US-Präsident Donald Trump hat erneut Federal-Reserve-Chef Jerome Powell scharf angegriffen und gleichzeitig eine schnelle Zinssenkung gefordert. In einem Beitrag auf Truth Social bezeichnete Trump Powell als „numbskull“ („Schwachkopf“) und räumte ein, dass seine Kritik dem Fed-Chef das Handeln erschwere: „Ich habe es mit Nettigkeit versucht, mit Neutralität – nichts hat funktioniert!“
Die Attacke fällt mit einem bemerkenswerten Auftritt von Fed-Gouverneur Christopher Waller zusammen. In einem CNBC-Interview sprach sich Waller für eine erste Zinssenkung „vielleicht schon im Juli“ aus. Zwar warnte er vor überstürztem Handeln, plädierte aber klar für einen Kurswechsel: „Warum warten, bis der Arbeitsmarkt zusammenbricht?“
Trumps Forderung nach Zinssenkungen ist nicht neu – seit Monaten kritisiert er die US-Notenbank dafür, die Zinsen im Vergleich zu Europa zu hoch zu halten. Die Folge seien steigende Kreditkosten für Unternehmen und hohe Zinszahlungen auf Staatsschulden.
Dabei betont die Fed, dass sie ihre Geldpolitik nicht an den Staatshaushalt koppelt. Die Inflationsrate sei bislang stabil, und auch der Arbeitsmarkt halte sich wacker. Dennoch warnte Waller, dass erste Schwächen sichtbar seien – etwa bei der Jugendarbeitslosigkeit.
Brisant: Waller gilt als einer von Trumps möglichen Kandidaten für die Nachfolge Powells, dessen Amtszeit im Mai 2026 endet. Trump kündigte an, seinen Favoriten „bald“ zu benennen – womöglich weit vor Ablauf von Powells Amtszeit. Damit könnte erstmals in der US-Geschichte ein „Schatten-Fed-Chef“ entstehen, wie Wirtschaftsexperten gegenüber CNN betonen.
Mit Waller, Ex-Fed-Gouverneur Kevin Warsh und Finanzminister Scott Bessent gelten drei Namen als aussichtsreich. Trump deutete am Freitag an, dass Powell möglicherweise nicht abgelöst werden müsse: „Vielleicht ändere ich meine Meinung über seine Entlassung. Aber so oder so, seine Zeit läuft ab!“
Die Machtprobe um die Fed-Spitze und den künftigen Zinskurs verspricht, zur wirtschaftspolitischen Schlüsselfrage des Wahljahres 2026 zu werden.
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