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Trump droht wieder – Öl schießt hoch, Börsen kriegen Schnappatmung

Clker-Free-Vector-Images (CC0), Pixabay
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Donald Trump hat mal wieder bewiesen, dass man für steigende Energiepreise nicht immer einen OPEC-Gipfel braucht. Manchmal reicht auch einfach ein Mikrofon, ein Pathos-Auftritt im Weißen Haus und ein Satz wie: „Wir werden den Iran in den nächsten zwei bis drei Wochen extrem hart treffen.“

Das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten:
Ölpreise rauf, Aktien runter, Nervosität weltweit.

Kaum hatte Trump in seiner Fernsehansprache klargemacht, dass er den Iran lieber weiter bombardieren als irgendeinen belastbaren Ausstiegsplan präsentieren will, sprang der Ölmarkt sofort an wie ein nervöser Rauchmelder. Der internationale Referenzpreis Brent kletterte zeitweise über 109 Dollar pro Barrel, während US-Öl (WTI) zeitweise sogar über 110 Dollar schoss. Reuters meldete für Donnerstag ein Plus von fast 8 Prozent bei Brent und von über 11 Prozent bei WTI.

Oder anders gesagt:
Die Märkte hatten auf einen Notausgang gehofft – Trump hielt stattdessen eine Brandrede.

Vor seiner Ansprache war Brent zeitweise sogar wieder unter 100 Dollar gefallen. Händler spekulierten offenbar darauf, dass Trump vielleicht erklären würde, wie die USA aus diesem Konflikt wieder herauskommen wollen. Stattdessen bekam die Welt eine Mischung aus Kriegsrhetorik, Siegespose und der Ankündigung, man werde den Iran „sehr bald“ militärisch fertig machen – notfalls eben, indem man ihn „zurück in die Steinzeit“ bombardiert. Reuters berichtete, dass genau diese Wortwahl die Hoffnungen auf ein rasches Ende des Konflikts abrupt zerstörte.

Das ist wirtschaftlich ungefähr so hilfreich wie ein Presslufthammer in der Intensivstation.

Denn das eigentliche Problem bleibt die Straße von Hormus. Dort ist die Lage weiterhin hochkritisch. Nachdem der Iran Tankern offen gedroht hat, sind die Öl- und Gastransporte durch die Meerenge massiv beeinträchtigt. CBS/AP berichteten am Donnerstag, dass die Mehrheit des Verkehrs dort weiter stockt und dass die Frage einer Wiederöffnung weiterhin ungelöst ist. Trump bot in seiner Rede auch keinerlei konkreten Zeitplan für eine sichere Wiederaufnahme des Tankerverkehrs.

Und genau das war der Punkt, den die Märkte hören wollten.

Nicht:
„Wir machen weiter Druck.“
Nicht:
„Wir treffen den Iran noch härter.“
Sondern:
„Wann fahren die Tanker wieder?“

Auf diese Frage lieferte Trump im Wesentlichen die geopolitische Version von:
„Wird schon irgendwie.“

Seine Aussage, die Meerenge werde sich „ganz natürlich“ wieder öffnen, sobald der Krieg vorbei sei, dürfte an den Handelsplätzen ungefähr dieselbe beruhigende Wirkung entfaltet haben wie ein Pilot, der vor Turbulenzen sagt:
„Keine Ahnung, aber irgendwann wird’s bestimmt wieder ruhiger.“ Reuters und CBS berichten, dass Investoren gerade wegen dieses fehlenden Fahrplans die Hoffnung auf eine schnelle Entspannung verloren.

Die Börsen reagierten entsprechend nervös. In Asien ging es nach Trumps Auftritt spürbar bergab:

  • Nikkei 225 in Japan: -2,4 %
  • Kospi in Südkorea: -4,5 %

Auch in Europa lagen die Märkte zunächst im Minus, erholten sich später aber teilweise wieder. Reuters meldete, dass sich die großen US-Indizes zum Handelsende gemischt zeigten – also genau jene klassische Börsenreaktion, bei der alle so tun, als sei es gar nicht so schlimm gewesen, obwohl man intern längst den Beruhigungstee aufgesetzt hat.

Besonders empfindlich reagiert natürlich Asien, weil dort viele Volkswirtschaften massiv von Energieimporten aus dem Nahen Osten abhängen. Wenn Hormus dicht ist oder auch nur halb blockiert bleibt, zittern dort nicht nur Raffinerien, sondern gleich ganze Konjunkturprognosen.

Die eigentliche Ironie an der Sache ist fast schon zu schön: Trump erklärte in seiner Rede, die USA bräuchten das Öl aus dem Nahen Osten gar nicht und andere Länder sollten gefälligst selbst etwas tun, um die Transporte wieder in Gang zu bringen. Er forderte sinngemäß, wer keinen Treibstoff bekomme, solle mehr Mut zeigen und selbst in die Meerenge fahren. BBC und Reuters beschrieben diese Passage als weiteren Grund, warum die Märkte den Eindruck gewannen, Washington habe zwar Bomben, aber keinen Plan.

Mit anderen Worten:

Trump hat den Weltmarkt praktisch zugerufen:
„Wir schießen weiter. Ihr könnt ja selbst sehen, wie ihr an euer Öl kommt.“

Das ist ungefähr die Art von globaler Führung, bei der Energiehändler spontan anfangen, ihre Lebensversicherungspolicen zu lesen.

Analysten sprachen denn auch von einer „Reality Check“-Reaktion. Die Hoffnung auf einen baldigen Waffenstillstand sei zerstoben, stattdessen werde inzwischen eher mit Monaten statt Wochen gerechnet, bis sich die Lage normalisiert. Genau das berichteten Marktbeobachter laut Reuters und mehreren Finanzmedien nach der Rede.

Und das ist der entscheidende Punkt:
Nicht nur die Bomben zählen.
Nicht nur die Schlagzeilen.
Sondern die Frage, wie lange ein kritischer Teil des globalen Energiesystems faktisch gestört bleibt.

Denn wenn Hormus nicht schnell wieder verlässlich offen ist, dann wird aus einem geopolitischen Konflikt sehr schnell ein handfestes Preisproblem für:

  • Tankstellen
  • Industrie
  • Transport
  • Inflation
  • Lieferketten
  • Zentralbanken

Kurz:
für ziemlich alles, was irgendwo mit Realität zu tun hat.

Fazit

Trumps Rede sollte Stärke demonstrieren.
Die Märkte hörten vor allem:

  • mehr Krieg
  • keine klare Exit-Strategie
  • keine belastbare Hormus-Lösung
  • und die Aussicht auf weitere Wochen Eskalation

Das Resultat war logisch:

  • Ölpreise nach oben
  • Aktienmärkte unter Druck
  • Nervosität statt Erleichterung

Oder in einem Satz:

Die Börsen wollten ein Ende des Krieges hören – Trump lieferte nur den Trailer für die Fortsetzung.

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