Startseite Allgemeines Trumps Aktiengeschäfte werfen neue Fragen zu möglichen Interessenkonflikten auf
Allgemeines

Trumps Aktiengeschäfte werfen neue Fragen zu möglichen Interessenkonflikten auf

u_dg9pheol (CC0), Pixabay
Teilen

US-Präsident Donald Trump hat nach Recherchen von CNN wiederholt Unternehmen öffentlich gelobt oder politische Maßnahmen angekündigt, von denen diese profitieren könnten – nur wenige Tage nachdem in seinem Namen Aktien derselben Firmen gekauft worden waren.

Die Untersuchung fand mehr als 20 Unternehmen, bei denen sich Aktienkäufe und anschließende positive Beiträge auf Trumps Plattform Truth Social zeitlich überschnitten. Ein vorsätzliches Vorgehen oder der Versuch, Aktienkurse zum eigenen Vorteil zu beeinflussen, wurde dabei nicht nachgewiesen. Die Häufung der Fälle wirft jedoch neue Fragen darüber auf, ob die finanziellen Interessen eines Präsidenten ausreichend von seinen politischen Entscheidungen getrennt sind.

Das Weiße Haus weist den Vorwurf eines Interessenkonflikts entschieden zurück. Trumps Vermögen werde von unabhängigen Finanzmanagern verwaltet. Weder der Präsident noch seine Familie hätten Einfluss darauf, welche Aktien gekauft oder verkauft würden.

Nvidia-Aktien kurz vor öffentlicher Unterstützung gekauft

Ein besonders auffälliger Fall betrifft den Chiphersteller Nvidia. Am 15. April 2025 lobte Trump auf Truth Social die Pläne des Unternehmens, KI-Supercomputer in den Vereinigten Staaten zu bauen.

Er kündigte an, notwendige Genehmigungen für Nvidia und ähnliche Unternehmen schnell zu erteilen. Was seine Millionen Follower zu diesem Zeitpunkt nicht wussten: Wenige Tage zuvor waren für Trump Nvidia-Aktien im Wert von 200.000 bis 500.000 US-Dollar gekauft worden.

Die öffentliche Unterstützung eines Präsidenten kann für Unternehmen erhebliche Bedeutung haben. Ankündigungen zu Genehmigungen, Subventionen, Zöllen oder staatlichen Aufträgen können Erwartungen von Anlegern beeinflussen und damit auch Aktienkurse bewegen.

Es gibt allerdings keinen Beleg dafür, dass Trump von dem Kauf wusste, als er den Beitrag veröffentlichte.

Mindestens 44 auffällige Aktienkäufe

CNN verglich mithilfe Künstlicher Intelligenz Tausende Beiträge auf Truth Social mit Trumps öffentlich gemeldeten Aktiengeschäften. Anschließend überprüften Journalisten die gefundenen Überschneidungen manuell.

Die Auswertung ergab mindestens 44 Käufe von Aktien aus 21 Unternehmen, die innerhalb einer Woche vor einer positiven Veröffentlichung über diese Unternehmen, deren Führungskräfte oder Produkte erfolgt waren.

Einige Beiträge enthielten persönliche Kommentare des Präsidenten. Andere verbreiteten Aussagen von Vorstandsvorsitzenden oder verwiesen auf positive Medienberichte.

Daneben gab es mindestens 17 Fälle, in denen Aktien von acht Unternehmen gekauft und diese Unternehmen kurz darauf öffentlich kritisiert wurden. Die Untersuchung zeigt daher kein einheitliches Muster, bei dem jeder Aktienkauf automatisch von positiver Werbung begleitet wurde.

Tausende Transaktionen erschweren die Bewertung

Trump ist sowohl ein äußerst aktiver Nutzer sozialer Medien als auch Besitzer eines umfangreichen Aktienportfolios. Im Jahr 2025 veröffentlichte er mehr als 6.000 Beiträge auf Truth Social. Seine Vermögensverwalter führten im selben Zeitraum mehr als 20.000 Käufe und Verkäufe durch.

Allein aufgrund dieser großen Zahlen sind zufällige Überschneidungen zu erwarten. Die überwiegende Mehrheit der Aktiengeschäfte wurde nicht von passenden Beiträgen über die betreffenden Unternehmen begleitet.

Auch die CNN-Auswertung stellt ausdrücklich fest, dass es keinen Beweis dafür gibt, Trump habe gezielt über Unternehmen geschrieben, um den Wert seines Portfolios zu steigern.

Kritiker argumentieren dennoch, dass bereits der Anschein eines finanziellen Eigeninteresses problematisch sei. Bei einem Präsidenten könne allein die Möglichkeit, dass politische Aussagen mit privaten Vermögensinteressen zusammenfallen, das Vertrauen in staatliche Entscheidungen beschädigen.

Kein echter Blind Trust

Trumps Vermögen wird nach Angaben seiner Organisation in sogenannten diskretionären Konten verwaltet. Dabei besitzen externe Finanzinstitute die vollständige Entscheidungsgewalt über einzelne Käufe und Verkäufe.

Der Präsident und seine Familie erhielten keine Vorabinformationen und könnten keine konkreten Transaktionen anweisen, erklärte die Trump Organization.

Diese Struktur unterscheidet sich jedoch von einem echten Blind Trust. Bei einem solchen Modell wissen Politiker nicht, welche einzelnen Aktien oder Vermögenswerte sie besitzen. Sie können ihre Amtsentscheidungen deshalb nicht bewusst an den Interessen bestimmter Unternehmen ausrichten.

Frühere US-Präsidenten, die einzelne Aktien oder Unternehmen besaßen, überführten ihre Vermögenswerte üblicherweise in solche Blind Trusts. Trump wich von dieser Tradition ab. Seine Vermögenswerte befinden sich in einem Trust, dessen Treuhänder sein Sohn ist.

Damit kann Trump zumindest grundsätzlich wissen, welche Aktien zu seinem Portfolio gehören, auch wenn er die einzelnen Transaktionen nicht selbst steuert.

US Steel: Kauf und Beitrag am selben Tag

Die auffälligen Überschneidungen begannen bereits vor Trumps Amtsantritt. Am 6. Januar 2025 wurden für ihn Aktien von US Steel im Wert von mindestens 1.000 Dollar gekauft.

Am selben Tag veröffentlichte Trump einen Beitrag, in dem er erklärte, seine geplanten Zölle würden das Unternehmen wesentlich profitabler und wertvoller machen.

Unklar blieb, ob der Aktienkauf oder der Beitrag zuerst erfolgte. Ebenso gibt es keinen Nachweis, dass Trump zum Zeitpunkt seiner Äußerung von der Transaktion wusste.

Der Fall ist dennoch politisch sensibel, weil der Präsident selbst Einfluss auf die Zollpolitik besitzt. Eine politische Entscheidung, die einem Unternehmen Vorteile bringt, kann theoretisch auch den Wert einer privaten Beteiligung erhöhen.

Millioneninvestitionen in Tesla

Zu den am häufigsten gehandelten Aktien im Portfolio gehörte Tesla. Trumps Vermögensverwalter kauften im Jahr 2025 mehr als 50-mal Aktien des Elektroautobauers und investierten dabei mindestens vier Millionen Dollar.

Mehrere kleinere Käufe erfolgten kurz bevor Trump sich gemeinsam mit Tesla-Chef Elon Musk und Fahrzeugen des Unternehmens am Weißen Haus präsentierte. Er lobte zudem Teslas Pläne, die Produktion in den Vereinigten Staaten auszuweiten.

Später verschlechterte sich das Verhältnis zwischen Trump und Musk deutlich. Der Präsident drohte damit, staatliche Subventionen für Musks Unternehmen zu kürzen, und äußerte sich öffentlich abwertend über den Unternehmer.

Während dieses Konflikts wurden dennoch weitere Tesla-Aktien gekauft.

Am 23. Juli erfolgte schließlich einer der größten einzelnen Käufe: Tesla-Aktien im Wert zwischen 500.000 und einer Million Dollar. Einen Tag später veröffentlichte Trump eine versöhnlichere Botschaft. Er wolle weder Musks Unternehmen zerstören noch ihnen Subventionen entziehen, sondern wünsche ihnen wirtschaftlichen Erfolg.

Auch hier ist nicht belegt, dass Trump von dem Kauf wusste oder sein Beitrag mit der Transaktion zusammenhing.

Aktienkäufe vor gemeinsamer Unternehmenswerbung

Am 10. März wurden jeweils Aktien von GE Aerospace, Eli Lilly und Apple im Wert zwischen 15.000 und 50.000 Dollar gekauft. Zwei Tage später erwähnte Trump alle drei Unternehmen in einem einzigen Beitrag und verwies auf deren angekündigte Investitionen in den Vereinigten Staaten.

Die große Zahl der täglichen Transaktionen erschwert allerdings jede eindeutige Schlussfolgerung. Am selben Tag wurden neben den drei genannten Aktien auch Anteile von mehr als 300 anderen Unternehmen gekauft.

Die zeitliche Nähe allein beweist daher keine bewusste Verbindung. Sie zeigt jedoch, warum Ethikexperten strengere Regeln fordern: Bei Tausenden Transaktionen lässt sich kaum nachvollziehen, ob eine politische Äußerung unbeabsichtigt das eigene Vermögen betrifft.

Lob für American Eagle nach Aktienkauf

Die Überschneidungen beschränkten sich nicht auf große Technologie- oder Industrieunternehmen.

Am 31. Juli wurden Aktien des Modehändlers American Eagle Outfitters im Wert zwischen 15.000 und 50.000 Dollar gekauft. Vier Tage später lobte Trump eine umstrittene Werbekampagne des Unternehmens mit der Schauspielerin Sydney Sweeney.

Er bezeichnete die Werbung als besonders erfolgreich und forderte seine Anhänger sinngemäß dazu auf, die Produkte zu kaufen.

Die Aussage des Präsidenten erreichte Millionen Menschen und stellte damit eine ungewöhnlich direkte Werbung für eine Marke dar, an der sein Portfolio kurz zuvor beteiligt worden war.

Auch kritisierte Unternehmen befanden sich im Portfolio

Nicht jede zeitliche Überschneidung war für die betroffenen Unternehmen positiv.

Vor mehreren scharfen Angriffen auf den Medienkonzern Comcast waren Aktien des Unternehmens gekauft worden. Trump kritisierte Comcast regelmäßig wegen seiner Fernsehsender NBC und MSNBC.

Auch Microsoft-Aktien im Wert von mindestens 1,3 Millionen Dollar wurden gekauft, bevor Trump das Unternehmen öffentlich wegen der Einstellung eines früheren Mitarbeiters der Biden-Regierung angriff.

Diese Fälle schwächen die These, Trump habe seine Plattform systematisch zur Steigerung seiner Aktienwerte genutzt. Sie beseitigen jedoch nicht das grundsätzliche Problem, dass politische Aussagen und private Investitionen nicht klar voneinander getrennt sind.

Verteidigungsaktien und der F-22-Kampfjet

Am 18. August wurden größere Aktienpakete mehrerer Rüstungskonzerne gekauft, die Komponenten für den F-22-Kampfjet herstellen.

Dazu gehörten mindestens 250.000 Dollar in RTX und Boeing sowie mindestens 100.000 Dollar in Northrop Grumman. Am selben Tag wurden allerdings auch Aktien des Hauptauftragnehmers Lockheed Martin im Wert von mindestens 100.000 Dollar verkauft.

Wenige Tage später veröffentlichte Trump ein Video des F-22 und bezeichnete ihn als den besten und schönsten Kampfjet der Welt.

Der Präsident besitzt erheblichen Einfluss auf Verteidigungsausgaben, Rüstungsaufträge und außenpolitische Entscheidungen. Private Beteiligungen an Rüstungsunternehmen sind deshalb besonders sensibel, selbst wenn sie unabhängig verwaltet werden.

Ein rechtliches und ethisches Problem

Die amerikanischen Regeln zu finanziellen Interessenkonflikten sind für den Präsidenten weniger streng als für viele andere Regierungsmitarbeiter.

Ein Präsident kann sich zudem nicht einfach von einer Entscheidung zurückziehen, wenn diese nahezu die gesamte Wirtschaft oder nationale Sicherheitsfragen betrifft. Gerade deshalb halten Transparenzorganisationen es für problematisch, ihn von strengeren Handelsbeschränkungen auszunehmen.

Trump unterstützt nach eigener Aussage ein Verbot des Aktienhandels für Mitglieder des Kongresses. Einen Gesetzentwurf, der auch den Präsidenten und den Vizepräsidenten einbezogen hätte, lehnte er jedoch ab.

Als ein republikanischer Senator gemeinsam mit Demokraten ein umfassenderes Handelsverbot unterstützte, griff Trump ihn öffentlich an. Neuere Entwürfe im Kongress konzentrieren sich deshalb überwiegend auf Abgeordnete und Senatoren, nicht auf den Präsidenten.

Kein Beweis, aber ein Vertrauensproblem

Die Untersuchung belegt nicht, dass Trump Aktiengeschäfte selbst angeordnet, geheime Informationen für Investitionen genutzt oder Unternehmen bewusst zur Steigerung seines Vermögens beworben hat.

Seine Finanzmanager erklären, vollkommen unabhängig zu handeln. Bei mehr als 20.000 Transaktionen und Tausenden Beiträgen sind zufällige Überschneidungen wahrscheinlich.

Der Bericht zeigt jedoch, dass die gegenwärtige Vermögensstruktur keinen vollständigen Schutz vor möglichen Interessenkonflikten bietet. Trump kann wissen, welche Unternehmen sich in seinem Portfolio befinden. Gleichzeitig kann er als Präsident durch öffentliche Aussagen, staatliche Aufträge, regulatorische Entscheidungen und wirtschaftspolitische Maßnahmen den Wert genau dieser Unternehmen beeinflussen.

Damit geht es nicht nur um die Frage, ob ein konkreter Missbrauch bewiesen werden kann. Entscheidend ist auch, ob Bürger darauf vertrauen können, dass Entscheidungen ausschließlich im öffentlichen Interesse getroffen werden.

Solange ein Präsident einzelne Aktien besitzt und seine Vermögenswerte nicht in einen echten Blind Trust überführt, wird dieser Zweifel bestehen bleiben.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

TGI Bond als Beispiel: Welche Voraussetzungen muss ich als Emittent für einen Bond bei Euroclear erfüllen?

Wenn Sie einen Bond herausgeben möchten, sind Sie der Emittent. Euroclear ist...

Allgemeines

TGI AG Geschäftspartner, das wird den Aufsichtsbehörden aber garnicht gefallen Herr Péter Körmendi

FireShot Capture 119 – Besitzt du schon Gold_ – Willkommen am Ende...

Allgemeines

Die TGI kleidet sich in fremden Federn

Das die TGI AG aus Vaduz „irgendetwas mit Gold“ macht; ist allen...

Allgemeines

Zyklus-Apps im Datenschutz-Check: Wenn intime Gesundheitsdaten bei Werbekonzernen landen

  Menstruations-Apps speichern Angaben zu Schwangerschaft, Verhütung, Stimmung und Beschwerden. Eine Untersuchung...