederversammlung und einer Dreiviertelmehrheit möglich.
Damit verändert sich die Machtstruktur fundamental.
Der Verein kontrolliert die neue Fußballgesellschaft vollständig.
26. 23. Juni 2026: Die KGaA beantragt Insolvenz
Nur zwei Tage nach der Mitgliederversammlung folgte der nächste Schritt.
Am 23. Juni 2026 beantragten sowohl die
TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA
als auch die
TSV München von 1860 Geschäftsführungs-GmbH
beim Amtsgericht München die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.
Am 25. Juni wurde Dr. Max Liebig zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.
Die Löhne der Beschäftigten waren zunächst über Insolvenzgeld abgesichert.
Der e.V. und seine übrigen Sportabteilungen waren ausdrücklich nicht Teil dieses Insolvenzverfahrens.
27. Deshalb ist „1860 ist insolvent“ nur halb richtig
Diese Unterscheidung ist entscheidend.
Nicht der gesamte TSV München von 1860 e.V. befindet sich in Insolvenz.
Betroffen ist die bisherige ausgegliederte Profifußballgesellschaft.
Der Mutterverein besteht weiter.
Seine anderen Sportabteilungen bestehen weiter.
Seine Mitgliederstruktur besteht weiter.
Und inzwischen existiert eine neue Spielbetriebsgesellschaft.
Deshalb handelt es sich weniger um das Ende des TSV 1860 als um das Ende einer bestimmten wirtschaftlichen Epoche des TSV 1860.
28. 1. September 2026: Das Insolvenzverfahren wird eröffnet
Am 1. September 2026 um 7.30 Uhr eröffnete das Amtsgericht München offiziell das Insolvenzverfahren über die KGaA.
Als Gründe wurden Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung genannt.
Max Liebig wurde zum Insolvenzverwalter bestellt.
Damit ist die KGaA endgültig in das reguläre Insolvenzverfahren eingetreten.
Die seit 2002 bestehende Konstruktion des Profifußballs befindet sich damit faktisch in ihrer Abwicklung beziehungsweise insolvenzrechtlichen Verwertung.
29. Der e.V. kauft wichtige Vermögenswerte zurück
Parallel gelang eine für die Zukunft des Vereins äußerst wichtige Einigung.
Der vorläufige Gläubigerausschuss stimmte einem Angebot des e.V. beziehungsweise der neuen Spielbetriebs-GmbH zu.
Übernommen werden wichtige Vermögensgegenstände aus der insolventen KGaA.
Dazu gehören insbesondere die Markenrechte.
Damit befinden sich zentrale Rechte rund um den Namen TSV 1860 München und das bekannte Löwen-Wappen wieder im Einflussbereich des Vereins beziehungsweise seiner hundertprozentigen Tochtergesellschaft.
Auch einzelne Beschäftigte sowie Spieler aus U19, U21 und dem bisherigen Profibereich sollen übernommen werden.
Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.
30. Auch das berühmte Löwen-Wappen ist zurück
Diese Frage mag gegenüber Millionenbeträgen und Insolvenzrecht nebensächlich erscheinen.
Für einen Traditionsverein ist sie es nicht.
Im Zuge des Streits war zeitweise sogar die Nutzung des bekannten Markenauftritts problematisch geworden.
Durch die Vereinbarung im Insolvenzverfahren erhält die neue Vereinsstruktur nun wieder Zugriff auf zentrale Markenrechte einschließlich des bekannten Löwen-Wappens.
Symbolisch ist das enorm.
Nach Jahren des Streits um Eigentum, Einfluss und Rechte gehört ein wesentlicher Teil der Identität wieder zum vom Verein kontrollierten Bereich.
31. Was geschieht mit Hasan Ismaik?
Mit der Insolvenz der alten KGaA verändert sich auch seine Stellung fundamental.
HAM hielt 60 Prozent der Kapitalanteile der bisherigen KGaA.
Die neue Spielbetriebs-GmbH gehört dagegen vollständig dem e.V.
Damit besitzt HAM keine entsprechende Beteiligung an dieser neuen Gesellschaft.
Was aus Forderungen, Darlehen und sonstigen Ansprüchen im Rahmen des Insolvenzverfahrens wird, ist eine davon getrennte insolvenzrechtliche Frage.
Hier entscheidet nicht die Fußballromantik, sondern Insolvenzrecht.
Forderungen müssen geprüft, Vermögenswerte verwertet und Gläubiger nach den gesetzlichen Regeln behandelt werden.
32. Und die Gläubiger?
Das ist die weniger romantische Seite des Neuanfangs.
Eine Insolvenz beseitigt wirtschaftliche Schäden nicht.
Gläubiger der KGaA müssen ihre Forderungen im Insolvenzverfahren anmelden.
Dazu gehören nach Angaben des Vereins beziehungsweise des Insolvenzverwalters auch rund 5.500 Käufer von Dauerkarten für die ursprünglich geplante Drittliga-Saison 2026/27.
Wie hoch die Insolvenzquote letztlich sein wird, lässt sich derzeit noch nicht seriös sagen.
Deshalb sollte man den Begriff „Befreiungsschlag“ mit Vorsicht verwenden.
Was für die neue Struktur eine Chance bedeutet, kann für Gläubiger einen finanziellen Verlust bedeuten.
33. Was ist aus sportlicher Sicht übrig?
Sehr viel mehr, als bei einem klassischen Zusammenbruch denkbar wäre.
1860 spielt weiter.
Die Mannschaft tritt in der Regionalliga Bayern an.
Das Grünwalder Stadion ist weiterhin Heimat.
Spieler können in die neue Struktur übernommen werden.
Das Nachwuchssystem kann weitergeführt werden.
Und vor allem:
Es gibt weiterhin eine außergewöhnlich große Anhängerschaft.
Ende August war 1860 in der Regionalliga weiterhin ungeschlagen. Gegen Landsberg reichte es vor 15.000 Zuschauern im Grünwalder Stadion allerdings nur zu einem 1:1.
15.000 Zuschauer bei einem Regionalligaspiel zeigen gleichzeitig das Potenzial und das Problem dieses Vereins.
1860 ist wirtschaftlich und emotional erheblich größer als die Liga, in der der Klub derzeit spielt.
34. Ist das jetzt wirklich der große Neuanfang?
Das ist die entscheidende Frage.
Strukturell: ja.
Wirtschaftlich: möglicherweise.
Sportlich: noch lange nicht.
Die neue Gesellschaft beseitigt einen zentralen Konflikt der vergangenen 15 Jahre.
Es gibt nicht mehr zwei Gesellschafterlager, die sich gegenseitig blockieren können.
Der e.V. kontrolliert die neue Spielbetriebs-GmbH vollständig.
Damit sind Verantwortlichkeiten erheblich klarer.
Aber Eigentum allein erzielt noch keine Tore.
35. Die große Chance: klare Verantwortung
In der alten Struktur konnte nahezu jedes Problem Bestandteil eines Gesellschafterkonflikts werden.
Wer entscheidet?
Wer finanziert?
Wer genehmigt?
Wer trägt die Verantwortung?
Wer blockiert wen?
Diese Fragen begleiteten 1860 über Jahre.
In der neuen Struktur ist zumindest eine Sache deutlich einfacher:
Der Verein trägt die Verantwortung.
Wenn die Strategie funktioniert, kann er den Erfolg für sich beanspruchen.
Wenn sie scheitert, kann er die Verantwortung nicht mehr auf einen externen Mehrheitsgesellschafter abschieben.
Das ist Chance und Risiko zugleich.
36. Die größte Gefahr: dieselben Fehler ohne Investor
Es wäre ein Fehler zu glauben, dass mit dem Ende der alten KGaA automatisch sämtliche Probleme verschwinden.
Hasan Ismaik war ein wichtiger Bestandteil der Konfliktgeschichte.
Aber nicht jedes Problem des TSV 1860 seit 2004 lässt sich auf Ismaik zurückführen.
Die Allianz-Arena-Problematik begann vor seinem Einstieg.
Der Bundesliga-Abstieg erfolgte 2004.
Die wirtschaftliche Krise war 2011 bereits so weit fortgeschritten, dass überhaupt erst ein Investor benötigt wurde.
Auch wechselnde sportliche Konzepte, kostspielige Fehlentscheidungen und interne Vereinskonflikte haben zur Geschichte beigetragen.
Ein fairer historischer Rückblick muss deshalb feststellen:
Die Krise des TSV 1860 München hat nicht einen einzigen Verursacher.
37. Was muss 1860 jetzt anders machen?
Der neue Weg kann nur funktionieren, wenn der Verein aus seiner Geschichte Konsequenzen zieht.
Die wichtigste lautet:
Nicht mehr Geld ausgeben, das morgen vielleicht jemand bereitstellt.
Die neue Gesellschaft braucht ein Geschäftsmodell, das grundsätzlich aus realistisch erzielbaren Einnahmen finanziert werden kann.
Sponsorengelder.
Tickets.
Merchandising.
TV- und Verbandszahlungen.
Transfers.
Nachwuchsausbildung.
Partnerschaften.
Und gegebenenfalls zusätzliches Kapital.
Aber Fremdfinanzierung darf nicht erneut zur dauerhaften Voraussetzung dafür werden, den normalen Spielbetrieb aufrechtzuerhalten.
38. Das Grünwalder Stadion: Heimat und wirtschaftliche Grenze
Damit kommt zwangsläufig die Stadionfrage zurück.
Das Grünwalder Stadion ist emotional kaum zu ersetzen.
Es ist Giesing.
Es ist Identität.
Es ist ein wesentlicher Teil dessen, was 1860 von vielen anderen Vereinen unterscheidet.
Aber ein Stadion muss für einen ambitionierten Profiverein auch wirtschaftlich funktionieren.
Der Verein verfolgt deshalb Pläne für eine Ertüchtigung beziehungsweise einen Ausbau.
Auf der Mitgliederversammlung 2026 wurde zudem die Gründung einer eigenen Betriebsgesellschaft für das Sechzgerstadion grundsätzlich gebilligt. Die Vereinsführung sprach von einer Perspektive mit rund 27.000 Plätzen einschließlich Logenbereichen.
Ob und in welcher Form dieses Projekt tatsächlich realisiert werden kann, hängt allerdings nicht allein von 1860 ab.
Stadt, Finanzierung, Genehmigungen, Anwohnerinteressen und bauliche Möglichkeiten spielen ebenfalls eine Rolle.
39. Das Nachwuchsleistungszentrum könnte zum Schlüssel werden
Eine der größten Konstanten in den schwierigen Jahren war die Nachwuchsarbeit.
Aus dem Umfeld der Löwen kamen immer wieder hochklassige Spieler.
Lars und Sven Bender.
Kevin Volland.
Florian Neuhaus.
Und viele weitere.
Für einen wirtschaftlich vorsichtiger agierenden TSV 1860 kann diese Tradition wieder zentral werden.
Ein selbst ausgebildeter Spieler kostet zunächst weniger als ein teurer externer Transfer.
Entwickelt er sich gut, hilft er sportlich.
Entwickelt er sich außergewöhnlich gut, kann ein späterer Transfer erhebliche Einnahmen bringen.
Für einen Verein ohne milliardenschweren Eigentümer ist Nachwuchsarbeit keine Folklore.
Sie kann Teil des Geschäftsmodells sein.
40. Der Aufstieg darf nicht um jeden Preis erzwungen werden
Die Regionalliga ist für einen Verein wie 1860 zweifellos zu wenig.
Das Ziel muss mittelfristig die Rückkehr in die 3. Liga sein.
Danach wird zwangsläufig wieder über die 2. Bundesliga gesprochen werden.
Doch genau hier beginnt die gefährliche historische Versuchung.
1860 hat mehrfach versucht, den nächsten sportlichen Schritt mit erhöhtem finanziellen Risiko zu erzwingen.
Das darf sich nicht wiederholen.
Ein Aufstieg, der nur funktioniert, wenn anschließend ein Geldgeber ein strukturelles Defizit ausgleicht, ist keine nachhaltige Lösung.
41. Was die neue Struktur wert ist, zeigt sich erst bei Problemen
Solange sportlicher Erfolg herrscht, funktionieren viele Vereinsmodelle.
Der eigentliche Test kommt bei einer Niederlagenserie.
Wenn der Aufstieg verpasst wird.
Wenn Einnahmen fehlen.
Wenn ein Trainer entlassen werden soll.
Wenn ein teurer Spieler verpflichtet werden könnte.
Wenn Fans sofortigen Erfolg verlangen.
Dann wird sich zeigen, ob 1860 wirklich eine neue wirtschaftliche Kultur entwickelt hat.
42. Die Mitglieder haben jetzt mehr Macht – und mehr Verantwortung
Die neue Struktur bedeutet eine deutliche Stärkung des e.V.
Das klingt zunächst uneingeschränkt positiv.
Doch Vereinsdemokratie allein garantiert keine wirtschaftlich guten Entscheidungen.
Mitglieder wählen Gremien.
Gremien bestimmen die strategische Richtung.
Diese müssen wiederum professionelle Geschäftsführer einsetzen und kontrollieren.
Entscheidend wird deshalb sein, Vereinsdemokratie und professionelle Unternehmensführung miteinander zu verbinden.
Der Präsident sollte nicht Trainer sein.
Der Verwaltungsrat sollte nicht Sportdirektor sein.
Die Mitgliederversammlung sollte nicht über einzelne Transfers entscheiden.
Aber sie sollte darüber entscheiden können, wem der Fußball langfristig gehört.
Genau diese Balance muss 1860 finden.
43. 50+1 ist damit nicht mehr das zentrale Problem
Jahrelang drehte sich ein Teil des Konflikts um die Frage, wie Investorenkapital und Vereinshoheit miteinander vereinbart werden können.
In der neuen Gesellschaft ist diese Diskussion zunächst wesentlich einfacher.
100 Prozent gehören dem e.V.
Damit liegt die Kontrolle eindeutig beim Verein.
Sollten irgendwann wieder externe Investoren beteiligt werden, würde die Frage neu aufkommen.
Die derzeitige Konstruktion sieht dafür allerdings eine hohe Hürde vor: Eine Veräußerung von Anteilen an der neuen Spielbetriebs-GmbH benötigt nach Vereinsangaben eine Dreiviertelmehrheit der Mitgliederversammlung.
44. Was wird aus der alten KGaA?
Sie verschwindet nicht einfach über Nacht.
Das Insolvenzverfahren muss abgewickelt werden.
Der Insolvenzverwalter muss Vermögenswerte und Forderungen erfassen.
Gläubiger müssen ihre Ansprüche anmelden.
Verträge müssen geprüft werden.
Vermögensgegenstände werden übertragen oder verwertet.
Rechtsstreitigkeiten können fortbestehen.
Am Ende kann die Gesellschaft nach Abschluss des Verfahrens liquidiert und gelöscht werden.
Dieser Prozess kann dauern.
Deshalb existieren momentan gewissermaßen zwei Ebenen nebeneinander:
die alte insolvente Fußballgesellschaft, deren Vergangenheit abgewickelt wird,
und
die neue Spielbetriebs-GmbH, in der die sportliche Zukunft aufgebaut werden soll.
45. Eine historische Ironie
Die Geschichte besitzt eine bemerkenswerte Pointe.
2002 wurde der Profifußball ausgegliedert, weil moderne Profivereine zunehmend unternehmerische Strukturen benötigten.
2011 wurde ein externer Investor aufgenommen, weil die Fußballgesellschaft wirtschaftlich nicht mehr ausreichend aus eigener Kraft finanziert werden konnte.
2026 endet genau diese Gesellschaft in der Insolvenz.
Und der Spielbetrieb landet nun in einer neuen GmbH, die wieder vollständig dem Mutterverein gehört.
1860 kehrt damit nicht organisatorisch ins Jahr 1899 zurück.
Eine GmbH bleibt eine Kapitalgesellschaft.
Aber die Eigentumsverhältnisse sind wieder eindeutig.
Der professionelle beziehungsweise leistungsorientierte Fußball befindet sich wirtschaftlich wieder unter vollständiger Kontrolle des Vereins.
46. Hat Hasan Ismaik 1860 gerettet oder geschadet?
Eine faire Antwort lautet:
Beides lässt sich nicht mit einem einzigen Satz beantworten.
2011 stellte sein Einstieg Kapital zur Verfügung, das angesichts der damaligen wirtschaftlichen Situation von enormer Bedeutung war.
Ohne diese Finanzierung hätte 1860 bereits damals vor einem existenziellen Problem gestanden.
Andererseits entstand über die folgenden 15 Jahre eine außergewöhnlich konfliktbelastete Gesellschafterbeziehung.
Die sportliche Rückkehr in die Bundesliga gelang nicht.
2017 kam es zum ersten Zwangsabstieg.
2026 folgte der zweite.
Schließlich endete die KGaA in der Insolvenz.
Wer die gesamte Geschichte seriös bewerten möchte, muss deshalb zwei Dinge gleichzeitig anerkennen:
Ismaiks Geld half 1860 zunächst zu überleben.
Und:
Das gemeinsame Gesellschaftermodell von HAM und e.V. erwies sich langfristig als nicht tragfähig.
47. Hat der e.V. gewonnen?
Auch diese Antwort ist komplizierter als ein einfaches Ja.
Der e.V. besitzt jetzt wieder die vollständige Kontrolle über die neue Spielbetriebsgesellschaft.
Wichtige Markenrechte kehren in seinen Einflussbereich zurück.
Der langjährige Gesellschafterkonflikt ist für die neue Gesellschaft beendet.
Das ist ein erheblicher strategischer Erfolg.
Aber der Preis ist hoch.
1860 spielt wieder Regionalliga.
Die alte Fußballgesellschaft ist insolvent.
Gläubiger verlieren möglicherweise Geld.
Arbeitsplätze waren gefährdet.
Sportliche Substanz ging verloren.
Und der Wiederaufbau kostet Zeit.
Von einem Triumph zu sprechen wäre deshalb zu früh.
Es ist eher eine zweite Chance.
48. Wo steht 1860 am 2. September 2026?
Der aktuelle Stand lässt sich auf wenige zentrale Punkte reduzieren.
Der TSV München von 1860 e.V. existiert und ist nicht insolvent.
Die alte TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA befindet sich seit 1. September im eröffneten Insolvenzverfahren.
Der Spielbetrieb wurde in eine neue TSV München von 1860 Spielbetriebs-GmbH überführt.
Diese Gesellschaft gehört zu 100 Prozent dem e.V.
Wichtige Vermögensgegenstände und Markenrechte der alten KGaA werden von der neuen Vereinsstruktur übernommen.
1860 spielt 2026/27 in der Regionalliga Bayern.
Der Verein besitzt damit wieder weitgehende Kontrolle über seine Fußballzukunft – allerdings auf sportlich deutlich niedrigerem Niveau.
49. Und wie geht es jetzt weiter?
Das nächste Kapitel entscheidet darüber, wie die Ereignisse des Jahres 2026 irgendwann historisch bewertet werden.
Es gibt zwei grundsätzlich denkbare Geschichten.
Die erste wäre die optimistische.
1860 nutzt die Insolvenz als tatsächlichen Neuanfang.
Die Kosten werden an die Einnahmen angepasst.
Das Nachwuchsleistungszentrum wird gestärkt.
Das Grünwalder Stadion wird sinnvoll weiterentwickelt.
Sponsoren gewinnen Vertrauen.
Die Fans bleiben.
Der Verein steigt zurück in die 3. Liga auf.
Später gelingt die Rückkehr in die 2. Bundesliga.
Und irgendwann wird aus der Krise von 2026 jener Moment, an dem sich 1860 wirtschaftlich neu erfunden hat.
Doch es gibt auch die zweite Möglichkeit.
Der Verein unterschätzt die Kosten.
Der Aufstiegsdruck wächst.
Die Verantwortlichen beginnen wieder, zukünftige Einnahmen vorwegzunehmen.
Sportliche Ungeduld verdrängt wirtschaftliche Vernunft.
Interne Lagerkämpfe kehren zurück.
Dann hätte sich zwar die Gesellschaftsform geändert – aber nicht die Kultur.
Und genau darin liegt die eigentliche Herausforderung.
50. Fazit: Der Löwe lebt – aber er muss jetzt lernen, auf eigenen Beinen zu stehen
Die Geschichte des TSV 1860 München ist keine klassische Niedergangsgeschichte.
Dafür ist der Verein zu lebendig.
Ein Klub, der nach Jahrzehnten voller Abstiege, Lizenzproblemen, Gesellschafterstreitigkeiten und sportlichen Enttäuschungen in der Regionalliga noch immer 15.000 Menschen ins Stadion bringt, verfügt über ein außergewöhnliches Fundament.
1860 besitzt etwas, das man nicht kaufen kann:
Geschichte.
Identität.
Giesing.
Das Grünwalder Stadion.
Eine große Anhängerschaft.
Eine starke Nachwuchstradition.
Und eine emotionale Bedeutung, die weit über die aktuelle Ligazugehörigkeit hinausgeht.
Aber die vergangenen Jahrzehnte zeigen ebenso deutlich:
Tradition bezahlt keine Rechnungen.
1966 wurde 1860 Deutscher Meister.
1982 verlor der Verein aus wirtschaftlichen Gründen die Profilizenz.
1994 kehrte er in die Bundesliga zurück.
2000 stand er auf Platz vier und spielte um die Champions League.
2002 wurde der Profifußball ausgegliedert.
2004 folgte der Bundesliga-Abstieg.
2006 mussten die Arena-Anteile verkauft werden.
2011 rettete Investorenkapital die Fußballgesellschaft vor der Insolvenz.
2017 folgte der Zwangsabstieg in die Regionalliga.
2018 gelang die Rückkehr in die 3. Liga.
2026 folgten erneut Lizenzprobleme, Regionalliga und schließlich die Insolvenz der KGaA.
Am 1. September 2026 endete damit nicht der TSV 1860 München.
Es endete vielmehr ein Kapitel, das 2002 begonnen hatte und spätestens seit 2011 von einer schwierigen Partnerschaft zwischen Verein und externem Kapital geprägt war.
Nun beginnt das nächste Experiment.
Diesmal gehört die Spielbetriebsgesellschaft vollständig dem Verein.
Das bedeutet Freiheit.
Aber Freiheit bedeutet auch Verantwortung.
Von nun an kann der TSV 1860 seine Zukunft wieder wesentlich stärker selbst gestalten.
Er kann allerdings auch niemand anderem mehr die alleinige Verantwortung geben, wenn es nicht funktioniert.
Vielleicht ist genau das die größte Veränderung dieses Sommers.
Nach Jahrzehnten, in denen bei 1860 immer wieder über Präsidenten, Investoren, Stadiongesellschaften, Darlehen, 50+1, Aufsichtsräte und Finanzierungszusagen diskutiert wurde, ist die zentrale Frage plötzlich wieder erstaunlich einfach:
Kann der TSV 1860 München aus eigener Kraft einen Fußballbetrieb aufbauen, der sportlichen Ehrgeiz mit wirtschaftlicher Vernunft verbindet?
Die Antwort darauf wird nicht im Insolvenzgericht gegeben.
Sie wird in den nächsten Jahren in Giesing gegeben.
Und erst dann wird man wissen, ob der 1. September 2026 als Tag eines weiteren Absturzes in die Geschichte eingegangen ist – oder als der Tag, an dem für die Löwen nach fast einem Vierteljahrhundert ein neues Kapitel begonnen hat.
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