Wer schon einmal nach Australien geflogen ist, weiß: Die Reise fühlt sich manchmal länger an als die gesamte Evolution der Menschheit. Doch genau das will die australische Fluggesellschaft Qantas nun ändern – oder vielleicht auch verlängern, je nach Blickwinkel.
Ab Oktober 2027 soll erstmals ein Nonstop-Flug zwischen London und Sydney starten. Rund 22 Stunden am Stück in einem Flugzeug – ohne Zwischenlandung, ohne Duty-Free-Pause in Singapur und ohne die Möglichkeit, sich wenigstens einmal einzureden, man sei fast da.
Vom Vier-Tage-Abenteuer zum 22-Stunden-Marathon
Als Qantas 1947 die legendäre „Känguru-Route“ eröffnete, dauerte die Reise stolze vier Tage und führte über sieben Zwischenstopps. Heute soll dieselbe Strecke in weniger als einem Tag bewältigt werden – vorausgesetzt, man hat keine Probleme damit, fast einen kompletten Kalendertag auf Sitzplatz 42A zu verbringen.
Möglich machen soll das speziell entwickelte Airbus A350-1000-Modell mit Zusatztank. Die Maschine fliegt praktisch so lange, bis entweder Sydney erreicht ist oder der Bordfilm zum fünften Mal von vorne beginnt.
Wellness statt Zwischenstopp
Natürlich weiß auch Qantas, dass 22 Stunden auf engem Raum gewisse Herausforderungen mit sich bringen.
Deshalb gibt es künftig einen „Wellness-Bereich“. Dort dürfen Passagiere Dehnübungen machen und sich daran erinnern, wie sich normales Gehen anfühlt. Außerdem erhalten Economy-Reisende etwas mehr Beinfreiheit – genug, um beide Knie gleichzeitig zu spüren.
Auch Licht, Mahlzeiten und Kabinenklima werden speziell auf den Biorhythmus abgestimmt. Kurz gesagt: Der Jetlag wird künftig wissenschaftlich geplant.
Business-Class: Fast wie ein Hotel
Fast die Hälfte aller Plätze entfällt auf Premium Economy, Business und First Class. Dort dürfte sich der Flug tatsächlich eher wie ein fliegendes Hotel anfühlen.
In der Economy dagegen bleibt die wichtigste Frage bestehen:
Wie oft kann man denselben Sicherheitsfilm anschauen, bevor man ihn auswendig mitsprechen kann?
Die Meinungen gehen auseinander
Viele Vielflieger freuen sich über den Zeitgewinn. Kein Umsteigen, kein Rennen durch Flughäfen, kein verlorenes Gepäck.
Andere fragen sich dagegen, ob ein Zwischenstopp nicht vielleicht doch ganz angenehm gewesen wäre. Schließlich kann ein Flughafen nach zwölf Stunden Sitzen plötzlich wie ein Wellness-Resort wirken.
Qantas hofft auf zahlungskräftige Geduld
Billig wird das Abenteuer allerdings nicht. Experten rechnen mit Preisen, die rund 20 Prozent über den bisherigen Verbindungen mit Zwischenstopp liegen.
Qantas setzt deshalb vor allem auf Geschäftsreisende und Urlauber, für die Zeit wertvoller ist als Geld.
Oder anders formuliert:
Wer sich 22 Stunden am Stück in einen Flugzeugsitz setzen möchte, dürfte vermutlich auch bereit sein, etwas mehr dafür zu bezahlen.
Ein Rekordflug mit Symbolcharakter
Für die Luftfahrt markiert die Verbindung einen Meilenstein. Australien rückt ein Stück näher an Europa heran – zumindest gefühlt.
Ob sich das Konzept langfristig durchsetzt, wird allerdings erst die Praxis zeigen. Denn zwischen technischer Machbarkeit und menschlicher Sitzfleisch-Ausdauer liegen bekanntlich manchmal Welten.
Fest steht jedoch schon jetzt: Wer künftig in London startet und erst 22 Stunden später in Sydney aussteigt, wird nach der Landung vermutlich zwei Dinge besonders genießen:
Frische Luft.
Und einen ganz normalen Spaziergang.
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