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Vier VW-Werke vor dem Aus? Wenn sich das bestätigt, wird der Herbst in Deutschland ziemlich heiß

Leonhard_Niederwimmer (CC0), Pixabay
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Es gibt Nachrichten, bei denen man kurz denkt:

Das kann doch jetzt nicht wirklich wahr sein.

Und dann liest man weiter.

Nach einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ soll der Volkswagen-Vorstand offenbar einstimmig beschlossen haben, vier deutsche Standorte langfristig auslaufen zu lassen.

Betroffen wären demnach:

  • Emden ab 2031,
  • Zwickau ab 2031,
  • VW Nutzfahrzeuge in Hannover ab 2032,
  • Audi Neckarsulm ab 2034.

Volkswagen selbst bestätigt diese Darstellung bislang ausdrücklich nicht und verweist darauf, interne Unterlagen nicht kommentieren zu wollen.

Das ist wichtig.

Aber genauso wichtig ist:

Sollten sich diese Berichte bestätigen, dann dürfte Deutschland einen Herbst erleben, bei dem die Zentralheizung wahrscheinlich ausgeschaltet bleiben kann.

Erst durch die Werke reisen – dann möglicherweise den Stecker ziehen

Eine Woche lang waren VW-Manager durch deutsche Werke unterwegs, hielten Betriebsversammlungen ab und erklärten den Beschäftigten die Sparpläne.

Konkrete Aussagen zu möglichen Werksschließungen?

Eher übersichtlich.

Und nun soll es plötzlich intern einen Beschluss geben, wonach vier Standorte keine langfristige Zukunft mehr haben könnten.

Das wäre ungefähr so, als würde der Kapitän auf einem Kreuzfahrtschiff erst erklären:

„Wir prüfen derzeit verschiedene Routen.“

Und am nächsten Morgen hängt am Schwarzen Brett:

„Schiff wird 2031 außer Dienst gestellt. Schönen Urlaub noch.“

Kommunikation kann man so machen.

Man sollte sich dann allerdings nicht wundern, wenn die Stimmung an Bord leicht gereizt wird.

„Keine wirtschaftliche Nachbelegung“

VW-Finanzvorstand Arno Antlitz erklärte in Hannover, dass es aufgrund großer Kostenunterschiede zu anderen europäischen Werken für vier deutsche Standorte aus heutiger Sicht keine wirtschaftliche Nachbelegung gebe, sobald die aktuellen Modelle Anfang der 2030er-Jahre auslaufen.

Ein wunderschöner Begriff:

„keine wirtschaftliche Nachbelegung“

Das klingt deutlich freundlicher als:

„Hier bauen wir irgendwann keine Autos mehr.“

Deutsche Unternehmenssprache ist einfach faszinierend.

Ein Werk wird nicht geschlossen.

Es bekommt nur keine „Nachbelegung“.

Ein Arbeitsplatz verschwindet nicht.

Er wird vermutlich „strukturell angepasst“.

Und wenn am Ende keiner mehr durch das Werkstor läuft, sprechen wir wahrscheinlich von einer „personell optimierten Standorttransformation“.

Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm – das sind keine kleinen Außenstellen

Falls die Pläne tatsächlich so umgesetzt werden sollten, reden wir nicht über vier Lagerhallen irgendwo hinter einem Gewerbegebiet.

Wir reden über Traditionsstandorte.

Über Tausende Arbeitsplätze.

Über Zulieferer.

Über Handwerker.

Über Gastronomie.

Über Einzelhandel.

Über ganze Regionen, deren wirtschaftliche Entwicklung eng mit diesen Werken verbunden ist.

Denn ein Automobilwerk beschäftigt nicht nur die Menschen, die unmittelbar am Band stehen.

An einem solchen Standort hängen unzählige weitere Unternehmen und Existenzen.

Wenn Volkswagen dort irgendwann tatsächlich die Produktion beendet, verschwindet deshalb nicht einfach nur eine Fabrik.

Dann verändert sich möglicherweise die wirtschaftliche Struktur ganzer Städte.

Die IG Metall hat schon einmal die Temperatur angesagt

Die Arbeitnehmerseite reagiert entsprechend entspannt.

Also ungefähr so entspannt wie ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch.

IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger kündigte bereits an, der „Werkboden an allen Standorten“ werde brennen, wenn der Vorstand bestehende Vereinbarungen infrage stelle.

Man sollte diese Formulierung natürlich bildlich verstehen.

Aber sollte VW tatsächlich vier deutsche Werke auf die Auslaufliste setzen, dürfte eines ziemlich sicher sein:

Der politische und gewerkschaftliche Herbst wird heiß.

Sehr heiß.

Betriebsversammlungen.

Demonstrationen.

Warnstreiks.

Tarifkonflikte.

Politischer Druck.

Landesregierungen, die plötzlich sehr genau wissen wollen, was in Wolfsburg geplant wird.

Und vermutlich zahlreiche Politiker, die innerhalb kürzester Zeit entdecken werden, dass sie schon immer große Freunde des jeweiligen VW-Standorts gewesen sind.

Freitag kommt der Aufsichtsrat – und vermutlich reichlich Kaffee

Am Freitag soll sich der VW-Aufsichtsrat mit den Sparplänen beschäftigen.

Konzernchef Oliver Blume soll dort laut Bericht ein entsprechendes Papier vorlegen.

Spannend ist dabei:

Im Juli hatte Blume für seine Pläne offenbar noch keine Mehrheit im Aufsichtsrat.

Nun soll der Vorstand möglicherweise trotzdem einen Weg sehen, Werke durch das Auslaufen bestehender Modelle langfristig leer laufen zu lassen.

Falls das tatsächlich der Plan ist, dürfte die Sitzung am Freitag etwas lebhafter werden.

Wahrscheinlich sollte man vorsichtshalber ausreichend Kaffee bereitstellen.

Und vielleicht einen Feuerlöscher.

Nur metaphorisch natürlich.

Deutschland wollte Industrieland bleiben – oder?

Der Fall VW führt allerdings zu einer deutlich größeren Frage.

Deutschland diskutiert seit Jahren über hohe Energiekosten, Bürokratie, Fachkräftemangel, Steuern, Lohnnebenkosten und internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Politiker erklären regelmäßig:

„Wir müssen den Industriestandort stärken.“

Das klingt hervorragend.

Nur sollte irgendwann auch noch Industrie übrig sein, die man stärken kann.

Wenn einer der größten deutschen Industriekonzerne zu dem Schluss kommen sollte, dass gleich vier heimische Werke langfristig wirtschaftlich keine Perspektive mehr haben, wäre das kein kleines VW-internes Problem.

Das wäre ein Warnsignal für den gesamten Standort.

Natürlich liegen die möglichen Schließungen noch Jahre entfernt

Man kann zu Recht einwenden:

2031, 2032 und 2034 sind noch einige Jahre entfernt.

Bis dahin kann viel passieren.

Neue Modelle könnten entwickelt werden.

Produktionsentscheidungen können verändert werden.

Politische Rahmenbedingungen können sich verbessern.

Technologien können neue Chancen schaffen.

Genau deshalb sollte man zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht so tun, als seien die Werkstore bereits zugeschweißt.

Aber wenn ein Vorstand tatsächlich bereits heute darüber nachdenkt, mehrere deutsche Werke langfristig nicht mehr mit neuen Modellen zu versorgen, ist allein das schon bemerkenswert.

Denn Zukunftsentscheidungen in der Autoindustrie fallen Jahre im Voraus.

Und irgendwann steht die Politik überrascht vor dem Werkstor

Das kennen wir inzwischen.

Jahrelang wird über Standortprobleme gesprochen.

Unternehmen warnen.

Verbände warnen.

Gewerkschaften warnen.

Dann kommt irgendwann die konkrete Entscheidung.

Und anschließend stehen Politiker vor Kameras und erklären:

„Das hat uns völlig überrascht.“

Vielleicht wäre es diesmal sinnvoller, sich überraschen zu lassen, bevor die Entscheidung endgültig gefallen ist.

Fazit: Wenn das stimmt, wird der Herbst heiß

Noch sind die berichteten Pläne nicht offiziell bestätigt.

Volkswagen äußert sich nicht zu den angeblichen internen Unterlagen.

Deshalb gilt:

Abwarten, was Aufsichtsrat und Konzern tatsächlich beschließen.

Aber sollte sich bestätigen, dass Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm langfristig tatsächlich ohne neue Produktion dastehen sollen, dann dürfte klar sein:

Deutschland bekommt einen heißen Herbst.

Nicht meteorologisch.

Sondern wirtschaftlich, politisch und gewerkschaftlich.

Denn bei vier möglichen Werksschließungen geht es irgendwann nicht mehr nur um Volkswagen.

Dann geht es um eine viel grundsätzlichere Frage:

Wie viele Industriewerke müssen eigentlich noch zur Disposition stehen, bevor Deutschland ernsthaft darüber diskutiert, warum Produktion hierzulande offenbar immer schwieriger wird?

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