Donald Trump hat in seinem 20-Punkte-Plan für den Wiederaufbau des Gazastreifens den früheren britischen Premierminister Tony Blair ins Spiel gebracht. Blair soll Mitglied eines internationalen Übergangsgremiums – des sogenannten „Board of Peace“ – werden, das die Verwaltung Gazas nach dem Krieg übernehmen soll. Trump selbst will den Vorsitz führen.
Warum Blair?
Blair ist seit Jahrzehnten in Nahostfragen aktiv:
- 2007–2015 war er Nahost-Sondergesandter des sogenannten Quartetts (USA, EU, Russland, UN).
- Mit seinem Tony Blair Institute for Global Change ist er weiterhin in der Region vernetzt.
- Er gilt in Washington, Tel Aviv und in den Golfstaaten als verlässlicher Verhandler.
Trump lobt ihn als „sehr guten Mann“.
Diplomaten wie Nick Hopton halten ihn für den einzigen westlichen Spitzenpolitiker, der die nötige Erfahrung und Glaubwürdigkeit mitbringt.
Das Problem: Blairs Ballast
Doch Blair bleibt eine umstrittene Figur:
- Seine Rolle beim Irak-Krieg 2003 überschattet bis heute seine Reputation, insbesondere in der arabischen Welt.
- Kritiker werfen ihm vor, als Quartett-Sondergesandter zu israelfreundlich gewesen zu sein und die Anliegen der Palästinenser vernachlässigt zu haben.
- Hamas nannte ihn diese Woche ein „böses Omen“ und forderte, Blair solle vor den Internationalen Strafgerichtshof gestellt werden.
Francesca Albanese, UN-Sonderberichterstatterin, twitterte: „Tony Blair? Hell no. Hands off Palestine.“
Zwischen Hoffnung und Skepsis
Befürworter verweisen auf Blairs Erfolg in Nordirland (Karfreitagsabkommen) als Friedensstifter. Gesundheitsminister Wes Streeting meinte: Wenn Blair diese Fähigkeiten in den Nahen Osten bringen könne, „umso besser“.
Doch viele Beobachter warnen:
- Palästinensisches Vertrauen fehlt.
- Ein amerikanisch-britisches Projekt könnte im arabischen Raum sofort als einseitig wahrgenommen werden.
- Das eigentliche Problem ist weniger Blair, sondern dass Trumps Friedensplan bislang vage, ohne Zeitplan und ohne Zustimmung der Konfliktparteien ist.
Sanam Vakil vom Thinktank Chatham House:
„Die Debatte über Blair lenkt vom Kern ab: Ein Plan ohne Details, ohne palästinensische Mitwirkung, bleibt kosmetische Diplomatie.“
Fazit
Ob Blair tatsächlich eine Schlüsselrolle übernehmen könnte, hängt davon ab, ob Trumps Plan überhaupt greift – und ob eine internationale Übergangsverwaltung in Gaza akzeptiert würde.
Blair könnte als Koordinator zwischen Washington, Israel und den Golfstaaten wirken. Aber als eine Art „Vizekönig von Gaza“? – „Das wird niemals funktionieren“, wie ein Diplomat trocken kommentierte.
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