100.000 Arbeitsplätze sollen im Volkswagen-Konzern weltweit auf der Streichliste stehen. Mehrere Werke gelten als gefährdet. Eines davon ist das traditionsreiche VW-Werk in Zwickau.
Noch ist nichts entschieden.
Aber genau das ist das Problem.
Denn Unsicherheit ist für Beschäftigte und eine ganze Region oft genauso zerstörerisch wie eine Werksschließung selbst.
Die Menschen haben ein Recht auf Klarheit
Tausende Familien in Westsachsen leben direkt oder indirekt von Volkswagen.
Hinzu kommen Zulieferer, Handwerksbetriebe, Logistikunternehmen, Dienstleister, Einzelhandel und Gastronomie.
Fällt Volkswagen in Zwickau, fällt nicht nur ein Werk.
Dann gerät eine komplette Wirtschaftsregion ins Wanken.
Deshalb reicht es längst nicht mehr aus, beruhigende Pressemitteilungen zu veröffentlichen oder auf Gespräche im Aufsichtsrat zu verweisen.
Die Menschen brauchen Klarheit. Jetzt.
Herr Kretschmer – rufen Sie Ihren Kollegen Mario Voigt an!
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sollte dringend zum Telefon greifen.
Nicht nach Wolfsburg.
Sondern nach Erfurt.
Denn Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt kennt die Geschichte eines Automobilstandortes, der ebenfalls einmal das Herz einer ganzen Region war.
Eisenach.
Das ehemalige AWE-Werk war einst der Stolz des ostdeutschen Automobilbaus.
Heute erinnert vor allem das Automuseum an diese große Zeit.
Ein Museum ist wichtig.
Aber es ersetzt keine Industriearbeitsplätze.
Es ersetzt keine Ausbildungsplätze.
Und es zahlt keine Löhne.
Die Menschen in Zwickau wollen kein zweites Automuseum.
Sie wollen Arbeit.
Geht Volkswagen, geht in einer ganzen Region das Licht aus
Man muss sich nur die wirtschaftlichen Folgen vor Augen führen.
Nicht nur mehrere tausend direkte Arbeitsplätze wären gefährdet.
Jeder Arbeitsplatz bei Volkswagen sichert weitere Arbeitsplätze bei Zulieferern und Dienstleistern.
Vom Werkzeugbauer bis zur Kantine.
Vom Bäcker bis zum Spediteur.
Vom Autohaus bis zum Maschinenbauer.
Wer glaubt, man könne den Verlust eines Volkswagen-Werkes mit ein paar Förderprogrammen kompensieren, kennt die Realität in industriell geprägten Regionen nicht.
Die Landesregierung muss endlich einen Plan B entwickeln
Bisher hört man vor allem eines:
Abwarten.
Genau das wäre fatal.
Eine verantwortungsvolle Landesregierung entwickelt bereits jetzt Alternativen.
Nicht erst dann, wenn das Werk tatsächlich geschlossen wird.
Warum eigentlich nicht mit chinesischen Herstellern sprechen?
Diese Frage wird viele provozieren.
Aber sie muss gestellt werden.
Wenn Volkswagen tatsächlich keinen Zukunftsplan mehr für Zwickau hat – warum sollte Sachsen dann nicht aktiv mit internationalen Investoren sprechen?
China ist heute längst kein Billigproduzent mehr.
Unternehmen wie BYD, Geely oder Chery gehören inzwischen zu den innovativsten Autoherstellern der Welt.
Warum sollte Sachsen nicht ausloten, ob Interesse an einem modernen Produktionsstandort besteht?
Industriepolitik bedeutet schließlich nicht, auf Entscheidungen aus Wolfsburg zu warten.
Industriepolitik bedeutet, selbst Perspektiven zu schaffen.
Das größte Problem heißt allerdings Volkswagen
Denn jeder Investor wird dieselbe Rechnung aufmachen.
Hohe Personalkosten.
Hohe Tarifbindung.
Hohe Sozialstandards.
Hohe Produktionskosten.
Genau diese Faktoren haben Volkswagen über Jahre immer weiter unter Druck gesetzt.
Die Wettbewerber produzieren häufig deutlich günstiger.
Das macht jede Übernahme kompliziert.
Aber kompliziert ist noch lange nicht unmöglich.
Die Wahrheit ist unbequem
Vielleicht muss man sich ehrlich eingestehen:
Sollte Volkswagen tatsächlich gehen, wird es keinen Nachfolger geben, der sämtliche Arbeitsplätze zu den bisherigen Bedingungen übernimmt.
Diese Hoffnung wäre unrealistisch.
Dennoch wäre ein Investor immer besser als eine stillgelegte Fabrik.
Denn ein laufendes Werk schafft Chancen.
Eine leerstehende Produktionshalle schafft lediglich Erinnerungen.
Sachsen darf nicht wieder zusehen
Nach der Wende mussten viele Ostdeutsche erleben, wie Industriebetriebe verschwanden.
Die Versprechen waren groß.
Die Enttäuschungen oft größer.
Gerade deshalb muss die Politik diesmal früher handeln.
Nicht erst, wenn die Bänder stillstehen.
Nicht erst, wenn die Kündigungen ausgesprochen werden.
Nicht erst, wenn die ersten Hallen leer sind.
Appelle retten keine Arbeitsplätze
Natürlich wird jetzt wieder von „Standortsicherung“, „Transformation“ und „Zukunftschancen“ gesprochen werden.
Das klingt gut.
Hilft den Beschäftigten aber wenig.
Was jetzt gebraucht wird, sind Entscheidungen.
Klare Aussagen.
Und vor allem ein Plan.
Unser Appell an Ministerpräsident Michael Kretschmer
Herr Ministerpräsident,
fahren Sie nach Wolfsburg.
Fahren Sie nach Berlin.
Sprechen Sie mit Volkswagen.
Sprechen Sie mit der Bundesregierung.
Und wenn nötig, sprechen Sie auch mit potenziellen Investoren aus Asien oder anderen Teilen der Welt.
Aber tun Sie bitte eines nicht:
Abwarten.
Denn wenn in Zwickau die Lichter ausgehen, wird es für viele Menschen keine zweite Chance geben.
Fazit
Zwickau ist weit mehr als ein Volkswagen-Standort.
Zwickau ist ein Symbol für den industriellen Wiederaufbau Ostdeutschlands.
Gerade deshalb darf man die Zukunft dieses Werkes nicht allein den Entscheidungen eines Konzernvorstandes überlassen.
Die Landesregierung muss jetzt handeln, Alternativen prüfen und den Beschäftigten eine Perspektive geben.
Denn eines zeigt die Geschichte von Eisenach sehr deutlich:
Ein Automuseum ist ein schönes Ausflugsziel.
Ein Automobilwerk ist die Lebensgrundlage einer ganzen Region.
Und zwischen beidem liegen Tausende Arbeitsplätze.
Es ist doch die CDU-Politik, die die Automobilindustrie in Deutschland zerstört hat. Damit kann sie gut mit den Grünen regieren. – Bis der Wähler es nicht mehr will.
Kretschmer wird daher nichts bewegen können.