Herr Reime, die Zakspeed Classic GmbH bietet aktuell eine Schuldverschreibung mit 6,95 % Verzinsung an. Klingt erst einmal attraktiv. Welche Risiken birgt dieses Angebot?
Reime: Das Angebot klingt auf den ersten Blick durchaus reizvoll – vor allem für Anleger, die sich für historische Fahrzeuge interessieren. Aber aus rechtlicher Sicht muss man ganz klar sagen: Diese Anleihe ist hochriskant. Sie enthält mehrere strukturelle und wirtschaftliche Risikofaktoren, die ein Totalverlust-Szenario durchaus realistisch erscheinen lassen.
Was sind die zentralen Risikopunkte, die Anleger beachten müssen?
Reime: Zunächst einmal handelt es sich um eine nicht besicherte, nachrangige Schuldverschreibung mit vorinsolvenzlicher Durchsetzungssperre. Das bedeutet konkret: Selbst wenn der Emittent in Schieflage gerät, können Anleger ihre Ansprüche auf Zins- oder Rückzahlung nicht durchsetzen, wenn diese zur Zahlungsunfähigkeit führen würden. Der rechtliche Schutz ist also stark eingeschränkt.
Hinzu kommt, dass das Wertpapier auf einer Blockchain-Technologie basiert. Was bedeutet das für den Anleger?
Reime: Das bringt ein weiteres erhebliches Risiko mit sich. Die Emission erfolgt als sogenanntes Kryptowertpapier – die Schuldverschreibung existiert also nicht in Papierform, sondern als Token auf der Polygon-Blockchain. Technische Fehler, Wallet-Probleme oder ein Blockchain-Ausfall können dazu führen, dass der Anleger seine Rechte nicht mehr nachweisen oder durchsetzen kann. Und ein Totalverlust wäre in einem solchen Fall denkbar.
Wie schätzen Sie das Geschäftsmodell der Emittentin ein?
Reime: Es ist sehr spezifisch und stark vom Nischenmarkt historischer Rennfahrzeuge abhängig. Der Markt ist illiquide, die Nachfrage schwer vorhersehbar. Gleichzeitig muss die Emittentin erst zehn Fahrzeuge produzieren und erfolgreich verkaufen – ob das gelingt, hängt an vielen unvorhersehbaren Faktoren. Zudem zeigt der zuletzt veröffentlichte Jahresabschluss einen Verschuldungsgrad von 3.050 %. Das ist aus Sicht eines Risikoprofils alarmierend.
Wie steht es um die Handelbarkeit der Anleihe?
Reime: Die Anleihe wird nicht an einem Finanzmarkt gelistet. Es existiert kein geregelter Zweitmarkt. Wer vorzeitig verkaufen will, ist auf einen privaten Käufer angewiesen – und das oft mit deutlichem Preisabschlag. Die Liquidität ist damit stark eingeschränkt, was insbesondere für ältere Anleger oder jene mit kurz- bis mittelfristigem Anlagehorizont problematisch ist.
Gibt es aus Ihrer Sicht problematische Aspekte im Verhältnis zwischen Emittent und Anleger?
Reime: Ja. Anleger erhalten keinerlei Mitspracherechte, weder hinsichtlich der Verwendung der Mittel noch bei geschäftlichen Entscheidungen. Sie tragen also unternehmerisches Risiko – allerdings ohne die Rechte eines Unternehmers. Das ist eine sehr unvorteilhafte Kombination. Zudem gibt es keinen Garantiegeber, der im Ernstfall einspringen würde.
Ihr Fazit für Anleger, die mit dem Gedanken spielen, diese Schuldverschreibung zu zeichnen?
Reime: Wer diese Anleihe zeichnet, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er ein hochspekulatives Investment eingeht – vergleichbar mit einer Beteiligung an einem Start-up, nur mit weniger Transparenz. Es handelt sich um eine Mischung aus Technologie-, Branchen-, Emittenten- und Liquiditätsrisiken. Wer das verkraften kann und sich der Risiken bewusst ist, mag sich beteiligen. Wer Sicherheit, Planbarkeit und rechtlichen Schutz sucht, sollte eher die Finger davon lassen.
Vielen Dank für Ihre Einschätzung, Herr Reime.
Reime: Sehr gern.
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