Dossier Elif Eralp: Politischer Werdegang, Rote Hilfe, Links*Kanax und umstrittene frühere Positionen
Stand: 3. Oktober 2026
Elif Eralp gehört derzeit zu den prominentesten Politikerinnen der Berliner Linken. Nach dem Wahlerfolg ihrer Partei bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl vom 20. September 2026 beansprucht sie das Amt der Regierenden Bürgermeisterin. Gleichzeitig stehen mehrere Stationen ihrer politischen Vergangenheit verstärkt im öffentlichen Fokus: ihre frühere Mitgliedschaft in der Roten Hilfe, ihre Beteiligung an der Gründung des migrantischen Netzwerks Links*Kanax sowie ihre Unterzeichnung eines politischen Aufrufs aus dem Jahr 2020, in dem vom gemeinsamen „Sturz“ des kapitalistischen Systems die Rede ist.
Dieses Dossier dokumentiert die bislang belegbaren Tatsachen und trennt diese von politischen Bewertungen und Interpretationen.
Wer ist Elif Eralp?
Elif Eralp wurde 1981 geboren und ist Volljuristin. Von 2001 bis 2007 studierte sie Rechtswissenschaften an der Universität Hamburg mit einem Schwerpunkt in Kriminologie. Nach dem ersten Staatsexamen absolvierte sie ihr Referendariat und legte 2009 das zweite juristische Staatsexamen ab.
Während ihrer Studienzeit engagierte sie sich unter anderem bei den Hamburger Aktiven Jurastudierenden, die zum Bundesarbeitskreis Kritischer Juragruppen gehören. Außerdem arbeitete sie in Projekten zur Unterstützung junger Menschen mit Migrationsgeschichte.
Seit 2010 war Eralp als Referentin für Rechtspolitik bei der Bundestagsfraktion der Linken tätig und zugleich Betriebsrätin. Von 2018 bis 2023 gehörte sie dem Berliner Landesvorstand der Linken an. Seit November 2021 ist sie Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses. 2025 wurde sie stellvertretende Landesvorsitzende der Berliner Linken.
Im September 2025 nominierte der Landesvorstand der Linken Eralp als Spitzenkandidatin für die Berliner Abgeordnetenhauswahl 2026 und als Kandidatin für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin.
Frühere Mitgliedschaft in der Roten Hilfe
Besondere öffentliche Aufmerksamkeit erhielt Ende September 2026 Eralps frühere Mitgliedschaft in der Roten Hilfe e.V.
Die Mitgliedschaft ist nicht lediglich Gegenstand von Medienberichten, sondern lässt sich anhand offizieller Unterlagen des Berliner Abgeordnetenhauses nachvollziehen. In früheren Ausgaben des Abgeordnetenhandbuchs wurde die Rote Hilfe unter Eralps offengelegten Mitgliedschaften aufgeführt. In der späteren Fassung mit Stand Oktober 2025 erscheint die Organisation nicht mehr.
Die Berliner Linke bestätigte anschließend, dass Eralp mehrere Jahre Mitglied der Roten Hilfe gewesen war.
Nach Darstellung des Landesverbandes trat sie bereits während ihres Jurastudiums bei. Motiv sei gewesen, Menschen juristischen Beistand zu ermöglichen, die sich für linke und soziale Anliegen engagierten und nicht über ausreichende finanzielle Mittel verfügten.
Nach Angaben der Partei war Eralp über Jahre lediglich passives Mitglied. 2025 sei sie wegen „teilweise anderer politischer Ansichten“ ausgetreten – noch bevor sie zur Spitzenkandidatin der Berliner Linken nominiert wurde.
Wie bewertet der Verfassungsschutz die Rote Hilfe?
Für eine sachliche Bewertung muss zwischen Eralps persönlicher Mitgliedschaft und der behördlichen Bewertung der Organisation unterschieden werden.
Der Verfassungsschutz ordnet die Rote Hilfe dem Linksextremismus zu.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz bezeichnete die Organisation in seinem Bericht für 2024 mit rund 14.400 Mitgliedern als größte und eine der wichtigsten Gruppierungen im deutschen Linksextremismus.
Nach Darstellung des Bundesamtes besteht ihr wesentliches Betätigungsfeld darin, Personen aus dem linksextremistischen Spektrum bei Strafverfahren und während einer Haftzeit juristisch, finanziell und sozial zu unterstützen. Der Verfassungsschutz sieht darin außerdem eine stabilisierende Funktion für die linksextremistische Szene.
Auch der Berliner Verfassungsschutz führt die Rote Hilfe im Bereich Linksextremismus.
Allerdings ist eine wichtige Differenzierung notwendig:
Die behördliche Einstufung einer Organisation bedeutet nicht automatisch, dass jedes einzelne Mitglied persönlich als Extremist oder Verfassungsfeind eingestuft werden kann. In der öffentlichen Darstellung des Berliner Verfassungsschutzes wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass nicht sämtliche Mitglieder selbst verfassungsfeindliche Zielsetzungen verfolgen.
Für Eralp selbst ist bislang keine individuelle Einstufung durch den Verfassungsschutz als Extremistin öffentlich belegt.
Was ist Links*Kanax?
Eine weitere politisch relevante Station findet sich im Jahr 2019.
Eralp schreibt auf ihrer eigenen Internetseite, dass sie im Juni 2019 gemeinsam mit weiteren Mitgliedern und Unterstützern der Linken als Erstunterzeichnerin an der Gründung des bundesweiten Netzwerks Links*Kanax beteiligt gewesen sei.
Das Netzwerk wollte nach seinem Gründungsmanifest insbesondere Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte sowie Personen mit Rassismuserfahrungen innerhalb und außerhalb der Linken stärker politisch sichtbar machen.
Im Gründungsmanifest finden sich dabei deutlich gesellschaftskritische Positionen.
Das Netzwerk erklärte unter anderem, Kapitalismus, Rassismus und postkoloniale Machtverhältnisse bekämpfen zu wollen. Als gesellschaftliches Ziel wurde ein „demokratischer Sozialismus“ genannt. Zudem trat das Netzwerk für globale Bewegungsfreiheit ein.
Eralp gehörte zu den ausdrücklich aufgeführten Erstunterzeichnern des Gründungsmanifests.
Forderung nach offenen Grenzen
Auch Forderungen nach offenen Grenzen waren Bestandteil dieses politischen Umfelds.
Links*Kanax vertrat Positionen für eine weitgehende Bewegungsfreiheit von Migranten und Geflüchteten. Die Forderung nach offenen Grenzen war seinerzeit allerdings keineswegs lediglich die Position eines kleinen außerparteilichen Netzwerkes.
Die Linke selbst hatte auf ihrem Bundesparteitag 2018 erklärt, sichere und legale Fluchtwege sowie „offene Grenzen“ anzustreben und Abschiebungen abzulehnen.
Eralps damalige migrationspolitische Positionen müssen daher auch im Kontext der seinerzeitigen Beschlusslage ihrer Partei betrachtet werden.
Der Aufruf von Januar 2020
Politisch besonders kontrovers ist ein Text vom 10. Januar 2020 mit dem Titel:
„Für eine antirassistische und migrantische Klassenpartei“
Der Text ist weiterhin öffentlich zugänglich.
Unter den Unterzeichnern wird ausdrücklich „Elif Eralp, Linke Berlin“ aufgeführt. Ebenfalls genannt wird das Netzwerk Links*Kanax.
Damit ist belegbar, dass Eralps Name unter diesem politischen Aufruf steht.
Was steht tatsächlich in dem Text?
Der Aufruf argumentiert, dass die Linke stärker Menschen mit Migrationsgeschichte organisieren und für eine klassenorientierte Politik gewinnen müsse.
Die Autoren sehen Rassismus, soziale Ungleichheit und wirtschaftliche Machtverhältnisse als miteinander verbunden an.
Zu den im Papier vertretenen Forderungen beziehungsweise politischen Zielsetzungen gehören unter anderem eine stärkere politische Organisierung von Menschen mit Migrationsgeschichte, ein Wahlrecht für Migranten, eine Legalisierung des Aufenthalts von Menschen ohne regulären Aufenthaltsstatus sowie ein erleichterter Zugang zur Einbürgerung.
Besondere Aufmerksamkeit erhält heute der Schlussteil des Textes.
Dort heißt es, Migranten sollten nicht lediglich als Opfer betrachtet werden, sondern als Klassenschwestern und Klassenbrüder, „mit denen wir gemeinsam das kapitalistische System stürzen“.
Diese Formulierung wird anschließend zur politischen „Handlungsmaxime“ erklärt.
Hat Eralp damit persönlich zum „Sturz des kapitalistischen Systems“ aufgerufen?
Hier ist eine genaue Formulierung wichtig.
Belegt ist:
Elif Eralps Name steht unter einem politischen Aufruf, der ausdrücklich die Formulierung enthält, gemeinsam mit Migranten das kapitalistische System „stürzen“ zu wollen.
Nicht ohne Weiteres belegbar ist dagegen die weitergehende Behauptung, Eralp habe diesen konkreten Satz selbst verfasst.
Der Text weist zahlreiche Unterzeichner aus. Aus der veröffentlichten Fassung ergibt sich nicht, welcher einzelne Unterzeichner welchen Satz geschrieben hat.
Die politisch belastbare Aussage lautet daher:
Eralp hat einen Text mitunterzeichnet, der diese Forderung enthält.
Ob sie den Begriff „stürzen“ damals wörtlich als persönliche Forderung verstand, wie sie ihn politisch definierte oder ob sie sich heute davon distanziert, ist eine davon zu trennende Frage.
Bedeutet „kapitalistisches System stürzen“ automatisch einen Aufruf zu Gewalt?
Nein.
Aus der Formulierung allein lässt sich kein Aufruf zu Gewalt ableiten.
Politische Bewegungen verwenden Begriffe wie „Systemwechsel“, „Überwindung des Kapitalismus“ oder „Sturz des Kapitalismus“ sowohl in revolutionären als auch in parlamentarisch-demokratischen Zusammenhängen.
Entscheidend wäre, mit welchen Mitteln dieser gesellschaftliche Wandel erreicht werden soll.
Der dokumentierte Aufruf enthält die zitierte Systemsturz-Formulierung. Daraus allein folgt jedoch nicht der Nachweis, dass Eralp Gewalt oder einen gewaltsamen Umsturz der demokratischen Ordnung befürwortet hätte.
Eine solche Behauptung wäre auf Grundlage der bislang bekannten Belege nicht gerechtfertigt.
„Antirassistische und migrantische Klassenpartei“
Bemerkenswert ist auch das damalige strategische Verständnis der Partei.
Der Aufruf fordert, Migranten gezielter politisch anzusprechen und zu organisieren.
Dabei kritisieren die Autoren eine aus ihrer Sicht zu akademische linke Sprache und bestimmte Szenecodes.
Politische Kommunikation müsse stärker an den Orten stattfinden, an denen Menschen tatsächlich ihren Alltag verbringen.
In diesem Zusammenhang nennt das Papier beispielsweise Shishabars, Teestuben und kleinere Imbisse und plädiert dafür, auch kulturelle Ausdrucksformen migrantischer Jugend stärker in politische Veranstaltungen einzubeziehen.
Das lässt sich einerseits als gezielte politische Mobilisierungsstrategie interpretieren.
Andererseits entspricht die politische Ansprache bestimmter gesellschaftlicher Gruppen grundsätzlich einem üblichen Bestandteil demokratischer Parteiarbeit. Entscheidend für eine Bewertung sind daher Inhalt und Ziel der jeweiligen politischen Forderungen und nicht allein die Tatsache, dass eine bestimmte Bevölkerungsgruppe gezielt angesprochen werden soll.
Forderungen zu Aufenthaltsrecht und Einbürgerung
Der Aufruf von 2020 vertrat auch migrationspolitische Positionen, die deutlich über die damalige deutsche Rechtslage hinausgingen.
Dazu gehörten insbesondere Forderungen nach einer Legalisierung des Aufenthalts von Menschen ohne regulären Aufenthaltsstatus sowie nach einem vereinfachten Zugang zur Einbürgerung.
Solche Forderungen können politisch kontrovers bewertet werden, sind als solche jedoch zunächst politische Forderungen nach einer Änderung geltenden Rechts.
Die Forderung nach einer Änderung eines Gesetzes darf nicht mit einem Aufruf zum Rechtsbruch verwechselt werden.
Kontinuität bei migrationspolitischen Positionen
Eralps Engagement für migrationspolitische Themen ist keine kurzfristige Entwicklung.
Ihre politische Biografie zeigt eine langjährige Beschäftigung mit Migration, Antidiskriminierung und gesellschaftlicher Teilhabe.
Im Berliner Abgeordnetenhaus arbeitete sie unter anderem zu Migration, Partizipation und Antidiskriminierung. Zudem gehörte sie einer Enquete-Kommission an, die sich mit gesellschaftlichem Zusammenhalt, Antisemitismus, Rassismus, Muslimfeindlichkeit und weiteren Formen der Diskriminierung beschäftigte.
Damit besteht zwischen ihren früheren Aktivitäten und einem wesentlichen Teil ihrer späteren parlamentarischen Arbeit eine inhaltliche Kontinuität.
Heutige politische Schwerpunkte
Im Berliner Wahlkampf 2026 stellte Eralp insbesondere die Wohnungspolitik in den Mittelpunkt.
Zu ihren zentralen politischen Forderungen gehört die Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände in Berlin. Außerdem tritt sie für niedrigere beziehungsweise stärker regulierte Mieten und einen Ausbau sozial orientierter Angebote ein.
Auf ihrer eigenen Internetseite formuliert sie ihr politisches Ziel aktuell vor allem damit, Berlin sozialer und bezahlbarer machen zu wollen.
Nach dem Wahlerfolg der Linken bei der Abgeordnetenhauswahl vom 20. September 2026 erklärte Eralp ihren Anspruch auf das Amt der Regierenden Bürgermeisterin.
Was hat sich gegenüber früher verändert?
Hier liegt derzeit eine der zentralen offenen Fragen.
Bei der Roten Hilfe ist eine Veränderung dokumentiert: Eralp beendete ihre Mitgliedschaft 2025.
Der Landesverband begründet den Austritt mit „teilweise anderen politischen Ansichten“. Welche konkreten Positionen der Organisation Eralp ablehnte und wann diese Differenzen entstanden, wurde bislang öffentlich nicht detailliert erläutert.
Beim politischen Aufruf von 2020 ist bislang ebenfalls nicht umfassend dokumentiert, wie Eralp heute zu der damaligen Formulierung vom „Sturz des kapitalistischen Systems“ steht.
Für eine aktuelle politische Bewertung wäre genau diese Frage relevant:
Vertritt sie den damaligen Aufruf heute weiterhin vollständig, teilweise oder nicht mehr?
Ohne eine aktuelle, eindeutige Stellungnahme sollte eine Antwort darauf nicht unterstellt werden.
Die politische Kontroverse
Eralps frühere Mitgliedschaft in der Roten Hilfe und die nun wieder öffentlich diskutierten Texte aus den Jahren 2019 und 2020 werden von politischen Gegnern als Beleg für eine besonders weit links stehende beziehungsweise radikale politische Vergangenheit interpretiert.
Vertreter der Linken weisen dagegen darauf hin, dass Eralps Mitgliedschaft in der Roten Hilfe transparent angegeben worden sei, sie dort keine aktive Funktion ausgeübt habe und bereits 2025 wegen politischer Differenzen ausgetreten sei.
Diese beiden Ebenen sollten journalistisch auseinandergehalten werden:
Die früheren Mitgliedschaften, Unterschriften und politischen Forderungen lassen sich dokumentieren.
Die Schlussfolgerung, wie Eralps heutige politische Haltung insgesamt zu bewerten ist, ist dagegen eine politische Bewertung.
Was ist zweifelsfrei belegt?
Gesichert ist, dass Elif Eralp Volljuristin und seit 2021 Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses ist.
Gesichert ist, dass sie mehrere Jahre Mitglied der Roten Hilfe war und diese Mitgliedschaft 2025 beendete.
Gesichert ist ebenfalls, dass der Verfassungsschutz die Rote Hilfe dem linksextremistischen Spektrum zurechnet.
Ebenso gesichert ist, dass die Einstufung der Organisation nicht automatisch bedeutet, dass jedes einzelne Mitglied persönlich verfassungsfeindliche Ziele verfolgt.
Belegt ist weiterhin, dass Eralp 2019 zu den Erstunterzeichnern und Mitgründern des Netzwerks Links*Kanax gehörte.
Das Netzwerk vertrat unter anderem Positionen für demokratischen Sozialismus, globale Bewegungsfreiheit und eine Überwindung kapitalistischer gesellschaftlicher Strukturen.
Schließlich ist belegt, dass Eralp 2020 zu den Unterzeichnern des Aufrufs „Für eine antirassistische und migrantische Klassenpartei“ gehörte.
Dieser Text enthält ausdrücklich die Forderung, gemeinsam mit Migranten „das kapitalistische System“ zu „stürzen“.
Was ist dagegen nicht belegt?
Nicht belegt ist, dass Eralp Autorin der konkreten Systemsturz-Formulierung war.
Nicht belegt ist allein aufgrund dieser Unterschrift, dass mit „Sturz“ ein gewaltsamer Umsturz gemeint war.
Nicht belegt ist eine individuelle Einstufung Elif Eralps als Extremistin durch den Verfassungsschutz.
Ebenso lässt sich aus einer früheren Mitgliedschaft in einer vom Verfassungsschutz beobachteten Organisation nicht automatisch ableiten, dass Eralp sämtliche Auffassungen dieser Organisation geteilt hat.
Und schließlich sollte nicht ohne eine aktuelle Erklärung Eralps behauptet werden, dass sämtliche Positionen aus den Manifesten von 2019 und 2020 unverändert ihre heutigen persönlichen Auffassungen darstellen.
Chronologie
2001 bis 2007: Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Hamburg.
2009: Zweites juristisches Staatsexamen.
Seit 2010: Tätigkeit als rechtspolitische Referentin für die Bundestagsfraktion der Linken.
Während beziehungsweise seit der Studienzeit: Eintritt in die Rote Hilfe; das genaue Eintrittsjahr geht aus den aktuell ausgewerteten öffentlichen Angaben nicht eindeutig hervor.
2018: Wahl in den Landesvorstand der Berliner Linken.
Juni 2019: Eralp gehört zu den Erstunterzeichnern und Mitgründern von Links*Kanax.
Januar 2020: Ihr Name steht unter dem Aufruf „Für eine antirassistische und migrantische Klassenpartei“, der die Formulierung enthält, gemeinsam das kapitalistische System zu „stürzen“.
November 2021: Einzug in das Berliner Abgeordnetenhaus.
2025: Austritt aus der Roten Hilfe nach Angaben der Linken wegen teilweise unterschiedlicher politischer Auffassungen.
September 2025: Nominierung zur Spitzenkandidatin der Berliner Linken für die Abgeordnetenhauswahl 2026.
20. September 2026: Die Linke wird bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl stärkste Kraft; Eralp erhebt Anspruch auf das Amt der Regierenden Bürgermeisterin.
Ende September/Anfang Oktober 2026: Die frühere Mitgliedschaft in der Roten Hilfe sowie ihre Beteiligung an politischen Manifesten aus den Jahren 2019 und 2020 werden erneut Gegenstand einer breiten öffentlichen Debatte.
Fazit
Die derzeit bekannten Dokumente zeichnen das Bild einer Politikerin, die bereits lange vor ihrem Einzug ins Berliner Abgeordnetenhaus dem linken Bewegungs- und Parteimilieu angehörte und dort teilweise weitreichende gesellschaftspolitische Veränderungen unterstützte.
Zu dieser politischen Biografie gehören nachweislich eine frühere Mitgliedschaft in der Roten Hilfe, die Mitgründung von Links*Kanax und die Unterzeichnung eines Aufrufs, in dem ausdrücklich vom gemeinsamen „Sturz“ des kapitalistischen Systems gesprochen wird.
Ebenso wichtig ist aber die andere Seite der Faktenlage:
Die Rote Hilfe wird zwar vom Verfassungsschutz als linksextremistisch eingestuft, Elif Eralp selbst ist nach öffentlich bekannten Informationen nicht individuell als Extremistin eingestuft. Ihr Austritt aus der Organisation erfolgte 2025. Zudem belegt die Mitunterzeichnung des Textes von 2020 nicht, dass Eralp dessen konkrete Formulierungen selbst verfasst hat oder damit einen gewaltsamen Umsturz befürwortete.
Für die gegenwärtige politische Beurteilung dürfte deshalb insbesondere eine Frage relevant bleiben: Welche dieser damaligen Positionen vertritt Elif Eralp heute noch – und von welchen hat sie sich inhaltlich entfernt?
Eine belastbare Antwort darauf kann letztlich nur anhand ihrer aktuellen Äußerungen und politischen Handlungen gegeben werden.
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