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BeiDie RedaktionSamstag, 20.06.2026
Auswertung: Wie man in so kurzer Zeit so viele Unwahrheiten erzählen kann, verdient die „Münchhausen“ Auszeichnung.
Faktencheck zur jüngsten TGI-TV-Sendung: vier neue Behauptungen auf dem Prüfstand
In der jüngsten TGI-TV-Folge (Moderator plus Helmut Kaltenegger) kamen einige neue, konkrete Behauptungen, die ich mir genauer angesehen habe: der angebliche Nachahmer mit dem Diamanten-Modell, „Mr. Robert“ und seine US-Investmentbank, die Doré-Reinheit von 98,6 % und die „Sideletter“-Konstruktion zum Gold. Hier meine Einordnung. Vorweg: persönliche Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen, keine Anlage- oder Rechtsberatung. Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung.
1. Der „Diamanten-Nachahmer“ – STIG International / Diamond Solution (Dubai)
Kaltenegger sagt, jemand habe das TGI-Modell „kopiert“, nur mit Diamanten, und mache das „erfolgreich, ohne Prospektpflicht und ohne Einlage-Verdacht“. Im Transkript fällt der verhörte Name „DICK International“ – gemeint ist erkennbar die STIG International (Dubai, Marke „Diamond Solution“).
Die Firma existiert real (STIG International Trading FZCO, Dubai). Das Modell ist tatsächlich strukturgleich mit TGI: Vorkasse, monatliche prozentuale „Rabatte“ (laut Werbung 2 bis 6 % im Monat, also sogar mehr als bei TGI), Lieferung später, Vertrieb über Network-Marketing.
Aber: Eine personelle oder gesellschaftsrechtliche Verbindung zu Kaltenegger/TGI ist nicht belegt. Es ist am ehesten ein unabhängiger Nachahmer, kein TGI-Ableger.
Der entscheidende Haken: Dass bei den Diamanten „nichts passiert“, ist kein Gütesiegel – das Projekt ist erst seit Herbst 2025 aktiv und schlicht noch nicht im Visier. Vor allem aber sind Diamanten noch ungeeigneter für so ein Modell als Gold: Gold hat einen einheitlichen Weltmarkt-Spotpreis, jede Unze ist gegen jede andere austauschbar. Diamanten haben das alles nicht – keinen Börsenpreis, keinen Terminmarkt, jeder Stein ist ein Einzelstück, und für Private gibt es praktisch keinen Wiederverkaufsmarkt zum Einkaufspreis. Wo man Gold-Rabatte wenigstens am Spotpreis messen kann, fehlt bei Diamanten jeder objektive Referenzpreis. Das macht das Modell noch intransparenter, nicht seriöser.
Kurz: Dass es den Nachahmer gibt, stimmt. Dass sein „Funktionieren“ irgendetwas über die Seriosität beweist, stimmt nicht.
2. „Mr. Robert“ und die US-Investmentbank/Privatbank
Der als „Besitzer der Investmentbank aus Amerika“ präsentierte „Mr. Robert“ beschreibt sich als „Privatbank für Entwicklungsländer“ mit „eigener Banktechnologie“ und „Lizenzmöglichkeiten für die Infrastruktur vom Bankwesen“.
Diese Formulierungen folgen fast lehrbuchhaft dem Muster, das die US-Börsenaufsicht SEC als „Prime-Bank-Betrug“ beschreibt: schwer überprüfbare, exotische Bankkonstrukte in „Entwicklungsländern“, offiziell klingende, aber inhaltsleere Begriffe, verknüpft mit einer angeblich exklusiven Auslandsbank. Die SEC schreibt dazu unmissverständlich, solche „Prime-Bank“-Programme seien sämtlich betrügerisch und existierten schlicht nicht. Es ist außerdem höchst unplausibel, dass eine echte, regulierte US-Bank für ein wegen Betrugsverdachts unter Ermittlung stehendes Unternehmen einen Bond auflegt und sich öffentlich „Teil von TGI“ nennt – seriöse Banken meiden so etwas aus Compliance-Gründen. Prüfen kann man das übrigens selbst: Eine echte US-Investmentbank ist über SEC/FINRA-Register auffindbar. Wenn nicht – Vorsicht.
3. Doré-Reinheit von 98,6 %
Kaltenegger sagt, die geprüften Doré-Barren hätten im Schnitt 98,6 % gehabt, keiner unter 98 %, und die fehlenden gut 1,3 % zum Feingold gleiche man „durch mehr Menge“ aus.
Doré ist Rohgold aus der Mine, vor der Raffination. Real liegt die Reinheit typischerweise bei 50 bis 90 % Gold (oft 70 bis 90), der Rest ist vor allem Silber. 98,6 % wären für echtes Minen-Doré ungewöhnlich hoch – das nähert sich schon teilraffiniertem Material. Die Angabe ist also zumindest erklärungsbedürftig.
Die „durch mehr Menge ausgleichen“-Logik stimmt so nicht: Bei Gold zählt der reine Feingoldgehalt, nicht die Bruttomenge der Barren. Fehlt Reinheit, fehlt reines Gold – das lässt sich nur ausgleichen, wenn tatsächlich entsprechend mehr Material mit nachgewiesenem Gehalt da ist. Eine Reinheitszahl allein sagt nichts über Echtheit oder Werthaltigkeit; dafür braucht es unabhängige Assay-Berichte und Mengennachweise.
4. Die „Sideletter“-Konstruktion zum Gold
Kaltenegger sagt, das im Prüfbericht dokumentierte Gold gehöre nicht der TGI, sondern „dem Partner“, und es gebe einen „Sideletter“, wonach der Partner es „für die TGI-Kunden abgetreten“ habe.
Das ist für Kunden eine schwache Position. Ein Side Letter ist eine private Nebenabrede. Gehört das Gold dem Partner und ist nur über eine solche Abrede „abgetreten“, dann haben Kunden im Insolvenzfall des Partners typischerweise kein Aussonderungsrecht (Gold gehört mir, raus aus der Masse), sondern bestenfalls ein Absonderungsrecht – der Insolvenzverwalter verwertet, das Gold fällt in die Masse, Kosten werden abgezogen. Dazu kommen fehlende Publizität (für Dritte nicht erkennbar) und Anfechtungsrisiken bei Abtretungen kurz vor einer Pleite. Was Kunden wirklich schützen würde, wäre echtes, insolvenzfestes (Mit-)Eigentum an konkret zugeordnetem, getrennt verwahrtem Gold – nicht eine private Abtretungs-Nebenabrede zwischen TGI und einem Partner.
Noch ein Punkte am Rande
„Staatsanwaltschaft ermittelt schon seit Dezember 2024, also kann nichts dran sein“: Lange Ermittlungen sind kein Entlastungsbeweis. Betrug ist ein Offizialdelikt – die Staatsanwaltschaft ermittelt von Amts wegen, ganz ohne Kundenanzeige. Und dass laufend Rabatte ausgezahlt wurden, ist bei schneeballartigen Strukturen gerade das Funktionsprinzip, solange neues Geld nachkommt. Was davon zutrifft, müssen aber die Behörden klären.
Mein Fazit
Von den vier großen neuen Behauptungen hält im Kern nur eine der Prüfung stand – dass es den Diamanten-Nachahmer wirklich gibt. Aber selbst der beweist nichts, im Gegenteil. Die US-Investmentbank-Erzählung folgt einem bekannten Betrugsmuster, die Doré-Reinheit ist fragwürdig und die Ausgleichslogik falsch, und die Side-Letter-Konstruktion gibt den Kunden gerade nicht die Sicherheit, die suggeriert wird. Unterm Strich viele große Worte – und wenig, das einer nüchternen Überprüfung standhält.
Das ist meine persönliche Einordnung, keine Anlage- oder Rechtsberatung. Für die TGI, STIG International und alle genannten Personen gilt die Unschuldsvermutung.
Also DICK International ist geradezu selbsterklärend!
Sorry, musste sein.