TGI AG: Servicetelefon für Anleger ab Montag – Rechtsanwalt Högel prüft gemeinsame Klage
Die Situation rund um die TGI AG spitzt sich zu. Anleger warten auf Auszahlungen, während Helmut Kaltenegger in einer Videobotschaft auf gesperrte Konten und beschlagnahmtes Gold verweist. Rechtsanwalt Maurice Högel von BEMK Rechtsanwälte in Bielefeld will ab Montag, dem 2. November 2026, um 9 Uhr ein Servicetelefon für möglicherweise geschädigte Anleger anbieten. Zudem wird eine gemeinsame gerichtliche Anspruchsdurchsetzung vorbereitet.
Redaktion: Herr Högel, wie beurteilen Sie die jüngste Videobotschaft von Helmut Kaltenegger?
Maurice Högel:Die Aussagen werfen erhebliche Fragen auf. Wenn sämtliche Kundengelder tatsächlich vorhanden sein sollen, müssen sich deren Bestand, Verwahrort und rechtliche Zuordnung nachweisen lassen. Eine bloße Versicherung reicht dafür nicht.
Redaktion: Kaltenegger erklärt, die Staatsanwaltschaft habe Gold beschlagnahmt. Ist das eine ausreichende Erklärung für ausbleibende Auszahlungen?
Maurice Högel: Nicht automatisch. Entscheidend wäre, welche Vermögenswerte beschlagnahmt wurden, wem sie rechtlich gehören und welche Ansprüche Anleger daran besitzen. Eine Beschlagnahme kann Auszahlungen erschweren, beantwortet aber nicht sämtliche Haftungsfragen.
Redaktion: Was halten Sie von der Empfehlung, Anleger sollten eigene Anwälte beauftragen, um Banken anzuschreiben?
Maurice Högel: Ein anwaltliches Vorgehen kann sinnvoll sein. Allerdings muss zunächst geklärt werden, gegen wen sich Ansprüche richten und ob gegenüber einer Bank überhaupt ein unmittelbarer Anspruch besteht.
Redaktion: Welche Unterlagen benötigen Sie von betroffenen Anlegern?
Maurice Högel: Wichtig sind Verträge, Überweisungsbelege, Abrechnungen, Kontoauszüge und sämtliche Korrespondenz. Ebenso relevant sind versprochene Liefertermine, Rückzahlungszusagen und bislang geleistete Auszahlungen.
Redaktion: Sie planen eine Sammelklage. Können sich alle Anleger beteiligen?
Maurice Högel: Zunächst müssen Vertragsgrundlagen und Anspruchsgegner geprüft werden. Der Begriff Sammelklage umfasst unterschiedliche Vorgehensweisen. Ob ein Kapitalanleger-Musterverfahren, eine Klagebündelung oder koordinierte Einzelklagen infrage kommen, hängt von den rechtlichen Voraussetzungen ab.
Redaktion: Können Anleger auch persönlich gegen Verantwortliche vorgehen?
Maurice Högel: Eine persönliche Haftung setzt eigenständige gesetzliche Anspruchsgrundlagen voraus. Dafür müssen konkrete Handlungen, Pflichtverletzungen und gegebenenfalls Verschuldensnachweise geprüft werden.
Redaktion: Welche Rolle spielen mögliche strafrechtliche Ermittlungen?
Maurice Högel: Strafrechtliche Ermittlungen und zivilrechtliche Rückzahlungsansprüche sind voneinander zu unterscheiden. Eine mögliche Strafanzeige ersetzt nicht die Prüfung und Durchsetzung zivilrechtlicher Forderungen. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Redaktion: Was geschieht, wenn sich Vermögenswerte im Ausland befinden?
Maurice Högel: Dann müssen Zuständigkeiten, anwendbares Recht und Vollstreckungsmöglichkeiten geprüft werden. Gerade bei grenzüberschreitenden Sachverhalten ist eine koordinierte Strategie wichtig.
Redaktion: Wie hoch sind die Kosten für Anleger?
Maurice Högel: Das hängt von Streitwert, Vorgehensweise und Honorarvereinbarung ab. Vor einer Mandatierung sollten Anleger transparente Informationen zu Kosten und Prozessrisiken erhalten.
Redaktion: Was ist jetzt am wichtigsten?
Maurice Högel: Unterlagen sichern, mögliche Fristen beachten und Ansprüche individuell prüfen lassen. Niemand sollte ohne rechtliche Prüfung neue Vereinbarungen unterschreiben oder auf bestehende Rechte verzichten.
Servicetelefon ab Montag
Nach den der Redaktion mitgeteilten Planungen beginnt die telefonische Betreuung am Montag, 2. November 2026, um 9 Uhr.
0800 0800 754
(kostenfrei aus Deutschland)
Die entscheidende Frage bleibt, ob die von der TGI AG behaupteten Vermögenswerte tatsächlich vorhanden sind und zur Befriedigung der Anlegeransprüche zur Verfügung stehen.
Kann es sein, dass zufällig Ende September „die Akte TGI“ dem Zahlungsanbieter für die Auszahlungen der Kunden, die die TGI verlassen haben, zugespielt wurde?
Kann es sein, dass diese rhetorische Frage nur dazu dient den Verschwörungsmytos den Kaltenegger gerne um den Zusammenbruch seines Goldkonstruktes stricken möchte zu befeuern?