Trotz eines überraschenden Waffenstillstands im Zollstreit mit den USA bleibt die chinesische Führung auf Konfrontationskurs. Der Deal, den Unterhändler beider Länder am 12. Mai 2025 in Genf unterzeichneten, brachte zunächst Erleichterung – doch schon wenige Tage später war der Ton aus Peking wieder deutlich schärfer.
Schatten auf dem Dialog: Kritik an US-Politik
Nur kurz nach dem Abkommen warf das chinesische Handelsministerium der US-Regierung vor, die Gespräche zu untergraben. Hintergrund ist ein neues US-Verbot, das heimische Unternehmen vor der Nutzung von KI-Chips des chinesischen Konzerns Huawei warnt. Peking reagierte empört: Washington missbrauche Exportkontrollen, um China zu „unterdrücken und einzudämmen“.
Auch beim Thema Fentanyl, das in den USA als drogenpolitisches Krisenthema gilt, bleibt China hart. Die Herstellung chemischer Vorprodukte könnte mit den USA koordiniert werden – doch Peking erklärt das Problem zur „rein amerikanischen Angelegenheit“. Eine engere Zusammenarbeit, die auch auf eine Lockerung der US-Zölle hoffen ließe, bleibt damit fraglich.
Kein Platz für Illusionen
Obwohl die jüngste Einigung eine vorläufige Senkung der Zölle um 115 Prozentpunkte vorsieht und damit die wirtschaftliche Lage beider Länder kurzfristig entspannt, glaubt in Peking kaum jemand an eine nachhaltige Entspannung. Chinas Führung sei sich laut Experten bewusst, dass der Konflikt mit den USA strategische Tiefe habe – und nicht mit symbolischen Kompromissen beigelegt werden könne.
Die Vereinbarung ist zudem zeitlich begrenzt: In 90 Tagen muss eine neue Lösung her. Gelingt dies nicht, droht ein Rückfall in einen faktischen Handelskrieg, der Millionen Jobs kosten könnte.
Strategische Interessen vs. wirtschaftlicher Druck
Trotz der demonstrativen Härte dürfte China bereit sein, begrenzte Zugeständnisse zu machen – etwa durch verstärkte US-Importe oder eine punktuelle Kooperation bei Drogenbekämpfung. Doch Peking ist vorsichtig: Öffnungen der eigenen Wirtschaft oder Technologieimporte gelten als rote Linien.
Zugleich behält China seine Druckmittel: Die Kontrolle über seltene Erden, essenziell für westliche Schlüsselindustrien, bleibt unangetastet. Auch diplomatisch setzt Peking auf eine globale Charmeoffensive – von Lateinamerika bis Südostasien – um alternative Märkte zu erschließen.
Ein globales Duell mit offenem Ausgang
Der wirtschaftliche Preis der Auseinandersetzung ist hoch – für beide Seiten. China könnte bei einem Scheitern der Verhandlungen rund 1,6 % Wirtschaftswachstum einbüßen, Millionen Jobs wären gefährdet. Doch Experten sehen Peking derzeit in der besseren Position: Präsident Xi Jinping genießt innenpolitische Stabilität, während Trump bei Rückschlägen mit Protesten und Börsenturbulenzen rechnen muss.
Wie die Gespräche bis zum 12. August ausgehen, dürfte entscheidend für die Zukunft der bilateralen Beziehungen sein. Doch klar ist: Die Ära der engen wirtschaftlichen Verflechtung zwischen den USA und China neigt sich dem Ende zu. Beide Seiten arbeiten aktiv daran, ihre gegenseitige Abhängigkeit zu verringern – und damit die Weichen für eine neue Weltwirtschaftsordnung zu stellen.
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