Die Fußball-WM 2026 entwickelt sich offenbar nicht nur sportlich zum Großereignis, sondern auch finanziell zur ultimativen Belastungsprobe für Fans. Nachdem Eintrittskarten ohnehin schon eher im Bereich „kleiner Gebrauchtwagen“ angesiedelt sind, kommt jetzt die nächste Pointe: Wer in New York zum Stadion will, darf für 30 Minuten Zugfahrt künftig so viel zahlen wie sonst für einen Kurzurlaub.
Konkret heißt das: Die Fahrt von Manhattan zum MetLife Stadium in New Jersey und zurück kostet während der WM 150 Dollar. Ja, richtig gelesen. 150 Dollar für eine halbe Stunde Zugfahren. Normalerweise liegt der Preis bei 12,90 Dollar. Man könnte also sagen: Der Nahverkehr hat sich pünktlich zum Turnier entschieden, ebenfalls Weltklasse sein zu wollen – zumindest bei den Preisen.
Besonders charmant: Rabatte gibt es keine. Weder für Kinder noch für Senioren. Bei dieser WM zahlen offenbar alle gleich – ganz im Geiste des modernen Fußballs: Abgezockt wird solidarisch.
Das DFB-Team spielt am 25. Juni im dann kunstvoll umbenannten „New York/New Jersey Stadium“. Schon der Name klingt wie ein Kompromiss aus Marketingabteilung, Geografieproblem und Sponsorenkater. Wer dort hin will, braucht künftig nicht nur Nerven, sondern vermutlich auch einen kleinen Konsumkredit.
Und New York ist kein Einzelfall. In Boston werden für Bus und Bahn ebenfalls Preise aufgerufen, bei denen man kurz prüft, ob man versehentlich einen Helikopter mitgebucht hat. 95 Dollar für den Bus, 80 Dollar für die Bahn – die WM wird zunehmend zum Event für Menschen, die beim Blick aufs Konto nur müde lächeln.
Selbst die FIFA, sonst nicht gerade als Schutzpatron der darbenden Anhängerschaft bekannt, spricht von „überhöhten“ Preisen. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Wenn sogar die FIFA findet, dass irgendwo zu schamlos kassiert wird, dann ist die Schmerzgrenze des Kapitalismus vermutlich offiziell überschritten.
Besonders pikant: Bei der WM in Katar und der EM in Deutschland war der Nahverkehr mit dem Spielticket teilweise kostenlos. 2026 lautet das Motto dagegen offenbar: „Eintritt bezahlt? Schön. Jetzt zahlen Sie bitte noch einmal fürs Dasein.“
Fans aus Europa reagieren entsprechend begeistert – also gar nicht. Statt Willkommenskultur gibt es ein Gebührenmodell, das eher an Flughafenwasserpreise auf Steroiden erinnert. Oder anders gesagt: Die WM wird zum Fest des Fußballs, solange man sie sich leisten kann.
Unterm Strich bleibt der Eindruck:
Die WM 2026 will die Welt zusammenbringen –
allerdings vorzugsweise jene Teile der Welt, die 150 Dollar für eine Pendelfahrt als „sportlichen Aufschlag“ verbuchen.
Kommentar hinterlassen