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Trump liest jetzt Bibel aus dem Oval Office – nachdem Jesus-Post und Papst-Zoff schiefgingen

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Donald Trump hat offenbar eine neue PR-Strategie entdeckt: Wenn der Streit mit dem Papst eskaliert und das selbstgebastelte KI-Jesusbild selbst den eigenen Fanclub leicht nervös macht, hilft nur noch eins – eine Bibellesung aus dem Oval Office. Live, feierlich, staatsmännisch. Oder zumindest so staatsmännisch, wie es eben wirkt, wenn jemand erst wie der Messias posiert und dann zur Sicherheit noch schnell ein paar Verse nachliefert.

Am 21. April soll Trump per Videobotschaft aus dem Oval Office an der Veranstaltung „America Reads The Bible“ teilnehmen. Laut Ankündigung wird er ausgerechnet aus 2. Chronik 7,11–22 lesen – darunter natürlich der besonders beliebte Vers 14: „Wenn mein Volk sich demütigt…“ Ein bemerkenswerter Text für einen Mann, der Demut ungefähr so konsequent lebt wie Verkehrsregeln auf einem Golfcart.

Die Passage wurde Trump laut Veranstaltern sogar quasi reserviert. Man habe für das Kapitel „jemanden Besonderen“ gebraucht. Man kann also festhalten: Für Selbstinszenierung auf biblischem Niveau ist der Personalmarkt in Washington offenbar leergefegt.

Der Zeitpunkt ist exquisit gewählt. Erst hatte sich Trump öffentlich mit Papst Leo angelegt, weil dieser es gewagt hatte, den Iran-Krieg kritisch zu sehen. Trump erklärte daraufhin sinngemäß, er sei „kein Fan“ des Papstes. Ein Satz, der ungefähr so klingt, als würde ein Casino-Besitzer dem Vatikan Yelp-Sterne vergeben.

Kurz darauf folgte dann das nächste Highlight: ein KI-generiertes Bild von Trump als Jesus, das er veröffentlichte – und nach dem erwartbaren Aufschrei wieder löschte. Als Erklärung lieferte er dann eine seiner klassisch absurden Pressekonferenz-Improvisationen: Er habe gedacht, es sei ein Bild von ihm als Arzt, im Zusammenhang mit dem Roten Kreuz. Klar. Wer kennt sie nicht, die Ärzte in wehenden Gewändern mit Heiligenschein.

Nun also Bibellesung statt Bildbearbeitung. Eine Art politisch-religiöses Rebranding: vom digitalen Messias zum offiziellen Schriftvorleser der Nation. Mit dabei laut Ankündigung auch Teile des Kabinetts – darunter Marco Rubio, Pete Hegseth und Susie Wiles. Fehlt eigentlich nur noch ein Gong, ein Nebelwerfer und ein dramatischer Einspieler: „Previously on The Apprentice: Revelation Edition.“

Dass die Trump-Regierung Religion immer offensiver in Staatsgeschäfte einbaut, ist längst kein Randphänomen mehr. Das Weiße Haus ruft Amerikaner zum regelmäßigen Gebet auf, Bibelverse tauchen auf offiziellen Regierungsaccounts auf, Behörden veranstalten Gebetsrunden. Die Trennung von Kirche und Staat wird dabei nicht abgeschafft – sie wird eher mit einer patriotischen Schleife dekoriert und auf Truth Social live gestreamt.

Besonders eifrig ist Verteidigungsminister Pete Hegseth, der im Pentagon inzwischen offenbar versucht, das Neue Testament mit dem Einsatzbefehl zu verschmelzen. Erst lud er einen radikalen Pastor mit mittelalterlichen Ansichten ein, dann verglich er kritische Journalisten bei einer Pressekonferenz ernsthaft mit den Pharisäern. Man muss es auch erst mal schaffen, eine militärische Lagebesprechung klingen zu lassen wie eine schlecht gelaunte Sonntagspredigt.

Historiker warnen seit Längerem davor, dass persönliche Religiosität etwas anderes ist als staatlich verordnete Frömmigkeit. Früher hatten US-Präsidenten ihren Glauben – heute wirkt es mitunter, als wolle Trump ihn lizenzieren, branden und in Primetime senden.

So bleibt am Ende vor allem die Erkenntnis: Wenn ein Präsident erst mit dem Papst streitet, dann ein KI-Jesusbild postet und anschließend zur nationalen Bibellesung antritt, ist das keine spirituelle Reise. Es ist amerikanische Innenpolitik in ihrer reinsten Form – laut, kalkuliert und mit maximalem Sendungsbewusstsein.

Oder kurz gesagt:
Erst der Heiland-Filter, jetzt die Heilige Schrift. Fehlt nur noch, dass das Weiße Haus Weihwasser als Merchandise verkauft.

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