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Tun wir mal so als wären 90-/100

Daniel_B_photos (CC0), Pixabay
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Die Justiz hat gesprochen: Eine Milka-Tafel mit 90 Gramm Inhalt darf offenbar nicht einfach so tun, als wären es noch 100. Das Landgericht Bremen entschied nun, dass Mondelez mit seiner neuen „fast gleich großen, aber überraschend leichteren“ Schokolade gegen das Wettbewerbsrecht verstößt.

Der Konzern hatte bei zahlreichen Sorten kurzerhand zehn Gramm verschwinden lassen – vermutlich verdampft irgendwo zwischen Kakaopreis, Inflation und Marketingabteilung. Die Verpackung blieb dabei nahezu unverändert. Ein Millimeter dünner, ansonsten alles wie gewohnt: lila Kuh, Alpenidylle, vertrautes Format. Nur eben mit etwas weniger Schokolade und dem gleichen Gefühl im Geldbeutel.

Das Gericht zeigte sich wenig begeistert von dieser kreativen Interpretation physikalischer Realität. Schon während der Verhandlung sprach der Vorsitzende Richter von einer „relativen Mogelpackung“. Übersetzung: Die Tafel sieht aus wie früher, fühlt sich an wie früher, kostet fast wie früher – ist aber eben nicht mehr wie früher.

Die Verbraucherzentrale Hamburg hatte geklagt und argumentiert, Kunden könnten den Unterschied praktisch nicht erkennen. Überraschenderweise achten Menschen beim Schokoladenkauf offenbar nicht zuerst auf das Kleingedruckte unten links, sondern auf Größe, Verpackung und jahrzehntelang antrainierte Gewohnheiten.

Mondelez verteidigte sich erwartungsgemäß damit, dass das Gewicht selbstverständlich klar aufgedruckt sei – sogar auf Vorder- und Rückseite. Wer also beim Griff ins Süßigkeitenregal nicht gleichzeitig eine mikroökonomische Inhaltsanalyse durchführt, ist möglicherweise einfach nicht aufmerksam genug.

Das Urteil bedeutet: Die 90-Gramm-Tafeln dürfen in dieser Form nicht verkauft werden, wenn kurz zuvor noch die klassische 100-Gramm-Version im Regal lag. Noch ist die Entscheidung allerdings nicht rechtskräftig. Mondelez kann Rechtsmittel einlegen – und vermutlich parallel prüfen, ob sich Luft künftig noch effizienter verpacken lässt.

Der Fall gilt als Paradebeispiel für das Phänomen der sogenannten „Shrinkflation“: weniger Inhalt bei möglichst identischer Verpackung. Verbraucher zahlen dabei schleichend mehr, ohne dass ein höherer Preis sofort auffällt. Oder anders gesagt: Die Schokolade wird leichter, aber das schlechte Gewissen der Hersteller offenbar nicht.

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