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Thinktank: Russland kann Krieg auch 2026 fortsetzen

artvizual (CC0), Pixabay
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Russland kann seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine nach Einschätzung des International Institute for Strategic Studies (IISS) auch 2026 fortsetzen – trotz wachsender wirtschaftlicher Belastungen und hoher Verluste an der Front. Es gebe „kaum Anzeichen“, dass Moskaus Fähigkeit, den Krieg in ein fünftes Jahr zu führen, ernsthaft geschwächt sei, erklärte IISS-Generaldirektor Bastian Giegerich.

Dem Jahresbericht „The Military Balance“ zufolge gab der Kreml 2025 mindestens 186 Milliarden Dollar für Verteidigung aus – real ein Plus von drei Prozent. Das entspricht 7,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und liegt damit deutlich über den Anteilen westlicher Staaten. Seit 2021 habe sich der russische Verteidigungshaushalt inflationsbereinigt verdoppelt.

Zwar schwäche sich die russische Wirtschaft ab, was 2026 zu einem realen Rückgang der Militärausgaben führen könnte, doch mehrere Jahre kräftigen Wachstums verschafften Moskau weiterhin Spielraum, um Personal zu rekrutieren und Waffen zu produzieren. Russland halte die Intensität seiner Angriffe auf ukrainische Städte und Infrastruktur mit Marschflugkörpern, ballistischen Raketen und Drohnen aufrecht.

Allerdings mehren sich laut IISS Anzeichen, dass die monatliche Rekrutierungsrate – geschätzt 30.000 bis 35.000 Soldaten – die Verluste nicht mehr vollständig ausgleicht. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte der Kreml vor der Entscheidung stehen, eine weitere Teilmobilmachung anzuordnen – mit dem Risiko innenpolitischer Spannungen wie im Herbst 2022. Westliche Schätzungen gehen von insgesamt mehr als 1,2 Millionen getöteten oder verwundeten russischen Soldaten seit Kriegsbeginn aus.

Zugleich modernisiert Moskau sein Arsenal. Das IISS verweist unter anderem auf weiterentwickelte Angriffsdrohnen vom Typ Shahed-136, die eine Reichweite von bis zu 2.000 Kilometern erreichen könnten und damit auch Ziele in Europa bedrohen. Dies unterstreiche die Notwendigkeit, dass die Nato verstärkt in Luft- und Raketenabwehr investiere.

Die europäischen Nato-Staaten und Kanada haben angekündigt, ihre Verteidigungsausgaben bis 2035 auf 3,5 Prozent des BIP zu erhöhen. Das IISS warnt jedoch, dass dies erhebliche und langfristige Investitionen erfordere. Zudem werde es bis weit in die 2030er Jahre dauern, bis Europa seine militärische Abhängigkeit von den USA – etwa bei Aufklärung, Satellitentechnik und Luftverteidigung – spürbar verringern könne.

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