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UniCredit bei 39 Prozent – Herr Orcel, wo sollen die restlichen 12 Prozent eigentlich noch herkommen?

PIRO4D (CC0), Pixabay
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Eine satirische Betrachtung der vermutlich teuersten Sammelaktion Europas

Andrea Orcel dürfte dieser Tage mit einem breiten Grinsen durch Mailand laufen.

Der UniCredit-Chef hat bei seinem Angriff auf die Commerzbank schneller Erfolge erzielt als viele Beobachter erwartet hatten.

Mehr als 39 Prozent der Anteile sind bereits eingesammelt.

Weitere Aktien könnten die Italiener relativ problemlos auf rund 42,5 Prozent bringen.

Eigentlich wollte Orcel nur über die 30-Prozent-Schwelle springen.

So jedenfalls lautete der ursprüngliche Plan.

Und jeder weiß natürlich, dass Investmentbanker grundsätzlich immer exakt das meinen, was sie öffentlich sagen.

Die feindliche Übernahme, die keine sein soll

In Frankfurt sieht man die Sache naturgemäß etwas anders.

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp verteidigt ihre Bank weiterhin wie eine Löwin ihre Jungen.

Sie spricht von Gesprächen.

Von Bedingungen.

Von einer angemessenen Prämie.

Von der Zukunft des Geschäftsmodells.

Übersetzt heißt das ungefähr:

„Andrea, wir wissen, was du vorhast. Und wir finden es nicht lustig.“

Orcel sammelt Aktien wie andere Panini-Bilder

39 Prozent.

42,5 Prozent.

Beeindruckende Zahlen.

Doch jetzt kommt die entscheidende Frage:

Wo sollen die restlichen 12 Prozent eigentlich noch herkommen?

Denn zwischen 42,5 Prozent und einer echten Mehrheit liegen immer noch einige Millionen Aktien und vor allem einige Aktionäre, die sich bislang nicht besonders begeistert zeigen.

Vielleicht hofft Orcel auf ein Wunder.

Vielleicht auf Überzeugungsarbeit.

Vielleicht auf einen Sommerschlussverkauf an der Börse.

Oder vielleicht klingelt er demnächst persönlich bei jedem verbliebenen Aktionär.

„Buongiorno, ich hätte da ein Angebot, das Sie nicht ablehnen können.“

Die Mathematik des Übernahmefiebers

Besonders interessant wird die Rechnung deshalb, weil eine feindliche Übernahme in der Theorie oft einfacher aussieht als in der Praxis.

Auf dem Papier kauft man Aktien.

In der Realität kauft man Menschen.

Mitarbeiter.

Kunden.

Firmenkunden.

Mittelständler.

Vertrauen.

Und genau dort beginnt das Problem.

Denn wenn die Mitarbeiter gehen und die Kunden gleich mit, bleibt von der schönsten Bilanz irgendwann nur noch eine sehr teure Briefmarkensammlung übrig.

Der deutsche Mittelstand schaut nervös zu

Die Commerzbank ist nicht irgendeine Bank.

Sie ist für viele Mittelständler Hausbank, Finanzierungspartner und Krisenbegleiter.

Wenn dort plötzlich Begriffe wie „Synergien“, „Effizienzprogramme“ und „Kostenoptimierung“ auftauchen, greifen viele Beschäftigte automatisch zum Taschenrechner.

Denn im Bankendeutsch bedeutet Effizienz häufig:

„Wir haben festgestellt, dass drei Mitarbeiter dieselbe Arbeit machen könnten wie fünf.“

Und Synergien bedeuten oft:

„Zwei Standorte sind einer zu viel.“

Die EZB sitzt mit Popcorn in der ersten Reihe

Währenddessen dürfte man in Frankfurt bei der Europäischen Zentralbank aufmerksam beobachten, was Orcel da veranstaltet.

Denn ab einem gewissen Einfluss stellt sich die Frage:

Kontrolliert UniCredit die Commerzbank faktisch vielleicht schon heute?

Falls die Antwort irgendwann „Ja“ lautet, könnte die EZB zusätzliche Kapitalanforderungen verlangen.

Mit anderen Worten:

Je erfolgreicher Orcel wird, desto teurer könnte sein Erfolg werden.

Eine Art europäische Version von:

„Herzlichen Glückwunsch zum Hauskauf. Hier ist übrigens die Rechnung für das Dach.“

Das große Finale

Aktuell steht Orcel also bei knapp über 39 Prozent.

42,5 Prozent erscheinen erreichbar.

Doch die spannende Frage bleibt:

Wo kommen die restlichen 12 Prozent her?

Von institutionellen Investoren?

Vom Bund?

Von bisher standhaften Aktionären?

Oder aus einer geheimen Reservebank für Übernahmefantasien?

Bis dahin erinnert die ganze Geschichte ein wenig an einen Marathonläufer, der nach 39 Kilometern triumphierend die Arme hochreißt.

Beeindruckend.

Aber die Ziellinie ist eben noch nicht erreicht.

Und manchmal sind die letzten zwölf Prozent die längsten zwölf Prozent der Welt.

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