US-Präsident Donald Trump hat mit Dr. Erica Schwartz eine erfahrene Gesundheitsexpertin als neue Leiterin der amerikanischen Seuchenschutzbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) nominiert. Die Personalie gilt in Washington als bemerkenswertes Signal, weil sie in eine Phase fällt, in der die Regierung bei der umstrittenen Impfpolitik offenbar einen etwas moderateren Ton anschlägt.
Die Nominierung wurde nur wenige Stunden nach einem Auftritt von Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. im Kongress bekannt. Dort äußerte sich Kennedy ungewohnt positiv über Impfungen. So sagte er, der Masernimpfstoff sei für die meisten Menschen sicher und wirksam und könne sicherer sein, als an Masern zu erkranken. Unter dem Druck kritischer Fragen von Demokraten räumte er zudem ein, dass Impfungen während eines größeren Masernausbruchs in Texas im vergangenen Jahr vermutlich zumindest ein Kinderleben hätten retten können.
Allerdings blieb Kennedy auch bei dieser Anhörung seiner bisherigen Linie teilweise treu. An anderer Stelle wies er Vorwürfe entschieden zurück, seine langjährige Impfskepsis habe zu sinkenden Impfquoten beigetragen. Der Rückgang habe vielmehr nach der Corona-Pandemie wegen „Missmanagement“ eingesetzt, erklärte er.
Schwierige Ausgangslage für die neue CDC-Chefin
Vor diesem Hintergrund dürfte Dr. Schwartz bei ihrer Anhörung im Senat vor allem mit einer Frage konfrontiert werden:
Wie deutlich wird sie sich in zentralen Fragen der Impfpolitik von Kennedy abgrenzen?
Schwartz bringt umfangreiche Erfahrung im öffentlichen Gesundheitswesen mit. Sie war bereits in Trumps erster Amtszeit stellvertretende Surgeon General, diente 24 Jahre im US Public Health Service Commissioned Corps und hatte zudem den Rang eines Rear Admiral in der Küstenwache. Während ihrer Laufbahn leitete sie unter anderem Programme zur Krankheitsüberwachung und Impfkoordination und entwickelte Richtlinien zum Umgang mit Pandemiegrippe und anderen Virusausbrüchen.
Neben ihrer medizinischen Ausbildung verfügt Schwartz auch über einen juristischen Hintergrund: Sie besitzt einen Medizinabschluss der Brown University sowie einen Jura-Abschluss der University of Maryland.
Trump und Kennedy bauen CDC-Führung neu auf
Schwartz ist Teil eines größeren personellen Umbaus an der Spitze der CDC. Nach Angaben aus Washington hatten Kennedy und sein Team dem Präsidenten mehrere Personalvorschläge unterbreitet, die Trump nun bekanntgab.
Zum neuen Führungsteam sollen unter anderem gehören:
- Dr. Sara Brenner, derzeit Vizechefin der US-Arzneimittelbehörde FDA, als Gesundheitsberaterin des Ministers
- Dr. Jennifer Shuford, Leiterin der Gesundheitsbehörde von Texas, als stellvertretende CDC-Direktorin und Chief Medical Officer
- Sean Slovenski, früherer Manager bei Walmart und Humana, als stellvertretender Direktor und Chief Operating Officer
Kennedy sprach im Kongress von einem „außergewöhnlichen Team“, das die CDC „revolutionieren“, wieder auf Kurs bringen und ihre Arbeit stärken werde.
Ein Kandidatenvorschlag mit Signalwirkung
Die Wahl von Schwartz fällt auch deshalb auf, weil sie im Gegensatz zu vielen zuletzt umstrittenen Entscheidungen der Regierung klar aus dem klassischen öffentlichen Gesundheitswesen kommt. Während ihrer Zeit in der Küstenwache war sie nicht nur für Seuchenüberwachung zuständig, sondern koordinierte auch Impfprogramme und arbeitete an der staatlichen Reaktion auf Naturkatastrophen wie Hurrikans und Erdbeben mit.
Frühere Wegbegleiter äußerten sich entsprechend positiv. Ein ehemaliger Surgeon General aus Trumps erster Amtszeit erklärte, Schwartz habe „Expertise, Glaubwürdigkeit und Integrität“, um die CDC wirksam zu führen – vorausgesetzt, sie könne „der Wissenschaft folgen, ohne politische Einmischung“.
Auch Fachleute aus dem Gesundheitsbereich betonten, Schwartz habe bereits während der frühen Corona-Reaktion eine zentrale Rolle gespielt, insbesondere bei Themen wie Tests, Überwachung und Abstimmung mit Bundesstaaten.
CDC steckt in tiefer Krise
Sollte der Senat der Nominierung zustimmen, übernimmt Schwartz eine Behörde in einer der schwierigsten Phasen ihrer Geschichte.
Die CDC war in den vergangenen Monaten massiv unter Druck geraten:
- zahlreiche Stellenkürzungen und Entlassungen hatten ganze Abteilungen geschwächt
- mehrere hochrangige Beamte verließen die Behörde aus Protest
- interne Konflikte über Impfempfehlungen führten zu Führungschaos
- Webinhalte zur Impfsicherheit wurden ohne Rücksprache mit Wissenschaftlern verändert
- politische Ernennungen ersetzten teilweise langjährige Fachkräfte
Besonders umstritten war, dass Kennedy ein wichtiges Gremium von 17 externen Impfexperten, das die CDC bei Impfentscheidungen berät, entließ und durch eigene Kandidaten ersetzte. Mehrere dieser neuen Mitglieder hatten in der Vergangenheit vor allem auf Risiken von Impfstoffen hingewiesen und deren Nutzen deutlich relativiert. Ein Bundesrichter stoppte Teile dieser Umbesetzungen und stellte fest, dass dabei vermutlich gegen Bundesvorgaben verstoßen wurde.
Gesundheitslage verschärft den Druck
Die Personalie kommt zudem in einem heiklen Moment für die öffentliche Gesundheit in den USA. Die Zahl der Masernfälle hat inzwischen den höchsten Stand seit rund 30 Jahren erreicht. Experten warnen, dass die USA ihren Status als Land verlieren könnten, in dem eine dauerhafte heimische Übertragung der Krankheit eigentlich als eliminiert galt.
Auch andere Infektionskrankheiten wie Keuchhusten und Mumps nehmen wieder zu – parallel zu sinkenden Impfquoten.
Vorgängerin nach Streit über Impfpolitik entlassen
Der Druck auf das Weiße Haus war zuletzt auch deshalb gestiegen, weil Kennedy im August die letzte vom Senat bestätigte CDC-Direktorin Susan Monarez überraschend entlassen hatte. Hintergrund war nach Berichten aus Washington, dass sie sich geweigert habe, Änderungen in der Impfpolitik einfach abzunicken.
Monarez war nur knapp einen Monat im Amt, bevor sie gehen musste. Danach entstand an der Behörde ein deutliches Führungsloch. Derzeit führt der Chef der National Institutes of Health die CDC kommissarisch in Doppelfunktion.
Zugleich musste das Weiße Haus rasch handeln, weil nach dem US-Vakanzengesetz eine dauerhaft vom Senat zu bestätigende Führungsposition nur 210 Tage unbesetzt bleiben darf. Diese Frist war bereits Ende März erreicht.
Bestätigung im Senat wird genau beobachtet
Schwartz muss sich nun dem Senatsausschuss für Gesundheit, Bildung, Arbeit und Renten stellen. Dort dürfte es vor allem um ihre Haltung zu Impfungen, wissenschaftlicher Unabhängigkeit und politischem Einfluss auf die Behörde gehen.
Die Frage wird sein, ob sie tatsächlich als stabilisierende Fachfrau antritt – oder ob auch ihre Amtszeit von den Spannungen zwischen klassischer Gesundheitswissenschaft und der zunehmend politisierten Impfdebatte überschattet wird.
Fest steht:
Mit der Nominierung von Dr. Erica Schwartz setzt Trump erstmals seit Monaten wieder auf eine Figur, die in der Fachwelt als klassisch verankert gilt. Ob das ein echter Kurswechsel ist oder nur ein taktisches Signal in einer politisch heiklen Phase, wird sich spätestens bei ihrer Anhörung im Senat zeigen.
Kommentar hinterlassen