Kaum hatte Donald Trump großspurig seine angebliche Zwei-Wochen-Waffenruhe mit dem Iran verkündet, durfte die Welt auch schon wieder das tun, was sie in dieser Krise am besten kann: verwirrt auf die Straße von Hormus starren. Denn nur einen Tag nach dem gefeierten „Durchbruch“ meldeten iranische Medien, dass die Meerenge schon wieder dicht sei. Das Weiße Haus dementierte prompt. Also wie immer in dieser geopolitischen Dauerfarce: Niemand weiß genau, was stimmt – aber an der Tankstelle wird’s trotzdem teurer.
In den USA liegt der Spritpreis inzwischen wieder über vier Dollar pro Gallone, und selbst wenn die Meerenge theoretisch offen bleibt, heißt das noch lange nicht, dass die Preise sinken. Warum? Weil sich Öl- und Lieferketten nicht mit einer Trump-Pressekonferenz reparieren lassen. Tanker stauen sich, Lieferungen hängen fest, Lagerbestände sind angeschlagen, und die Märkte reagieren mittlerweile auf jede neue Schlagzeile aus dem Nahen Osten wie ein Koffeinjunkie auf einen Stromausfall.
Die Straße von Hormus ist dabei nicht irgendein Seeweg, sondern der globale Nervenstrang des Ölmarkts. Rund 20 Prozent des weltweiten Öls laufen durch diese Meerenge. Wenn dort dicht ist, wird es überall ungemütlich – in Asien, in Europa, in den USA. Und genau deshalb war die wochenlange Blockade laut Internationaler Energieagentur nichts Geringeres als die größte Angebotsstörung in der Geschichte des globalen Ölmarkts. Ein Satz, bei dem man kurz innehält – und dann feststellt, dass Washington und Jerusalem trotzdem so tun, als wäre das alles nur ein kleiner Betriebsunfall.
Denn auch wenn die Waffenruhe auf dem Papier existiert: In der Realität trauen sich viele Reedereien offenbar weiterhin kaum durch die Meerenge. Vor dem Krieg waren dort etwa 130 Schiffe pro Tag unterwegs. Nach der angeblichen Entspannung? Teilweise gerade mal drei Tanker. Das ist ungefähr so, als würde ein Flughafen nach einem „Neustart“ stolz verkünden, dass heute immerhin ein Ryanair-Flug gestartet ist.
Gleichzeitig sitzen laut Schiffs-Tracking-Diensten hunderte Tanker im Persischen Golf fest und warten darauf, endlich rauszukommen. Über Schiffe redet dabei jeder – über die Menschen auf diesen Schiffen natürlich deutlich weniger. Aber an den Börsen interessiert man sich eben traditionell mehr für Barrel als für Besatzungen.
Und selbst wenn die Route wieder halbwegs freigegeben wird, bleibt das Problem bestehen: Ein Lieferstau ist kein Lichtschalter. Wenn wochenlang kaum Öl rauskommt, dann fehlen Fracht, Raffineriekapazitäten und Puffer. Die Schiffe müssen erst fahren, die Ware muss ankommen, die Lager müssen wieder gefüllt werden. Das dauert. Märkte beruhigen sich nicht, nur weil Karoline Leavitt ein Mikrofon findet und behauptet, alles sei offen.
Hinzu kommt: Die Region ist infrastrukturell längst beschädigt. Luftangriffe haben Raffinerien, Energieanlagen und Häfen in Iran und anderen Golfstaaten getroffen. Drohnenattacken behindern den Betrieb in Saudi-Arabien, den Emiraten, Oman und anderswo. Heißt: Selbst wenn die Meerenge formal offen ist, ist das ganze System rundherum weiter angeschlagen. Es ist ein bisschen so, als würde man sagen: „Die Autobahn ist frei“, während links und rechts noch die Brücken brennen.
Für die Verbraucher heißt das vor allem eines:
Wer auf sinkende Benzinpreise hofft, braucht entweder viel Geduld oder eine sehr lebhafte Fantasie.
Denn Trumps angeblicher Friedensdeal liefert aktuell vor allem eines: Unsicherheit mit PR-Schleife. Erst Drohungen, dann Bomben, dann Waffenruhe, dann neue Zweifel, dann widersprüchliche Meldungen über Hormus – und am Ende darf die Bevölkerung wieder lernen, dass geopolitische Machtdemonstrationen erstaunlich oft an der Zapfsäule enden.
Oder einfacher gesagt:
Trump verkauft Chaos als Diplomatie, Hormus bleibt ein Pulverfass, und der einzige stabile Trend ist der Benzinpreis – nach oben.
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