US-Präsident Donald Trump hat Israel eindringlich aufgefordert, weitere Angriffe auf den Libanon zu unterlassen. Hintergrund sind die laufenden Verhandlungen zwischen Washington und Teheran über ein mögliches Friedensabkommen, das nach monatelangen Gesprächen offenbar in eine entscheidende Phase eingetreten ist. Doch neue israelische Luftangriffe auf Ziele der Hisbollah in Beirut drohen den ohnehin fragilen Prozess erneut zu gefährden.
„Der heutige Angriff auf Beirut hätte nicht stattfinden dürfen“, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Besonders an einem Tag, an dem man einem Friedensabkommen mit Iran „so nahe wie nie zuvor“ sei, dürfe der Prozess nicht gefährdet werden. „Lasst uns das nicht zerstören“, appellierte der Präsident.
Hoffnung auf Einigung – und neue Spannungen
Die USA und Iran verhandeln derzeit über eine Absichtserklärung, die zunächst eine weitere 60-tägige Verhandlungsphase einleiten soll. Ziel wäre ein umfassendes Abkommen zur Beendigung des Krieges sowie die Wiederaufnahme von Gesprächen über das iranische Atomprogramm. Trump hatte bereits angekündigt, die Vereinbarung könne kurzfristig unterzeichnet werden. Teheran hingegen betont, dass eine endgültige Entscheidung noch nicht gefallen sei.
Besonders innerhalb des iranischen Machtapparats regt sich Widerstand gegen einzelne Bestandteile des amerikanischen Vorschlags. Hardliner kritisieren die Verhandlungsführung offen und warnen vor zu weitgehenden Zugeständnissen an Washington. Die endgültige Entscheidung liege beim Obersten Führer Modschtaba Chamenei und dem Obersten Nationalen Sicherheitsrat, erklärte Präsident Massud Peseschkian.
Beirut als Störfaktor
Die Kämpfe im Libanon gelten seit Monaten als einer der wichtigsten Streitpunkte der Verhandlungen. Iran hatte immer wieder deutlich gemacht, dass eine dauerhafte Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah Teil einer größeren regionalen Lösung sein müsse.
Umso größer ist nun die Sorge, dass die jüngsten israelischen Angriffe auf den Süden Beiruts neue Eskalationen auslösen könnten. Nach Angaben israelischer Stellen waren Einrichtungen der Hisbollah Ziel der Luftschläge. Israel hatte die USA vorab über die Operation informiert. Gleichzeitig wurde offenbar einkalkuliert, dass Iran darauf mit Raketenangriffen reagieren könnte.
Für die iranische Führung ist genau das ein Problem. Aus Sicht Teherans lässt sich kaum zwischen amerikanischer und israelischer Politik unterscheiden. Entsprechend kritisch äußerten sich mehrere ranghohe iranische Politiker nach den Angriffen. Sie warfen Washington vor, seine Verpflichtungen nicht durchsetzen zu können oder nicht durchsetzen zu wollen.
Zweifel am historischen Durchbruch
Auch in den USA wächst die Skepsis. Der frühere Präsident Barack Obama erklärte, es sei fraglich, ob ein neues Abkommen tatsächlich wesentlich besser oder grundlegend anders ausfallen werde als das Atomabkommen von 2015, das während seiner Amtszeit geschlossen worden war. Trump hatte dieses Abkommen 2018 aufgekündigt und seitdem wiederholt als „gescheitert“ bezeichnet.
Währenddessen bemühen sich internationale Vermittler, die Gespräche auf Kurs zu halten. Vertreter Katars reisten am Sonntag nach Teheran, um letzte offene Fragen auszuräumen und die Verhandlungen voranzubringen.
Ölmarkt bleibt nervös
Auch die Finanz- und Energiemärkte verfolgen die Entwicklung aufmerksam. Experten warnen, dass die Öl- und Benzinpreise selbst bei einer baldigen Einigung zunächst erhöht bleiben könnten. Die Wiederöffnung der Straße von Hormus gilt als entscheidender Faktor für eine Entspannung auf den Weltenergiemärkten. Über die Meerenge werden normalerweise rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels abgewickelt.
Sollte die Vereinbarung scheitern, könnten die Ölpreise nach Einschätzung von Marktbeobachtern erneut deutlich steigen.
Friedenshoffnung mit vielen Fragezeichen
Noch vor wenigen Tagen schien ein Durchbruch greifbar. Nun zeigt sich erneut, wie kompliziert die Lage im Nahen Osten bleibt. Unterschiedliche Darstellungen über Inhalt und Zeitpunkt eines möglichen Abkommens, innenpolitischer Widerstand in Iran und neue militärische Spannungen im Libanon lassen offen, ob die historische Einigung tatsächlich zustande kommt.
Fest steht bislang nur: Die Verhandlungen sind näher am Ziel als seit Jahren – und gleichzeitig so verletzlich wie nie.
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