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Artemis II ist zurück – und jetzt fängt der Wahnsinn erst richtig an

WikiImages (CC0), Pixabay
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Die vier Astronautinnen und Astronauten von Artemis II sind zwar gerade erst wieder heil auf der Erde gelandet, aber bei der NASA denkt natürlich schon längst niemand mehr an Feierabend. Kaum ist die Kapsel im Pazifik geplatscht, läuft im Hintergrund schon das nächste Kapitel der großen Mond-Soap an. Denn eines ist nach dieser Mission klar: Artemis II war nicht das Finale – sondern eher der Trailer.

Mehr als eine Woche lang hat die Mission Menschen auf der ganzen Welt fasziniert. Vier Menschen fliegen weiter von der Erde weg als je zuvor, umrunden den Mond, sehen die Rückseite unseres Trabanten mit eigenen Augen und schreiben nebenbei auch noch Geschichte: Christina Koch als erste Frau in Mondnähe, Victor Glover als erster Schwarzer Astronaut dort draußen und Jeremy Hansen als erster Kanadier in diesem Club. Ganz nebenbei zeigt die NASA damit wieder, dass Raumfahrt eben nicht nur Technik ist, sondern auch Symbolik, Fortschritt und verdammt gutes Kino.

Und jetzt?
Jetzt wird’s erst ernst.

Denn Artemis II war letztlich „nur“ die bemannte Generalprobe: hin zum Mond, drum herum, wieder zurück. Keine Landung, kein Mondspaziergang, kein Fähnchen im Staub. Aber genau das soll jetzt Schritt für Schritt kommen – vorausgesetzt, bei der NASA, bei SpaceX, bei Blue Origin und in der Realität hält sich diesmal irgendwer auch nur halbwegs an einen Zeitplan. Was bekanntlich in der Raumfahrt ungefähr so verlässlich ist wie ein Wetterbericht für 2032.

Schon 2026 sollen mehrere unbemannte Mondlandungen folgen. Mindestens vier weitere Roboter-Missionen sind geplant. Firmen wie Astrobotic, Blue Origin, Firefly Aerospace und Intuitive Machines sollen Technik, Fracht und wissenschaftliche Instrumente zum Mond bringen. Heißt auf gut Deutsch: Erst schickt man Maschinen vor, bevor man wieder Menschen losschickt. Vernünftige Idee. Man muss ja nicht gleich wieder mit maximalem Risiko anfangen, nur weil Elon Musk irgendwo im Hintergrund „Starship schafft das schon“ murmelt.

2027 soll dann Artemis III starten – zumindest nach aktuellem Stand. Und hier wird’s spannend: Diese Mission ist als große Testfahrt gedacht, bei der Astronauten mit Orion ins All fliegen, sich dort mit einem kommerziellen Mondlander treffen und verschiedene Systeme ausprobieren. Darunter auch die neuen Raumanzüge von Axiom Space, die irgendwann tatsächlich auf dem Mond getragen werden sollen. Das ist im Grunde der letzte große Probelauf, bevor es ernst wird.

Und dann kommt das Jahr, auf das alle schielen: 2028.

Wenn alles nach Plan läuft – und das ist in der Raumfahrt immer ein gewagter Satz – sollen dann erstmals seit Apollo 17 im Jahr 1972 wieder Menschen den Mond betreten. Mehr als ein halbes Jahrhundert später. Und diesmal geht es nicht nur um ein paar symbolische Fußspuren und einen patriotischen Fototermin. Die NASA will an den Südpol des Mondes, also in eine Region, die deutlich extremer, unbekannter und wissenschaftlich viel spannender ist als die alten Apollo-Landeplätze.

Dort vermutet man Wassereis in dauerhaft verschatteten Gebieten. Und das ist der eigentliche Schatz. Denn Wasser auf dem Mond ist nicht nur Wasser. Es ist Trinkwasser, Sauerstoff, Treibstoff – kurz: die Grundlage für dauerhaftes Überleben und für alles, was danach kommen soll. Wer also einen echten Außenposten im All aufbauen will, braucht genau das.

Und genau deshalb ist das langfristige Ziel der NASA viel größer als nur eine weitere Mondlandung:
Es geht um eine Mondbasis.

Ja, richtig gelesen. Keine kurze Showeinlage, sondern eine Art dauerhaftes Außenlager auf dem Mond, in dem Astronauten arbeiten, forschen und länger bleiben können. Kostenpunkt? Rund 20 Milliarden Dollar. Also ungefähr das, was in Washington an einem durchschnittlichen Dienstag für Unsinn verbrannt wird – diesmal aber immerhin für etwas Spektakuläres.

NASA-Chef Jared Isaacman träumt bereits davon, nach Artemis V bis zu zwei bemannte Mondlandungen pro Jahr zu schaffen. Klingt ambitioniert, fast größenwahnsinnig – aber genau so muss Raumfahrt ja eigentlich klingen. Wenn man schon wieder zum Mond fliegt, dann bitte nicht als nostalgische Wiederholung von Apollo, sondern als Startpunkt für etwas Größeres.

Und dieses Größere heißt natürlich:
Mars.

Denn der Mond ist für die NASA längst nicht mehr nur Ziel, sondern Trainingsgelände. Eine Zwischenstation. Eine Testumgebung. Ein kosmischer Parkplatz, auf dem man lernt, wie man Menschen länger außerhalb der Erde versorgt, Infrastruktur aufbaut und mit extremer Isolation klarkommt. Wer das auf dem Mond beherrscht, hat wenigstens eine Chance, irgendwann Menschen zum Mars zu schicken.

Schon Ende 2028 soll deshalb eine neue Mars-Mission starten, diesmal mit einem nuklear betriebenen Raumfahrzeug. Klingt nach Science-Fiction, ist aber ernst gemeint. Diese Mission soll unter anderem Technologien testen, die später für eine bemannte Mars-Expedition entscheidend sein könnten. Auf dem Mars sind Solarpanels nämlich nett – bis der nächste Staubsturm kommt und die Sonne wochenlang ausknipst.

Die Mission soll 2030 ankommen und dann Helikopter losschicken, die mögliche Landeplätze auskundschaften und nach unterirdischem Wasser suchen. Also genau das, was man braucht, bevor man irgendwann tatsächlich Menschen hinschickt.

Kurz gesagt:
Artemis II war der emotionale Beweis, dass die NASA wieder bemannt zum Mond kann.
Jetzt kommt die schwierige Phase: Roboter landen lassen, Technik zum Laufen bringen, Mondlander fertig entwickeln, SpaceX und Blue Origin irgendwie unter einen halbwegs funktionierenden Zeitplan zwingen, Menschen wieder runterbringen – und dann nicht nur kurz winken, sondern bleiben.

Es ist also alles angerichtet für die nächste große Ära der Raumfahrt.
Oder, um es weniger feierlich zu sagen:

Die NASA ist zurück im Mondgeschäft – und diesmal will sie nicht nur kurz Hallo sagen, sondern gleich einziehen.

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