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Acht tote Kinder in Louisiana: Ein Verbrechen, das eine Stadt sprachlos macht

RobVanDerMeijden (CC0), Pixabay
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Es sind Nachrichten, für die es kaum Worte gibt. In Shreveport im US-Bundesstaat Louisiana hat ein Mann am frühen Sonntagmorgen acht Kinder erschossen – sieben davon waren nach Angaben der Polizei seine eigenen. Es ist die tödlichste Massenschießerei in den USA seit Anfang 2024. Doch diese nüchterne Einordnung kann kaum erfassen, was sich in den drei betroffenen Häusern abgespielt haben muss: ein familiärer Albtraum, ein unvorstellbarer Verlust, eine Verwüstung, die weit über den Tatort hinausreicht.

Die getöteten Kinder waren zwischen drei und elf Jahre alt. Unter ihnen drei Jungen und fünf Mädchen. Nach Angaben des Gerichtsmediziners handelte es sich um sieben Geschwister sowie ein Cousin oder eine Cousine. Die Namen der Kinder sind inzwischen bekannt. Hinter jedem Namen steht ein kurzes Leben, das jäh endete: Jayla Elkins, 3 Jahre alt. Shayla Elkins, 5. Kayla Pugh, 6. Khedarrion Snow, 6. Layla Pugh, 7. Braylon Snow, 5. Markaydon Pugh, 10. Sariahh Snow, 11.

Der mutmaßliche Täter wurde von der Polizei als der 31-jährige Shamar Elkins identifiziert. Die Ermittler sprechen von einer Tat „häuslicher Natur“ – eine Formulierung, die sachlich klingt und doch nur unzureichend beschreibt, wie tief die Gewalt in diesem Fall in das Innerste einer Familie eingeschlagen hat.

Nach bisherigen Erkenntnissen begann der Angriff mit einem Schuss auf die Ehefrau des Täters, die Mutter seiner Kinder. Sie erlitt schwerste Verletzungen. Danach fuhr Elkins zu einem weiteren Haus, wo er acht Kinder und eine weitere Frau anschoss. Diese zweite Frau, die Mutter des achten getöteten Kindes, schwebt nach Angaben der Behörden in Lebensgefahr. Auch ein 13-jähriger Junge wurde verletzt: Er versuchte zu fliehen, sprang vom Dach eines Hauses und brach sich mehrere Knochen. Er soll überleben.

Einige der Kinder hätten während der Schüsse noch versucht, durch die Hintertür zu entkommen, sagte die Abgeordnete Tammy Phelps bei einer Pressekonferenz. Dieser Satz allein reicht aus, um die ganze Dimension des Grauens zu erahnen: Kinder, die in Panik laufen, nicht wissen wohin, während die Gewalt sie bereits eingeholt hat.

Die Polizei wurde kurz nach sechs Uhr morgens in die Cedar-Grove-Nachbarschaft gerufen. Die Beamten fanden Opfer in zwei Häusern an der West 79th Street und in einem dritten Haus an der Harrison Street. Polizeisprecher Chris Bordelon sprach von einem „sehr großen Tatort mit mehreren toten Kindern“. Shreveports Bürgermeister Tom Arceneaux nannte die Szenerie „grauenhaft“. Es sei womöglich die schlimmste Tragödie in der Geschichte der Stadt.

Nach der Tat soll Elkins ein Fahrzeug geraubt und sich eine Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert haben, die bis in den benachbarten Verwaltungsbezirk führte. Dort wurde er von Einsatzkräften erschossen. Die Umstände dieses Polizeieinsatzes untersucht nun die Staatspolizei von Louisiana.

Für die Angehörigen und die Nachbarschaft beginnt damit eine Zeit, die kaum zu bewältigen scheint. Bilder aus Shreveport zeigen Menschen, die sich vor den abgesperrten Häusern umarmen, weinen, stumm auf den Boden blicken. Eine Frau wird von anderen gestützt, während sie um ihre Nichten und Neffen trauert. An einem Haus ist eine Tür zu sehen, die offenbar von Blutspuren gezeichnet ist. Auf einem anderen Foto zündet ein Mann bei einer Mahnwache eine Kerze an. Es sind Bilder einer Stadt, die im Schock erstarrt ist.

„Es erschüttert die ganze Stadt“, sagte Bürgermeister Arceneaux. „Es betrifft uns alle.“ Der Polizeichef Wayne Smith rang sichtlich um Fassung. Sein Herz sei „erschüttert“, sagte er. Er könne nicht begreifen, wie so etwas geschehen könne. Dann fügte er hinzu: „Ich weiß einfach nicht, was ich sagen soll.“

Es sind Sätze, die in ihrer Hilflosigkeit fast mehr ausdrücken als jede politische Stellungnahme. Denn bei aller Routine, mit der Massenschießereien in den USA inzwischen statistisch erfasst werden, bleibt jede einzelne ein Angriff auf das Grundgefühl von Sicherheit – und in diesem Fall auf die Vorstellung, dass Kinder in ihrem Zuhause geschützt sein sollten.

Nach Angaben des Gun Violence Archive gab es in den Vereinigten Staaten in diesem Jahr bereits mindestens 114 Massenschießereien. Als Massenschießerei gilt dort ein Vorfall, bei dem mindestens vier Menschen angeschossen werden – den Täter nicht mitgerechnet. In Shreveport, einer Stadt mit rund 180.000 Einwohnern, seien mehr als 30 Prozent der Tötungsdelikte auf häusliche Gewalt zurückzuführen, sagte Stadtrat Grayson Boucher. Das ist eine erschreckende Zahl. Und doch bleibt sie abstrakt angesichts des Schmerzes, der nun in einer einzigen Familie und einem ganzen Viertel zurückbleibt.

Die Stadtpolitikerin Tabatha H. Taylor brach bei einem öffentlichen Auftritt in Tränen aus. Sie bat die Bevölkerung nicht nur um Gebete, sondern auch um ganz konkrete Hilfe: Psychologen, Berater, Menschen, die diese Familie und diese Gemeinschaft auffangen können. „Wie kommen wir da durch?“, fragte sie.

Vielleicht ist genau das im Moment die ehrlichste Frage. Denn es gibt keine schnelle Antwort auf eine Tat, die so viele Leben zerstört hat. Es gibt nur den Versuch, das Unfassbare gemeinsam zu tragen: als Familie, als Nachbarschaft, als Stadt.

Und die bittere Erkenntnis, dass diese Tragödie eben nicht nur ein Tatort ist. Sie wird bleiben – in den Köpfen der Überlebenden, in den Klassenzimmern, in den Straßen von Cedar Grove, in jeder Erinnerung an diese acht Kinder.

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