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Rechtsanwalt Maurice Högel warnt: „Gerade bei vermeintlich sicheren Photovoltaik-Investments sollten Anleger genau hinschauen“

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay
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Photovoltaik-Investments gelten für viele Anleger inzwischen als moderne Kombination aus Klimaschutz, Sachwert und attraktiver Rendite. Anbieter werben mit staatlich garantierten Erträgen, steuerlichen Vorteilen und „Rundum-sorglos“-Paketen. Doch wie sicher sind solche Modelle wirklich?

Im Interview erklärt Rechtsanwalt Maurice Högel, warum Anleger bei langfristigen Solar-Investments trotzdem vorsichtig sein sollten, welche Risiken häufig unterschätzt werden – und weshalb Begriffe wie „garantiert“, „sicher“ oder „steueroptimiert“ schnell ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen können.

„Der Begriff ‚garantierte Erträge‘ klingt oft sicherer, als es tatsächlich ist“

Frage: Herr Högel, Anbieter werben bei Photovoltaik-Investments häufig mit „garantierten Erträgen über 20 Jahre“. Ist das wirklich so sicher?

Maurice Högel: Anleger müssen sehr genau unterscheiden. Das EEG garantiert bestimmte Einspeisevergütungen – aber eben nicht automatisch die wirtschaftliche Gesamtrendite eines Projekts. Viele Faktoren bleiben trotzdem risikobehaftet:
technische Ausfälle,
Wetterbedingungen,
Strompreise,
Leerstände von Gewerbeimmobilien,
Wartungskosten,
Finanzierungszinsen
oder rechtliche Veränderungen.

Die Werbung vermittelt häufig ein Sicherheitsgefühl, das in dieser Absolutheit nicht existiert.

„Bis zu 10 Prozent Rendite klingen attraktiv – aber Rendite bedeutet immer Risiko“

Frage: Im Angebot werden Renditen von bis zu 10 Prozent jährlich genannt.

Maurice Högel: Genau dort sollten Anleger aufmerksam werden. Hohe Renditen entstehen nie ohne Risiken. Natürlich können Photovoltaik-Anlagen wirtschaftlich sinnvoll sein. Aber wenn mit langfristig stabilen zweistelligen Renditen geworben wird, muss man sich immer fragen:
Auf welchen Annahmen beruhen diese Berechnungen wirklich?

Gerade Wirtschaftlichkeitsprognosen hängen oft von optimistischen Szenarien ab.

„Steuermodelle werden oft emotional verkauft“

Frage: Besonders hervorgehoben wird der Investitionsabzugsbetrag, also der IAB.

Maurice Högel: Das ist ein typisches Verkaufsargument. Steuerliche Vorteile wirken auf viele Anleger sehr attraktiv, weil sie glauben, sofort Geld zu sparen. Aber steuerliche Effekte ersetzen keine wirtschaftliche Prüfung des Investments. Viele Menschen investieren am Ende nicht wegen der Anlage selbst, sondern wegen der Steuerersparnis. Das kann gefährlich werden.

Denn wenn das Geschäftsmodell wirtschaftlich nicht wie geplant funktioniert, helfen auch steuerliche Vorteile nur begrenzt weiter.

„Viele Anleger unterschätzen technische und operative Risiken“

Frage: In der Werbung klingt das Investment nahezu sorgenfrei.

Maurice Högel: Genau das sehe ich kritisch. Natürlich gibt es professionelle Anbieter im Markt. Aber selbst bei gut geplanten Projekten bestehen Risiken:
Wechselrichter können ausfallen,
Dächer können Probleme verursachen,
Mieter wechseln,
Versicherungen decken nicht jeden Schaden,
oder gesetzliche Rahmenbedingungen ändern sich.

Wenn Werbung fast ausschließlich Sicherheit und Einfachheit betont, sollten Anleger besonders kritisch prüfen.

„100 Prozent Eigentum bedeutet nicht automatisch volle Sicherheit“

Frage: Der Anbieter betont mehrfach, dass Anleger vollständige Eigentümer der Anlage bleiben.

Maurice Högel: Eigentum ist grundsätzlich positiv. Aber auch Eigentum schützt nicht automatisch vor wirtschaftlichen Problemen. Entscheidend ist:
Wie werthaltig ist die Anlage wirklich?
Wie liquide ist der Markt?
Wie einfach lässt sich die Anlage im Problemfall verkaufen?
Welche Verträge bestehen mit Dachbesitzern oder Stromabnehmern?

Viele Anleger überschätzen die praktische Verwertbarkeit solcher Spezialanlagen.

„Die Gefahr liegt oft in der emotionalen Vermarktung“

Frage: Warum wirken solche Angebote auf viele Menschen besonders überzeugend?

Maurice Högel: Weil mehrere emotionale Faktoren kombiniert werden:
Nachhaltigkeit,
Klimaschutz,
Sachwert,
Steuerersparnis,
staatliche Förderung
und stabile Einnahmen.

Das erzeugt psychologisch ein sehr starkes Sicherheitsgefühl. Viele Anleger prüfen dann die Risiken nicht mehr mit derselben Skepsis wie bei klassischen Finanzprodukten.

„Gerade langfristige Bindungen werden unterschätzt“

Frage: Viele Projekte laufen über Jahrzehnte.

Maurice Högel: Das ist ein ganz wichtiger Punkt. 20 Jahre sind wirtschaftlich eine extrem lange Zeit. Niemand kann seriös vorhersagen, wie sich Strommärkte, Gesetzgebung, Zinspolitik oder technische Standards über einen solchen Zeitraum entwickeln.

Anleger müssen sich bewusst machen:
Langfristige Prognosen sind immer mit erheblichen Unsicherheiten verbunden.

„Referenzprojekte und Kundenstimmen ersetzen keine Due Diligence“

Frage: Die Webseite arbeitet stark mit Referenzen und positiven Kundenstimmen.

Maurice Högel: Das ist übliches Marketing. Solche Aussagen können echt sein, ersetzen aber niemals eine unabhängige Prüfung. Anleger sollten sich nicht allein auf Testimonials verlassen, sondern Verträge, Wirtschaftlichkeitsberechnungen und rechtliche Strukturen genau prüfen lassen.

„Photovoltaik kann sinnvoll sein – aber nicht blind vertrauen“

Frage: Bedeutet Ihre Kritik, dass Photovoltaik-Investments grundsätzlich problematisch sind?

Maurice Högel: Nein, überhaupt nicht. Photovoltaik kann wirtschaftlich sinnvoll sein und ist ein wichtiger Zukunftsmarkt. Aber genau deshalb tummeln sich dort inzwischen auch aggressive Vertriebsmodelle und Anbieter mit sehr optimistischen Werbeversprechen.

Anleger sollten sauber unterscheiden zwischen seriöser Infrastrukturinvestition und emotional aufgeladenem Verkaufsmarketing.

„Wer investieren will, sollte zuerst die Risiken verstehen“

Frage: Ihr wichtigster Rat?

Maurice Högel: Anleger sollten niemals nur auf Renditeversprechen oder Steuerersparnisse schauen. Entscheidend ist:
Verstehe ich das Geschäftsmodell wirklich?
Sind die Kalkulationen realistisch?
Welche Risiken trage ich selbst?

Und ganz wichtig:
Wer langfristig investieren möchte, sollte zuerst die Risiken verstehen – nicht nur die Hochglanzprognosen lesen.

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