Die US-Regierung hat große Teile eines temporären Lagers für Migranten auf dem Gelände der Militärbasis Guantanamo Bay entfernt, wie aktuelle Satellitenbilder zeigen, die von BBC Verify ausgewertet wurden. Das Zeltlager war Anfang des Jahres auf Anweisung von Präsident Donald Trump errichtet worden und sollte ursprünglich Platz für bis zu 30.000 Menschen bieten.
Teure Maßnahme mit begrenztem Nutzen
Obwohl die US-Regierung rund 38 Millionen US-Dollar allein im Januar für Bau, Betrieb und Abschiebungen in Verbindung mit dem Lager ausgegeben hat, wurden nach BBC-Angaben bislang lediglich etwa 400 Migranten dort untergebracht. Die Mehrheit wurde inzwischen wieder in die USA zurückgebracht oder in andere Länder abgeschoben – darunter 177 Personen nach Venezuela, über Honduras.
Aktuelle Satellitenaufnahmen zeigen, dass bis zum 16. April rund zwei Drittel der etwa 260 errichteten Zelte wieder abgebaut wurden. Bereits am 10. April war ein erheblicher Rückgang der Zeltanzahl erkennbar.
Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums erklärte gegenüber Medien, der Abbau sei Teil einer „strategischen Ressourcenanpassung“ – es handle sich nicht um eine Abkehr von der Politik.
Symbolische Wirkung und politische Kontroverse
Präsident Trump hatte zu Beginn seiner zweiten Amtszeit angekündigt, besonders gefährliche und kriminalitätsbelastete Migranten nach Guantanamo zu bringen – als Alternative zur Inhaftierung in den USA. „Manche sind so gefährlich, dass wir nicht einmal den Herkunftsländern trauen, sie zu behalten. Also bringen wir sie nach Guantanamo – da kommt man nicht so leicht raus“, sagte Trump im Januar.
Doch die Realität sieht anders aus: Laut Schätzungen basierend auf Militärstandards hätte das errichtete Lager maximal 3.000 Personen aufnehmen können – weit entfernt von den 30.000 angekündigten Plätzen.
Kritik aus dem US-Kongress
Ein Besuch von fünf demokratischen Senatoren Ende März brachte zusätzliche politische Kritik: In einem gemeinsamen Statement sprachen sie von einem „Verschwendungsskandal“ und einer Maßnahme, die darauf angelegt sei, „rechtsstaatliche Verfahren zu unterlaufen und gerichtlicher Kontrolle zu entgehen“.
Die Demokraten warfen der Regierung Trump vor, militärische Ressourcen zu missbrauchen und den Steuerzahlern unnötige Kosten in mehrstelliger Millionenhöhe pro Monat aufzubürden.
Unklare Zukunft des Projekts
Ob der Rückbau des Lagers eine Abkehr von Trumps ursprünglichem Plan bedeutet, ist unklar. Das Weiße Haus reagierte bisher nicht auf Anfragen zu den aktuellen Entwicklungen. Der stellvertretende Stabschef Stephen Miller versicherte zuletzt im US-Fernsehen, dass das Lager „weiterhin offen“ sei und sich dort noch immer eine „große Zahl gefährlicher ausländischer Terroristen“ befinde.
Die tatsächliche Anzahl verbleibender Insassen ist jedoch unbekannt – und die symbolische Wirkung der Maßnahme scheint durch den großflächigen Rückbau erheblich geschwächt.
Fazit: Der Rückbau des Migrantenlagers auf Guantanamo Bay wirft Fragen zur Umsetzung und Effizienz der Migrationspolitik unter Präsident Trump auf. Die massive Investition scheint bislang weder das angekündigte Ziel erreicht noch politischen Rückhalt im Kongress gefunden zu haben.
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